Hechinger Wald: Zwei Förster, zwei Meinungen

5200 Festmeter Holz will der Hechinger Stadtförster Jürgen Baumer 2026 im Stadtwald einschlagen lassen. Sein „fürstlicher“ Försterkollege Martin Neumaier (für die Freien Wähler am Hechinger Ratstisch) würde gerne nochmal 1000 Festmeter drauflegen.
RothStürme, Trockenheit, Borkenkäfer, Baumkrankheiten: Dass der Hechinger Stadtförster zunehmend als Krisenmanager gefordert ist, war schon Anfang Dezember an dieser Stelle zu lesen. Auch beim aktuellen Bericht über die Lage im Stadtwald und bei der Vorstellung des Waldwirtschaftsplanes für 2026 im Verwaltungsausschuss des Hechinger Gemeinderates waren die vielfältigen Herausforderungen ein Thema.
Klimatisch schwierige Jahre
Stadtförster Jürgen Baumer berichtete, dass die Jahre 2024 und 2025 „klimatisch gesehen schwierige Jahre für den städtischen Forst“ waren. Allein die auffallende Nässe dieses Jahres, die den Grundwasserspiegel unterm Waldboden steigen ließ, ist aus Försterperspektive eine gute Nachricht. Ganz anders sieht es mit den stetig steigenden Temperaturen aus. „Wir laufen in eine Heißzeit hinein, die alle Rekorde bricht“, diagnostizierte Baumer. Mit einer Durchschnittstemperatur von 10,6 Grad hatte Baden-Württemberg 2024 das drittwärmste Jahr seit Beginn der Messungen. „Darunter leidet der Wald extrem“, stellte der Fachmann fest.
Dasselbe gilt für die mit den zunehmenden Extremwetterlagen steigende Sturmanfälligkeit. Mehr als jeder dritte Baum, der in diesem Jahr im Stadtwald gefällt wurde (36 Prozent), war eigentlich nicht zum Einschlag vorgesehen. Von „zufälliger Nutzung“ sprechen die Forstfachleute, wenn sie von Stämmen sprechen, die vom Sturm umgeworfen wurden oder in Folge von Dürre, Borkenkäfer- oder Pilzbefall gefällt werden mussten.
Dazu kommen die Baumkrankheiten. Das Eschentriebsterben, verursacht durch einen aus Ostasien eingeschleppten Pilz, schreitet voran. Und die Buchen, im Stadtwald mit 33 Prozent die Hauptbaumart, leiden zunehmend unter der Wipfeldürre, von Hitze und Trockenheit verursacht und damit eine klare Folge des Klimawandels.
Auf negative wirtschaftliche Folgen dieser Tatbestände wies Jürgen Baumer die Stadträte hin. Infolge des rund um Hechingen verheerenden Sommersturmes von 2023 habe man eine halbe Million Euro Verlust gemacht, weil die Menge an Sturmholz schnell und unter Wert verkauft werden musste.
Waldumbau schreitet voran
An dieser Stelle war der Stadtförster aber auch schon bei den guten Nachrichten angelangt: Sämtliche Windwurfflächen von damals seien aufgearbeitet und mit klimaresistenten Baumarten, wie Traubeneiche, Kirsche, Bergahorn und Douglasie, neu bepflanzt worden. Hechinger Vereine und bürgerschaftliche Gruppen hätten dabei tatkräftig mitgeholfen. Der Umbau hin zu einem stabileren Wald laufe planmäßig. Und ganz nebenbei konnte die konstante bürgerschaftliche Nachfrage nach Brennholz bedient werden. 1300 Festmeter Laubbrennholz wurden unters Volk gebracht.
Erfreulich nannte Baumer auch, dass die Erholungsfunktion des Waldes immer mehr zur Geltung komme: „Seit Corona gehen immer mehr Leute raus in den Wald.“ Und die ökologischen Leistungen des Waldes als „grüne Lunge“ rückten verstärkt in den Fokus. Auf fünf Prozent der Forstfläche darf sich der Wald ganz natürlich und ohne äußere Eingriffe entwickeln. Zugunsten der Artenvielfalt sind zirka 6000 Habitatbäume ausgewiesen worden.
Schmaler Gewinn geplant
Schließlich der betriebswirtschaftliche Aspekt: Im bevorstehenden Jahr 2026 plant Jürgen Baumer mit einem leicht positiven Betriebsergebnis. Einnahmen von 624.000 Euro stehen im Waldwirtschaftsplan Ausgaben von 605.000 Euro gegenüber. Eingeschlagen werden sollen im kommenden Jahr wiederum 5200 Festmeter. Den ursprünglichen Hiebsatz von 6840 Festmeter hatten die Bewirtschafter des Stadtwaldes nach dem Orkan vom August 2023 (der eine so große Menge Sturmholz hinterlassen hatte) reduziert.
Ein Punkt, an dem Jürgen Baumers Försterkollege am Ratstisch, der Freie Wähler Martin Neumaier, einhakte. Der Leiter des Forstreviers Alb der Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern machte seinem städtischen Kollegen zwar „ein großes Kompliment dafür, wie der Stadtwald dasteht“, stellte aber fest: „Der Einschlag ist sehr niedrig.“ Wenn man 1000 Festmeter mehr fällen würde, meinte Neumaier, könnte man auch einen Überschuss von 100.000 Euro für die Stadtkasse aus dem Wald holen. Die Preise auf dem Holzmarkt seien „sensationell“: „Für Eschen kriegt man fast so viel wie für Eichen.“ Und wenn Buchen und Eschen sowieso krank würden, „sollte man sie nutzen, bevor sie kaputt sind“. Beschleunigter Einschlag, so der „fürstliche“ Förster schließlich, würde auch den Umbau und die Verjüngung des Waldes beschleunigen: „Junge Wälder können besser auf Extremereignisse reagieren.“
Baumer für Atempause
Jürgen Baumer hörte den kollegialen Rat, wollte ihm aber nicht folgen. „Wir gehen an die kranken Bäume ran“, erwiderte er. „Die Vorräte sind aber nicht so riesig. Der Wald ist gut durchforstet. Es braucht schon auch mal eine Atempause.“
So blieb es beim Hiebsatz von 5200 Festmeter und bei Wirtschaftsplan mit dem ganz schmalen Überschuss. Der Verwaltungsausschuss stimmt einhellig zu. Nur einer enthielt sich: Martin Neumaier.
