Gerd Schollian aus Stein feiert Geburtstag
: "Fühle mich noch gar nicht wie 80"

Jubilar: Gerd Schollian feiert am heutigen Montag Geburtstag / Seit 44 Jahren Vorsitzender des Förderveins
Von
Andrea Maute
Oberndorf
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80 Jahre alt und noch voller Tatendrang: Gerd Schollian aus Stein feiert am Montag runden Geburtstag.

Fotos: Maute

Ach, wie im Fluge vergehen die Jahre. Wer würde sie anzweifeln – diese weisen Worte, die passenderweise ein großer römischer Dichter geprägt hat. Am heutigen Montag wird Gerd Schollian aus Stein 80 Jahre alt.

Hechingen-Stein. Otium cum dignitate – ein wohlverdienter Ruhestand? Für den Jubilar ist das ein Fremdwort. Ganz im Gegenteil macht Gerd Schollian das, was ihm besagter römischer Dichter, der übrigens kein Geringerer als der große Horaz ist, geradezu persönlich auf den Leib geschrieben zu haben scheint: Er nutzt den Tag. Ein unermüdliches Carpe diem, den 80 Lenzen zum Trotz.

Letztere sieht man ihm auch wahrlich nicht an. Braungebrannt, sportlich, immer in Bewegung – so kennt man Gerd Schollian. Stillstand, das ist nicht sein Ding. Auch nicht im Römischen Freilichtmuseum, in dem er so gut wie jeden Tag anzutreffen ist. Seit nunmehr fünf Jahren vorwiegend auf "seiner" Baustelle, im Tempelbezirk, dessen Vollendung er unermüdlich vorangetrieben hat.

Geboren in Friedrichshafen

Aber alles der Reihe nach. Denn schließlich gab es auch noch ein Leben vor den Römern. Und das begann für den Jubilar im Jahre 1941. Als ältester von drei Brüdern wurde er am 23. August in Friedrichshafen geboren. Noch heute ist die Erinnerung an die Bombeneinschläge und den dabei von den Wänden rieselnden Gips lebhaft präsent. Als der kleine Gerd fünf Jahre alt war, zog die Familie in die alte Heimat Stein zurück, wo er die Volksschule besuchte und später bei Walter Buhmann in Hechingen den Beruf des Industriekaufmanns erlernte. Dabei hätte es beruflich durchaus auch in eine ganz andere Richtung gehen können, denn selbst eine Karriere im Profisport wäre im Bereich des Möglichen gewesen.

Als begeisterter Skifahrer absolvierte Gerd Schollian eine Ausbildung zum Übungsleiter für den alpinen Skilauf in Oberstdorf und war später als Skilehrer in den Skiclubs Steinlach und Hechingen tätig. Letztlich blieb dieser Sport allerdings ein Hobby, das er bis heute, vorwiegend in seinem Lieblingsskigebiet am Arlberg mit großer Leidenschaft ausübt. Seine Augen glänzen, wenn er vom Heli-Skiing in Kanada erzählt. Oder von den Treffen mit der Skisport-Elite. Aber auch im Fußball konnte er beachtliche Erfolge erzielen. Von der Jugend bis zur AH kickte der Jubilar im TSV Stein, war Auswahlspieler bei der Bundeswehr und mehrfacher württembergischer Meister. Was es dazu braucht, um so weit zu kommen? Talent, ohne Frage. Aber nicht zuletzt auch Strebsamkeit. Und diese kam bei ihm auch im beruflichen Bereich zum Tragen. Nachdem er sich an der Abendschule zum Finanzbuchhalter weitergebildet hatte, standen ihm neue Türen offen. Und eine von ihnen führte direkt ins Steinemer Rathaus.

Von Bürgern zur Kandidatur ermuntert, wurde er im Alter von knapp 30 Jahren gleich im ersten Wahlgang zum Bürgermeister gewählt. Die örtliche Presse quittierte seinen Dienstantritt damals mit einer Meldung und einem Foto. "Gerd Schollian – der neue Bürgermeister von Stein – ist im Steiner Rathaus eingezogen und hat seine Arbeit dort aufgenommen."

Dem aufmerksamen Leser wird es an dieser Stelle nicht entgangen sein: Seit 1971 sind mittlerweile 50 Jahre ins Land gezogen. Es ist also nicht nur ein runder Geburtstag, den Schollian heuer feiern kann.

Was ist in dieser Zeit alles passiert? Sehr viel, denn mit dem jungen Bürgermeister, der nach der Eingemeindung von Stein 1973 hauptamtlicher Ortsvorsteher wurde, kam frischer Wind ins Rathaus. Die Ortschaft hat er während seiner Dienstzeit maßgeblich vorangebracht. Neun Baugebiete, der Kindergarten, die Turnhalle und die Auchtertbrücke – das sind nur einige der Projekte, die er gemeinsam mit seinen Mitarbeitern und Kollegen verwirklichen konnte.

Im Jahre 1999 endete seine berufliche Laufbahn, nicht allerdings sein Engagement.

Vielseitig engagiert

Die Liste der Tätigkeiten, die er ausübte, ist lang: Vorsitzender der Vereine zur Sanierung der St.-Markus-Kirche, Vorstandsmitglied des Hohenzollerischen Geschichtsvereins, Rechner des Zweckverbands Wasserversorgung Hohenzollern, Verantwortlicher für die Gründung des städtischen Volkshochschule, Spruchkammervorsitzender Fußball (Bezirk Zollern). Doch spätestens an dieser Stelle ist es nun Zeit, sich dem Thema zuzuwenden, an der sein Herz hängt: Die römische Geschichte und in diesem Zusammenhang das Freilichtmuseum.

Entdecker der Villa rustica

Den entsprechenden Stein ins Rollen brachte Gerd Schollian 1971, als er auf der Suche nach einem mittelalterlichen Weiler im Wald die ersten Mauern entdeckte. Wie die anschließenden Untersuchungen ergaben, waren es Reste eines römischen Gutshofes, einer sogenannten Villa rustica.

Ein Jahr bevor das Denkmalamt mit den Ausgrabungen begann, gründete sich, getragen vom Wunsch nach einem Museum, der Verein zur Erforschung und Erhaltung der Kulturdenkmale in Hechingen-Stein; der heutige Förderverein Römisches Freilichtmuseum, den der Jubilar von Anfang an leitet. Und auch das ist eine reife Leistung, denn nicht viele werden von sich behaupten können, 44 Jahre lang einem Verein vorzustehen.

Im Rückblick kann es Gerd Schollian selbst kaum glauben, was in Zusammenhang mit den verschiedenen Institutionen geschafft wurde. "Alles klappte wunderbar", erzählt er. Die Anlage wurde in Teilen rekonstruiert und zum Reigen der Jubiläen kann nunmehr noch ein drittes hinzugefügt werden: Die Einweihung der Villa rustica vor 30 Jahren; ein Großereignis, über das die Lokalzeitungen umfassend berichteten.

Einer der Höhepunkte war damals ein Fußmarsch in historischen Kostümen von Rottenburg, dem ehemaligen Sumelocenna, nach Stein. "Mit dem Centurio Gerd Schollian an der Spitze ging es auf den 25 Kilometer langen Weg", heißt es dazu in der Presse. Und beim Jubiläums-Umzug säumten "weit über 10 000 Menschen" die Straßen. Es sind unvergessliche Momente, auf die noch viele weitere folgen sollten, etwa die Rekonstruktion des Tempelbezirks, dessen Einweihung kurz bevorsteht.

Die Leistungen von Gerd Schollian – sie würden für mehrere Leben reichen und haben auch schon viel Würdigung erfahren. So ist er Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande und erhielt mit dem Verein den Konrad-Adenauer-Preis in Bronze sowie den Württembergischen Archäologiepreis.

Dank an Familie

Doch all das, weiß er, wäre nicht möglich gewesen ohne den Rückhalt seiner Familie. Seiner Ehefrau Ursula, die er 1967 heiratete, und seiner Tochter Nicole, die mit Mann und Sohn in Rangendingen lebt. Aber auch nicht ohne die Unterstützung vieler weiterer Menschen. "Man muss immer die richtigen Leute um sich haben", betont der Jubilar. Und weiter: "Vieles ist Vorsehung. Das Schicksal gibt einem in die Hand, was man zu tun hat."

Lebensabschnitt beginnt

Er habe es gut mit ihm gemeint, der Herrgott. Und er tue dies hoffentlich noch viele weitere Jahre. "Ich fühle mich noch gar nicht wie 80", sagt Schollian und muss auf die Frage nach seinem Wunsch zum runden Geburtstag nicht lange überlegen. "Der Erhalt der Gesundheit. Das Freilichtmuseum weiter voranbringen und später einen würdigen Nachfolger finden."

Bis dahin hält er es mit dem Künstler Michelangelo: "Jetzt bin ich zwar 80 Jahre alt, aber nun beginnt ein neuer Lebensabschnitt."

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