Burladingen: Millionen Kilometer mit Trigema-Chef

Weggefährten: Karl-Heinz Pfister hat als Chauffeur seinen Chef Wolfgang Grupp über Jahrzehnte sicher durch die Lande gefahren. Wie viele Kilometer das waren, das hat er schon lange aufgehört zu zählen. Jetzt geht er in den Ruhestand. Foto: Rapthel-Kieser
Schwarzwälder-BoteVon Erika Rapthel-Kieser
Burladingen. Er ist buchstäblich ein Weggefährte von Trigema-Chef Wolfgang Grupp. Über Millionen Kilometer hinweg. Als Chef-Chauffeur saß Karl-Heinz Pfister für drei Unternehmergenerationen hinter dem Steuer. Jetzt geht er in den Ruhestand.
Er könnte viel erzählen über die Zeit mit seinem Chef. Macht er aber nicht. "Klar kriege ich im Auto vieles mit", sagt er. Aber das gehe niemand etwas an. Was er im Dienst erlebt habe, "das erzählte ich zu Hause nicht mal meiner Frau". Das sei die Grundlage für seinen Beruf. Auf seine Verschwiegenheit habe sich der Chef immer verlassen können, versichert er.
Wie weit er ihn gefahren hat? "Nach einer Million Fahrkilometer habe ich aufgehört mir das aufzuschreiben", winkt er ab. Und der Moment ist schon lange her. Als Vierzehnjähriger trat Pfister 1964 in die Trikotwarenfabriken Gebrüder Mayer in Burladingen ein. Mit siebzehn machte er den Führerschein, fuhr Heimarbeit aus.
Als der Fahrer von Franz Grupp, dem damaligen Chef, ausschied, bekam Pfister diese Arbeit übertragen. Fortan war er Chauffeur der Firmenchefs. Anfangs mit Mütze. "Aber die hat mich total gestört, die ist immer verrutscht oder ich bin mit ihr oben angestoßen", erzählt der groß gewachsene Mann. Nach vierzehn Tagen durfte er sie ablegen. Der Chef hatte ein Einsehen. Pfister braucht keine Mütze, um seriös zu wirken. Weißes Hemd, Krawatte, immer dunkler Anzug – anders wäre er nie hinter das Steuer gesessen.
Die Anfangszeiten waren hart. Franz Grupp war Honorarkonsul und Fußballfan. Regelmäßig ging es also nach Bonn und Stuttgart und des Öfteren auch spät nachts zurück. Auch bei Schnee. Die Steigung in Hausen ist Pfister da noch in Erinnerung. Da musste er früher oft aussteigen und Schneeketten anlegen. "Wegen ein paar hundert Metern".
Als belastend empfand er den "Deutschen Herbst". 1977, die Zeit, als RAF-Terroristen den Unternehmer Hanns-Martin Schleyer entführten und ermordeten. "Da war die Hölle los, alle waren total nervös", erinnert sich Pfister. Empfänge fanden nur noch unter hohen Sicherheitsmaßnahmen statt. Die Polizei empfahl ihm damals, eine Schusswaffe mit sich zu führen. Für den Notfall. Das lehnte er ab. Er hätte damit wohl kaum etwas ausrichten können.
Gottseidank vorbei. Dafür ist der Verkehr heute hektischer, findet er. "Früher sind sie längst nicht so oft im Stau gestanden, das ging alles viel flotter". Trotz der vielen Kilometer und der permanenten Eile: Pfister blieb in 50 Jahren unfallfrei – Strafzettel aber gab es schon ein paar.
Bei aller Diskretion, ein paar Fragen zum Chef darf Pfister beantworten. Ja, es stimme, der Beifahrersitz wurde verkehrt herum eingebaut. "Auf dem sitzt Herr Grupp aber nur, wenn die ganze Familie im Auto ist". Ansonsten sitze er auf der Rückbank, arbeite Akten durch, telefoniere oder schaue Nachrichten. Seinen letzten Arbeitstag hatte Pfister am 1. April. An den Ruhestand muss er sich noch gewöhnen. 50 Jahre lang ist er früh aufgestanden, hat den Dienstwagen gewienert, war stets bereit für die nächste Tour.
Dass sein Sohn derzeit ein Haus umbaut, kommt dem Pensionär gerade recht. Da gibt es Arbeit. Noch einmal wird er in der kommenden Woche seinen Dienstanzug anziehen. Dann wird er offiziell in einer Feierstunde im Hause Grupp verabschiedet. Damit