Bürgertreff in Hechingen-Stetten
: Das Drama um die Halle in aller Munde

Der Stettener Bürgertreff war geprägt von Zuversicht im Vertrauen auf die Stärken einer lebendigen Dorfgemeinschaft. Der Tatort Turn- und Festhalle war das Thema des Abends.
Von
Hannes Reis
Oberndorf
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Ein letztes Mal närrisch geschmückt: die baufällige Stettener Festhalle, die beim Neujahrsbürgertreff sehr gut besucht war.

Reis

Für ihre letzten Lebenstage hatte sich die Stettener Festhalle noch einmal fasnetsbunt geschmückt, um die Messpunkte der kontinuierlichen Bauwerksprüfung an der Hallendecke zu überdecken. Der Musikverein spielte unter der souveränen Leitung von Rainer Fink keine Trauer-, sondern aufmunternde Festmusik. Nein, eine Trauerfeier war der Bürgerabend ganz und gar nicht.​

Der stellvertretende Ortsvorsteher Uwe Stegmeier setzte in seiner Begrüßungsrede dafür überzeugende Akzente, indem er Mut machte, im Vertrauen auf die eigenen Kräfte die anstehenden Herausforderungen anzupacken. Es brauche, so Stegmeier, „solche Abende, an denen man sich in die Augen schaut, lacht, diskutiert und vielleicht auch ein bisschen schimpft, aber miteinander“. Die prominenten Stettener Baustellen und Projekte wie Kita- und Hallenneubau sind für Stegmeier keine Zeichen des Stillstands, sondern stehen für eine beherzte Aufbruchsstimmung der umtriebigen Dorfgemeinschaft.

Hahn: Neubau ist unumgänglich

Bürgermeister Philipp Hahn kam ohne Umschweife auf das Hauptthema des Abends zu sprechen, indem er sich selbst zitierte: „Der Neubau einer Turnhalle ist angesichts der Haushaltslage absehbar unrealistisch“, hatte er vor Jahresfrist beim Bürgertreff erklärt. Aufgrund der aktuellen Bauwerksprüfungen sei diese Aussage überholt. Um 46 Prozent sei die Halle überbeansprucht, was seit einem Jahr zu Nutzungseinschränkungen bei besonderen Wetterlagen führe. Nach den neuesten Fachgutachten sei die Halle nur noch bis 31. Dezember 2026 nutzbar. Ein Ersatzneubau sei unumgänglich. Mit Pragmatismus, Flexibilität und der Mithilfe von Boll und anderen Stadtteilen werde man diese hallenlose Zeit meistern. Michael Werner, der Leiter des Bauamtes, habe mit externen Fachleuten und in enger Abstimmung mit den internen Gremien die Neubauplanung aufs Gleis gebracht. Der vom Gemeinderat beschlossene Neubau der Kindertagesstätte bei der Halle liege im Zeitplan und solle bis 2028 stehen.

Narrenjubiläum steht bevor

Hahn bescheinigte den Stettenern ein hohes Maß an Gemeinschaftssinn, „geprägt von Tradition und verbunden durch Leidenschaft“, wie es die Hagaverschrecker seit 100 Jahren leben. Hahn versprach, beim Festumzug am Sonntag, 8. Februar, anlässlich des Jubiläums der Narrenzunft dabei zu sein.

Ortsvorsteher Otto Pflumm ergänzte die Beiträge der Vorredner mit einem durch eindrucksvolle Bilder garnierten Rückblick auf das 2025 (siehe Kasten). Die Kita und die Grundschule Stetten/Boll seien voll ausgelastet. Ab dem nächsten Schuljahr seien alle Klassen zweizügig, Räume würden knapp, und der Ortschaftsrat stelle seinen Sitzungsraum zur Verfügung. Pflumm bedankte sich bei der ehemaligen Schulleiterin Uschi Kleinmeier, bei den kommissarischen Schulleiterinnen Yvonne Boll, Tatjana Hoffmann und Birgit Maute, beim Elternbeirat und beim Förderverein Grundschule Stetten/Boll für die engagierte Arbeit.

Hoffnung auf Hilfe der Nachbarn

Der Ortschaftsrat habe 13 Mal getagt, davon zweimal mit dem Ortschaftsrat Boll, was die gutnachbarschaftliche Kooperation unterstreiche. Dafür dankte Pflumm seiner Kollegin Meta Staudt und wünschte sich für die hallenlose Zeit eine Turn- und Festhalle Boll/Stetten analog der Grundschule Stetten/Boll. Neben den anstehenden Projekten „Hochwasserschutz Ziegelbach“, „Reichenbachverdolung“ und „Mobilfunkmast“ ging Pflumm auf den Fortschritt im Baugebiet Hilb ein. Fünf von sieben Bauplätzen an der Erlenstraße seien vergeben und zum Teil schon im Bau. Die Ampel für die Planung der weiteren Hilb-Bebauung stehe auf Grün. Pflumm machte die überörtliche von Stetten bei einigen Bauprojekten (Ziegelbach, Festhalle, Mobilfunkmast) deutlich. Davon profitiere auch die Kernstadt.

Beim Stettener Bürgertreff: die geehrten Grünpaten mit Ortschaftsräten, Ortsvorsteher Otto Pflumm (rechts) und Bürgermeister Philipp Hahn.

Foto: Reis

Bei der Suche nach Interimslösungen für die vom Festhallenbau betroffenen Stettener Vereine setzt Pflumm auf die Unterstützung der anwesenden Ortsvorsteher von Sickingen, Siegbert Schetter, und Weilheim, Gerd Eberwein.

Stetten erzählt

Ein Glanzpunkt des Abends war der Auftritt des Mitherausgebers der Chronik „Stetten erzählt“, Matthias Büttner. Büttner erzählte frei und sehr persönlich von der spannenden Entstehungsgeschichte dieses facettenreichen Buches. Es war wie ein Zwiegespräch mit dem im Publikum sitzenden Zeitzeugen und Mitautor Franz Bausinger, dem allseits bekannten „Baura-Franz“. Der zweite wichtige Mitautor, der 2023 verstorbene Dorfchronist und langjährige Ortsvorsteher Franz Buckenmaier, genannt „Herre-Franz“, war durch Büttners geschichtenreiche Erzählweise im Raum ebenso präsent. Das Buch ist weiterhin in der Ortschaftsverwaltung und bei Matthias Büttner erhältlich. Der Bucherlös kommt hälftig dem Heimat- und Bürgerverein und dem Förderverein Klosterkirche zugute.

Letztmals das Hohenzollernlied

Stellvertretend für das großartige bürgerschaftliche Engagement in Stetten überreichte Otto Pflumm den Grünpaten ein Glas Honig von fleißigen Stettener Bienen. 22 Grünpaten zählt Stetten und damit so viele wie kein anderer Hechinger Stadtteil.

Zum letzten Mal sang man in der Halle „aus voller Kehle für die Seele“ das Hohenzollernlied.

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