Bisinger Schwäbisch-Kurs: Himbela und Breschdling sind besonders gut

Die Heimat ist nicht nur schön anzuschauen, sie hat auch einen wohl klingenden Dialekt.
KauffmannGotta Dag liabe Liebhaber des schwäbischen Schwätzles. Nach längerer Zeit möchte ich Euch mol wieder einlada, mich auf der Suche nach schwäbischen Sprachschätzen und Besonderheiten zu begleiten. Ischd Ihna des au schau so ganga, dass sie jemandem begegnen, der sie kennt, sie aber entgegen müssen: „I wass jetzt id aber I kenn Di oder Sie vom Seah!“ Des saged Schwoba gean au bei uns, wenn ehna dr Name des Gegenüber neme eifällt! Für die Nichtschwaben erklärt, ich habe Sie schon öfters gesehen, aber wissen tue ich nicht genau, wer sie sind! Ziemlich umständlich, also besser schwäbisch: I kenn Di vom Seah.
Nachdem ich durch mein kleines Büchle (siehe Info) über die regionale Mundart viele Leser erfreut haben dürfte, ist vielleicht auch mein Wohnort schon mal gefallen und da ergibt sich eine urschwäbische Frage mit einem pfiffigen Hintergrund.
„Ge Hacka!“
„Mo ischd überhaupt Dana“ (Thanheim)? Und wissed Ihr, was dia Danemer friar uff dia Frog gantwortet hettet: „Ge Hacka!“ Ha ja, des war friar oft so, dass d‘Ahna (Großmutter) zum Hacken hot müasa auf ihrem Krautland oder uffm Kartoffeläckerle. Die Erinnerung an mei Ahna habe ich ja in meinem Büchle verewigt, weil sie schau lang nemme do ischd. Schwäbisch heirt sich tot sein also nicht so hart an, weil „nemme do sei“ ka au bedeuta, er oder sie hat grad den Ort gewechselt.
Wohnort: Gottesacker 20/5
Es gab übrigens schau Todesanzeiga, do stand drinna, ich bee umzoga, meine neue Adress lautet Gottesacker 20/5. Do muschd zeschde druff koma, id wohr? Wenn friar d’Leut heand s‘Neueste vom Ortsgeschehen wisse welle, no ischd ma zum Nochber uffs Beekle, meist nach dem Vesper am Abend, deshalb also z’Liacht ganga, ganz früher mit Kerze oder Petroleumlampe oder uff Gass mit dem Vorsatz: „Gugga wa goht“, also beobachten, was gerade passiert oder geschieht, um neudeutsch jo up to date zu bleiba.
„Des ischd mir Oading“
Dabei kam das eine oder andere zu Tage und wenn mei Ahna etwas nicht interessiert hat, sagte sie gerne: „Des ischd mir Oading“, das ist mir egal. Es gibt ja Leute, die im Flecka fast alles mitbekommen und darüber berichten können. Des sind no dia Schwobe unserer Region, dia gugged, wa goht, au wenns Grotta haglet, also wenns a Hurniglede geit! (Starkregen, Windboen und Hagelschauer) Vo deam könne mir Bisinger leider des Johr jo veil vrzehla. Do heand no veil gsait: „Jetzt Gott Naachd am sechse“, au so a typisch schwäbische Redewendung, wenn man nicht mehr aus und ein weiß.
Liebe bei den Schwaben
Manche Menschen machen bekanntlich aus jeder Mücke einen Elefanten. Mir Schwoba vodr Region saged do oafach: „Hot jetzt dear amol an Lebdag verführt“.
Von der Liebe bei den Schwaben könnte ma veil verzehla, I fang amol a mitema Witzle: Zwee Manne sitzed beim Stammtisch zemma. No sait der Oa. Ha dau hosches guat, dau hoscht schau oft gsait, dau häbesched dei Weib zum Fressa gean. Jo hot dr sell dann entgegnet: „Wennse nau gfressa het!“ Ja, die klare direkte Art des Schwaben ist nicht zu toppen. Ansonsten ist es in der Liebe wie anderswo auch, nur saged mir I ma Di oder ich ka Di zum Verrecka guat leida oder I hau Di grausig gean. Übrigens Anton Bumiller aus Sigmaringen schrieb schon 1949 in seinem amüsanten Büchle „Aus dem Zollerland“ dass es ein schwäbisches Lied gibt. das doch das Wort lieben benützt, nämlich lautet es darin so: „Scheene Mädle muasma liaba, wenn ma scheene Weible will!“ So isch no au wieder, id wohr! Au so an alter Ausspruch ist „Guggea“. Des sage mir, wenn mir wonderfitzig druff warted, was passiert.
Haigerlocher Wörter
Im Hohenzollerischen gibt es jo viele kleine Abweichungen und Eigentümlichkeiten der Sprachweise, teilwiese sogar von Ort zu Ort. Diese Eigenheiten machen es mitunter für Nichtschwaben nicht einfacher, sich im Sprachenlabyrinth zurechtzufinden. Im Haigerlochischen, so Bumiller 1949, sagte man wohl früher nicht hinka und trinka, sondern heika und treika, was ich nicht wusste. Ich hätte diese Ausdrücke der Klangfarbe nach eher nach Onstmettingen und Tailfingen verortet. Was ich aber sicher weiß, ist, dass man in manchen Haigerlocher Teilorten zu Schweinen oder Sauen „Sauba“ sagt und dass man „moan“ (morgen) wieder schaffa muss.
Schöne alte Wörter
A baar schöne alte schwäbische Wörter haune au no ausgraba, die vielleicht auch noch bekannt sind. Wissed Ihr was an „Geifiz“ ischd, hajo de ältere Leser bestimmt: Ein unruhiger, fahriger Mensch, der vielleicht au gean Himbela oder Breschdling (Himbeeren und Erdbeere) gessa hot (gegessen hat). Wenn mir Schwoba vodr Region etwas ganz genau auskundschaften, no dearamr „loschora“, zum Beispiel wenn beim Nochber naachts um viere nos Liacht brennt!
„Jetzt dottered mir ebbes“, sagt man, wenn einem blitzartig die Erleuchtung kommt. Mir dottered grad, man soll nämlich uffheira, bevors an „Troodel“ geit, was soviel wie ein langweiliges Geschwätz, im meinem Fall ein langatmiges Gesudel (mit wenig Sorgfalt aufs Papier gebracht) bedeutet, was ich nicht hoffe! Freindliche Griaß, bleibet xond und senkrecht!
Über den Autor
Buch
Gerhard Dehner kennt das Schwäbische aus dem Effeff. Im Jahr 2021 veröffentlichte er ein Buch, das das Lesern Kurzweile und Erkenntnisse über ihre ‚Muttersprache‘ verspricht. Der Titel: „Was hot d’Ahna und dr Ehne gsait?“. Das Buch war so stark nachgefragt, dass 2022 eine zweite Auflage erschien.