Bildungshaus in Hechingen
: Erkrankte gemeindenah betreuen

Bei einem Fachtag der BruderhausDiakonie im Hechinger Bildungshaus St. Luzen ging es darum, wie Menschen mit Psychiatrieerfahrung zu Unterstützern von Erkrankten werden.
Von
db
Oberndorf
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Die Referenten des Fachtags der BruderhausDiakonie, der im Hechinger Bildungshaus St. Luzen stattfand.

BruderhausDiakonie​

Vom Glück in glücksfernen Zeiten – Verantwortung und Hoffnung in der Sozialpsychiatrie: So war der Fachtag der BruderhausDiakonie im Hechinger Bildungshaus St. Luzen überschrieben. Rund 110 Teilnehmende tauschten sich am vergangenen Donnerstag zu Perspektiven für die Sozialpsychiatrie in herausfordernden Zeiten aus. Sie diskutierten, wie bei einem Anstieg von psychischen Erkrankungen und Belastungsstörungen und zugleich begrenzten finanziellen Mitteln eine fachliche Antwort aussehen kann. ​

Georg Link, Sozial- und Rechtsdezernent beim Zollernalbkreis, nannte in seinem Grußwort die BruderhausDiakonie einen unverzichtbaren und verlässlichen Partner in der sozialpsychiatrischen Versorgung. Das Motto des Fachtags zeuge von „Mut, Tiefgang und einem feinen Gespür für die Themen der Zeit“. Bei der Unterstützung von Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung gehe es nicht nur darum, Krisen zu bewältigen, sondern um Lebensqualität, Teilhabe und Selbstbestimmung.

Ziel: Akteur in der Hilfeerbringung werden

​In diesem Zusammenhang kommt der Qualifizierung von Genesungsbegleiterinnen und -begleitern eine besondere Bedeutung zu. Menschen mit eigener psychiatrischer Erfahrung werden mit dem Ziel ausgebildet, selbst Akteure in der Hilfeerbringung zu werden. Mit ihrem Erfahrungswissen verfügen sie über eine eigene Kompetenz, um Menschen mit psychischen Erkrankungen zu begleiten.

​Die BruderhausDiakonie hat in der Ausbildung und mit dem Einsatz von Genesungsbegleitern seit Jahren Erfahrungen gesammelt. Im neuesten Projekt „Brücke Partizipation“, das eine Kooperation der BruderhausDiakonie mit dem gemeinnützigen Verein EX-IN Schweiz ist, lassen sich seit Beginn dieses Jahres 20 Menschen zu Genesungsbegleiterinnen und -begleitern ausbilden. Nach der Qualifizierung unterstützen die Genesungsbegleiter psychisch erkrankte Menschen in Betreuungsangeboten oder Kliniken.​

„Betroffene einzubeziehen, war uns bei unseren Fachtagen immer wichtig“, berichtete Walter Riedel, Regionalleitung Freudenstadt, Tübingen, Zollernalb. Die Genesungsbegleiterinnen Heike Bader und Anna Kandel seien in der Vorbereitung dieses Fachtags von Anfang an dabei gewesen. In ihrem Workshop griffen sie das Thema „Was macht uns Hoffnung?“ auf. Walter Riedel sagte: Studien hätten gezeigt, dass professionelle Hilfe zwar wichtig sei, eine größere Bedeutung komme jedoch sozialen Netzwerken zu. „Es geht um die Erfahrung, für andere nützlich zu sein und gebraucht zu werden.“

Perspektive für Sozialpsychiatrie

​ Paul-Stefan Roß, Dekan Sozialwesen der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Center for Advanced Studies, sprach über „Perspektiven für die Sozialpsychiatrie in herausfordernden Zeiten“. Er sieht den Schlüssel in einer gemeinsamen Daseinsvorsorge. Als Beispiel nannte er gemeindepsychiatrische Verbünde, in denen Akteure aus verschiedenen Bereichen zusammenwirkten.

Bei der wohnortnahen Unterstützung sowie der Prävention kommt der Quartiersentwicklung eine große Bedeutung zu. Hier gehe es darum, bürgerschaftliches Engagement zu fördern und das Quartier als Ganzes in den Blick zu nehmen.

Die Organisatoren der BruderhausDiakonie veranstalteten den Fachtag mit dem Ziel, dass von diesem ein Impuls ausgeht, Menschen mit psychischen Erkrankungen verständnisvoller und gemeindenah zu betreuen.

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