Weg vom Lost-Place-Etikett: Das sind die Pläne für die Freudenstädter „Waldlust“

Neu aufgestellt ist der Vorstand der Denkmalfreunde Waldlust (von links): Michael Wolf (Kassierer), Matthias Jarcke (Vorsitzender), Bernd Leix (stellvertretender Vorsitzender und Schriftführer), Karl-Heinz Lammel und Siegfried Schmidt (beide Beisitzer).
Denkmalfreunde Waldlust Bei der Mitgliederversammlung im Ballsaal des ehemaligen Grandhotels wurde Matthias Jarcke zum Vorsitzenden des Vereins gewählt. Über die Versammlung berichtet der Verein in einer Mitteilung.
Die Neuwahl war wegen des plötzlichen Tods des Vereins-Chefs Herbert Türk im Sommer dieses Jahres erforderlich geworden. Jarcke erinnerte zu Beginn der Versammlung an diesen herben Verlust für die Denkmalfreunde, aber auch für ihn persönlich als Vereinsvize und engen Wegbegleiter.
Als stellvertretender Vorsitzender kandidierte Schriftführer Bernd Leix. Auch er wurde einstimmig und in Personalunion in das Amt gewählt. Neuer Kassierer im Vorstandsteam ist Michael Wolf.
Intensive Jahre
Die Denkmalfreunde Waldlust haben zwei erfolgreiche, aber auch, wie Jarcke rückblickend betonte, „sehr intensive Jahre“ hinter sich – mit diversen Veranstaltungen im Denkmal, Kaffee- und Besucher-Tagen, Dreharbeiten für Film- und Reportage-Zwecke sowie Empfängen und Feiern in den gemieteten Sälen der Waldlust.
Die wegweisendsten „Events“ für das alte Palasthotel fanden im Frühsommer und Sommer dieses Jahres statt. Mit den ersten Projekt-Wochen „Mission Stuckateur“, einem knapp fünfwöchigen Ausbildungslehrgang in Zusammenarbeit mit der Stuckateur-Innung Baden-Württemberg, wurde der große Empfangsbereich von Grund auf um- und neugestaltet. Die Waldlust, resümierte Jarcke, präsentiere sich nun in einem völlig veränderten Erscheinungsbild, das Bauwerk verkörpere so auch ein anderes Image. Das Ausbildungsprojekt soll in Jahresschritten kontinuierlich fortgesetzt werden.
Erstmalig fand heuer der „Kunst-Sommer Waldlust“ statt. Über drei Monate, von Juli bis September, wandelte sich das denkmalgeschützte Haus zu einem besucheroffenen Kunstszene-Ort. Beteiligt waren fünf Kunstakademien und Musikhochschulen des Landes mit ihren Studierenden und Professoren.
Als „sehr fordernd“ für Akteure wie die Vereinsaktiven, aber auch stilbildend für die künftige Nutzung des Denkmals, beschrieb Jarcke die insgesamt 13-wöchige Ausstellung. Mit Rauminstallationen, Sound- und Video-Projektionen, mit Mal- und Fotokunst. Rund 3000 Besucher frequentierten das Haus während der Kunstwochen. Diese konnten trotz umfangreichem Etat dank Spenden, Sponsoring und Verkaufserlösen auch finanziell erfolgreich bewältigt werden.
Weg vom Lost-Place-Etikett
Vereinskunstkurator und Waldlust-Museumsschöpfer Carl Gebhardt nannte die Waldlust-Kunstaktion eine herausragende Imagekampagne mit Leitbildcharakter. Sein Dringlichkeitsantrag an die Versammlung, das architektur- wie tourismus- und sozialgeschichtlich so bedeutsame Freudenstädter Hotel-Denkmal zu einem Kulturzentrum mit Alleinstellungsmerkmal weiterzuentwickeln, wurde auf breiter Ebene angenommen.
Damit ist nun auch quasi offiziell die Loslösung vom in den Augen des Vereins verbrauchten und großenteils unerwünschten Hype auslösenden „Lost Place“-Etikett der jüngeren Vergangenheit besiegelt. Das programmatische Leitbild „Waldlust“ soll und müsse ein anderes sein, so die Forderung. Es brauche „visionäre Ideen“ für die Waldlust. Schon allein auch, um weiter Sympathiewerbung betreiben und Fördermittel für den Erhalt des Denkmals einwerben zu können.
Das althergebrachte und häufig allzu beliebige „Klein-Klein“ beim bisherigen Hausgebrauch könne nicht zielführend sein oder gar das Gebäude retten helfen. Auch ein Investieren lediglich in den Unterhalt des Bauwerks reiche nicht aus. Zweigleisig und parallel müsse gefahren werden: Erhalten und Entwickeln.
Ebenso der Erwerb ist programmiert. Nächste Schritte auf dem Weg, das inhaltlich geschärfte Leitbild für die Waldlust praktisch umzusetzen, wurden den Mitgliedern vom Vorstand und seinen Projektkoordinatoren vorgestellt.
Im Sommer 2025, während der Gartenschau-Saison, ist ein weiteres Kunst-Event Waldlust geplant: ein „Waldlust-Kunstpfad“ im historischen Hotelpark.
Legendäre Zwitscherstube
Vorsitzender und Architekt Matthias Jarcke möchte als nächsten Ausbauschritt die Neuausgestaltung und Restaurierung der legendären „Zwitscherstube“, einst mal das beliebteste Ausgehlokal in Stadt und Region, angehen. Und der Fotograf und IT-Administrator Bernd Armbruster präsentierte sein Konzept für eine „Musiknacht Waldlust unplugged“ an vier aufeinanderfolgenden Wochenenden.