„Voice“ in Freudenstadt: Von Partyhits bis hin zu nachdenklichen Texten

Die Band Voice machte bei ihrem Weihnachtskonzert von der ersten Minute bis zur allerletzten Zugabe Spaß.
Monika SchwarzKarten für das alljährliche – wenn auch nicht typische – Weihnachtskonzert gab es schon längst nicht mehr. Eingefleischte „Voice“-Fans hatten sich deshalb schon frühzeitig damit eingedeckt.
Wer eine Karte ergattert hatte, erlebte einen Abend, der von der ersten Minute bis zur „aller aller allerletzten“ Zugabe, so Sänger Daniel Grossbach, als er den wirklich letzten Song des Abends ankündigte, Spaß machte.
Die achtköpfige Band, zu der neben Grossbach auch Sängerin Sabine Krasic, Stefan Barth (Gitarre, Keyboard), Burkhard Schmierer (Bass), Klaus Heuser (Trompete), Benjamin Bartels (Saxofon), Ralf Günther (Gitarre) und Uwe Stephan ( Schlagzeug) gehören, brauchte keine fünf Minuten, um das Publikum an den zahlreichen Stehtischen und auf den wenigen Sitzplätzen im Stadthaus aus der Reserve zu locken.

Das Publikum tanzt zu den Rockklassikern.
Foto: Monika SchwarzÜberall – besonders vor der Bühne – wurde getanzt, und zumindest bei den Refrains der Rockklassiker aus den 70ern, 80ern und 90ern auch kräftig mitgegrölt. Gespielt wurde neben ein paar wenigen Eigenkompositionen die gesamte Bandbreite an Songs, die sich schon vor Jahrzehnten ziemlich lange ganz oben in den Charts gehalten haben, weil sie einfach gut sind. Und gut ist eben auch das, was „Voice“ aus Basis des musikalischen Könnens der Bandmitglieder und der langjährigen Bühnenerfahrung daraus macht.
Klassiker und Eigenkompositionen
Vor und zwischen den Klassikern von Joe Cocker, Deep Purple, Tina Turner, Golden Earring oder auch Melissa Etheridge gab es dieses Mal auch Eigenkompositionen und fremde Songs, deren Texte von Hartmut John, den man normalerweise als Musiker und Namensgeber der Band John and Blues Friends kennt, punktuell übersetzt und interpretiert wurden. Dabei zeigte sich schnell, dass die Texte bis heute nichts an Aktualität verloren haben.

Hartmut John hat zu den Songs einiges zu erzählen.
Foto: Monika SchwarzEin bereits vor 40 Jahren von Drummer Uwe Stephan geschriebener „Weihnachtssong“ beispielsweise widmet sich den Folgen von Krieg und Terror, kehrt trotz der düsteren Thematik aber immer wieder zum Weihnachtswunsch „We Wish You a Merry Christmas“ zurück. Der Text mache deutlich, dass Hoffnung zwar fragil , aber dennoch notwendig ist, um einer Welt zu begegnen, in der Gewalt allgegenwärtig erscheint, sagte John.
Er widmete sich auch dem „Voice“-Kultsong „Time is Money“, der sich kritisch mit dem Verhältnis von Zeit, Geld und menschlichen Werten auseinandersetzt.
Entstehungsgeschichten der Songs
Bei „With a Little Help from My Friends“ lieferte John neben der Entstehungsgeschichte – John Lennon und Paul McCartney haben den Song anscheinend an einem Nachmittag innerhalb von vier Stunden geschrieben – auch weitere Hintergrundinfos, die kaum ein Zuhörer kannte.
Schließlich widmete er sich dem Partysong „Beds Are Burning“ von Midnight Oil, der die Unterdrückung und Ausbeutung der australischen Aborigines thematisiert. Die Kernbotschaft, dass moralische Verantwortung niemals ignoriert werden darf, bleibe ebenfalls bis heute aktuell.

Die Musiker von „Voice“ spielen mehrere Zugaben.
Foto: Monika SchwarzErst nach mehreren geforderten Zugaben am späten Abend wurde es den Musikern vom Publikum widerwillig zugestanden, die Bühne zu verlassen. Vielleicht ein wenig nachdenklich, auf jeden Fall aber gut gelaunt und ausgepowert ging es nach diesem mehr als gelungenen Abend nach Hause.