Symposium in Baiersbronn: Bewegung als Grundlage des Lernens

Beim Symposium (von links): Mireille Trautmann, Angela Hoffmann-Keining, Gabriele Iven, Renate Angermüller, Iolanda Bezerra Costa und Sonia Muñoz Rico.
Katrin BenaryZu dem Symposium hatte Logopädin Gabriele Iven in den Waldknechtshof in Klosterreichenbach eingeladen. Dafür gab es gleich mehrere Anlässe: ihren 75. Geburtstag und das Jubiläum 20 Jahre Therapiezentrum Iven.
Das Symposium fand aber auch zu Ehren von Beatrix Padovan, einer besonderen Logopädin aus Brasilien, verstorben im Dezember 2023, statt. Erfahrene, mit Gabriele Iven verbundene Dozenten, referierten über Konzepte, wissenschaftliche Studien und Erfahrungen.
Wie das Therapiezentrum Iven weiter in einer Mitteilung informiert, setzten sich die 50 Teilnehmer aus Anhängern der Padovan-Methode zusammen. Beatrix Padovan kam 20 Jahre lang zweimal im Jahr nach Baiersbronn, um Kurse zu geben. Das hat laut der Mitteilung mit vielen Therapeuten und Patienten eine intensive Verbindung hergestellt.
Iolanda Bezerra Costa (72) reiste extra aus Spanien an, um vier besondere Fälle vorzustellen, die die gebürtige Brasilianerin über einen längeren Zeitraum nach dem Padovan-Konzept mit unerwartetem Erfolg behandelt hatte. Die Padovan-Therapie nutzt die normale Bewegungsentwicklung des Kleinkindes aus. Zum Teil werden die Übungen passiv durchgeführt. Die Methode nennt sich neurofunktionelle Reorganisation, bei der die Hirnfunktionen regeneriert und dadurch wieder neu verknüpft werden.
Klinische Lerntherapie
Renate Angermüller, Logopädin und langjährige Begleiterin von Beatrix Padovan, stellte in ihrem Beitrag dar, dass die klinische Lerntherapie zu dem Ergebnis kommt, dass Bewegung die Voraussetzung für alles Lernen ist, das heißt vor Konzentrations- oder Lese-Rechtschreibübungen werden Bewegungsübungen eingesetzt.
Mireille Trautmann vom Blicklabor Freiburg stellte eine klinische Studie vor, die nachweist, dass sogar kleine Bewegungen zu einer großen Aktivität im Seezentrum führen.
Nach der Mittagspause referierte Nelson Annunciato, Neuroanatom und Ernährungswissenschaftler, via Videoschalte aus Portugal über die Bedeutung der Mitochondrien – die „Kraftwerke“ der Zellen. „Egal welche Erkrankung, hilf zuerst den Mitochondrien. Sie brauchen vor allem gute Fette“, gab er den Zuhörern zu verstehen.
Neben ihrer langjährigen Erfahrung mit der Padovan-Methode ist Gabriele Iven auch Lehrtherapeutin im Konzept von Rudolfo Castillo Morales, einem argentinischen Rehabilitationsarzt. Angela Hoffmann-Keining, Logopädin aus Frankfurt, veranschaulichte dieses Konzept laut der Mitteilung überzeugend.
Beobachtung unverzichtbar
Castillo Morales hatte eine besondere Begabung, die Kinder zu beobachten, um über Veränderungen der äußeren Umstände wie geeignete Spiel-, Ess- und Umgebungsangebote, neue Entwicklungsschritte auszulösen, heißt es weiter. Das Vermächtnis des 2011 verstorbenen Argentiniers ist die gründliche Beobachtung der Patienten als eine unverzichtbare Fähigkeit eines guten Therapeuten. Das Ziel der Kommunikationsfähigkeit zog sich durch den Tag.
Gabriele Iven ergänzte es durch das Konzept nach Thomas Gordon, das die Fähigkeit, empathisch und konfrontationsfrei zu kommunizieren als eine wichtige Fähigkeit sowohl für Therapeuten als auch für Eltern in den Fokus rückt.
Als Ergebnis der Vorträge waren sich die Teilnehmer in der Diskussion einig, dass eigentlich ein einziger Kindertherapeut gebraucht wird, nicht die getrennten Disziplinen Logopädie, Physio- und Ergotherapie. Der Vortragstag ging beim Abendessen mit intensiven Gesprächen zu Ende.