Rotwildmanagement im Schwarzwald
: Waldbesitzer, Jäger und Wissenschaftler an einem Tisch

Wie sieht die Zukunft des Rotwildmanagements aus? Bei einer Fachveranstaltung in Baiersbronn suchten Waldbesitzer, Jäger und Wissenschaftler Antworten auf diese Frage.
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(red/pm)
Oberndorf
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Wie sieht die Zukunft des Rotwildmanagements aus?

Patrick Pleul/dpa

Wie kann das Rotwildmanagement in Baden-Württemberg künftig ökologisch sinnvoll, praxisnah und konfliktarm weiterentwickelt werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Expertengesprächs im Baiersbronner Rathaus, zu der sich Fachleute aus Forst, Waldbesitz, Jagd, Wissenschaft und Politik getroffen haben. Eingeladen hatte der Landtagsabgeordnete Reinhold Pix (Grüne).

„Wir müssen endlich raus aus der Sackgasse, in der das Rotwild vielerorts steckt“, wird Pix, waldpolitischer Sprecher der Landtagsgrünen, in einer Pressemitteilung zitiert. „Wissenschaftlich ist klar belegt, dass wir dringend neue Wege in der Lebensraumvernetzung, in der Bejagung und in der Kommunikation gehen müssen – und genau darüber sprechen wir heute gemeinsam mit allen betroffenen Akteurinnen und Akteuren. Nur gemeinsam kommt man bei diesem emotionalen Thema weiter.“

Rund 25 Gäste aus Jagd, Forst, Wissenschaft und Politik waren der Einladung gefolgt, darunter Vertreter der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA), des Ministeriums für Ernährung, ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR), der Waldbesitzenden und des Landesjagdverbands.

Wissenschaft trifft Praxis

Wildtierexperte Max Kröschel von der FVA stellte zentrale Ergebnisse der Rotwildkonzeption Nordschwarzwald und der aktuellen landesweiten Rotwildstudie vor. Dabei machte er deutlich: „Es braucht Akteure auf der Fläche, die bereit sind, Handlungsverantwortung zu übernehmen und Managementinstrumente lokal umzusetzen. Um die genetische Situation zu verbessern und gesunde Rotwildbestände zu erhalten ist es notwendig, den genetischen Austausch zu fördern und die Rotwildvorkommen in BW unter Beachtung der damit verbundenen Herausforderungen besser miteinander zu vernetzen.“

Den politischen Rahmen umriss Jörg Ziegler vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Er stellte die neu gegründete Arbeitsgruppe (AG) Rotwild, deren Aufgaben und Ziele vor.

Marius Rebstock, Forstbereichsleiter der waldreichen Gemeinde Baiersbronn, gab Einblicke aus der Perspektive der Waldbesitzenden. Herausforderungen wie beispielsweise finanzielle Belastungen durch Wildschäden, veränderte Klimabedingungen und ein hoher Freizeitdruck seien real.

Stimmen aus dem Revier

Waldbesitzer seien aber auf den ökonomischen Erfolg der Waldbewirtschaftung angewiesen und bereit, an konstruktiven Lösungen mitzuwirken. Gerade in Zeiten des Klimawandels seien eine finanziell nachhaltige Bewirtschaftung und ein erfolgreicher Waldumbau daher unerlässlich. Für die Jägerschaft sprach René Greiner, Geschäftsführer des Landesjagdverbands: „Modernes Wildtiermanagement bietet einen gut bestückten Werkzeugkasten, den es sinnvoll zu nutzen gilt, denn es gibt dringenden Handlungsbedarf zum Schutz unserer größten heimischen Wildtierart. Wir brauchen landesweit einen besseren Biotopverbund und müssen gleichzeitig auch im Detail in die Verbreitungsgebiete des Rotwilds schauen.“

Verbindliche Ziele betont

In der Diskussion über die verschiedenen Herausforderungen und aktuellen Probleme wurde vor allem die große Bereitschaft aller Akteure deutlich, gemeinsam und konstruktiv an Lösungen zu arbeiten. Dabei wurde mehrfach die Relevanz von lokal spezifisch erarbeiteten Wegen und Managementmaßnahmen sowie klar definierten, verbindlichen Zielen betont.

Konkrete Lösungsansätze wie das ziehen lassen männlicher Hirsche, die Förderung von Hegegemeinschaften und die Intensivierung der Zusammenarbeit auf der Fläche wurden gesammelt.

Der Wald-Fachpolitiker Reinhold Pix dankte für die offenen Worte und die konstruktive Diskussion. „Wenn wir Rotwild in Baden-Württemberg dauerhaft eine Zukunft geben wollen, brauchen wir neue Formen der Zusammenarbeit – zwischen Verwaltung, Forschung, Jagd und Waldbesitz. Das MLR hat dafür die AG Rotwild gegründet. Wir brauchen jedoch auch in der Fläche und ausgeglichen unter allen Akteuren eine vertrauensvolle und aufrichtige Zusammenarbeit, damit wir diese Mammut- beziehungsweise Rotwild-Aufgabe lösen können.“

Pix warb für eine Fortsetzung des Dialogs: „Wir stehen am Anfang eines wichtigen Prozesses. Wenn wir das Rotwildmanagement in Baden-Württemberg erfolgreich weiterentwickeln wollen, brauchen wir Kooperation statt Konfrontation.“

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