Nationalpark Schwarzwald: Was hinter der Wildnisteacher-Ausbildung steckt

Selbst erleben, was später den Schülern vermittelt wird, steht bei der Ausbildung im Vordergrund.
© Jonas Wolf (Nationalpark Schwarzwald)„Die Nachfrage nach einer Zusammenarbeit mit uns ist so groß, dass wir bei weitem nicht alle Anfragen bedienen können“, wird Sebastian Schwab, Leiter der Wildnisbildung im Großschutzgebiet, in einer Mitteilung zitiert. So entstand die Idee, Lehrkräften das nötige Wissen und auch eine Portion Praxiserfahrung an die Hand zu geben, damit sie selbstständig mit ihren Klassen im Nationalpark oder anderen Naturräumen arbeiten können. Nun haben die ersten 48 Lehrer ihre insgesamt sechstägige Fortbildung im Nationalpark abgeschlossen.
Der Bedarf an solch anderen Lernerfahrungen wird weiter steigen, ist Schwab überzeugt. „In einer immer schneller werdenden, technisierten und digitalisierten Welt sind junge Menschen oft unter Leistungsdruck und mit einer Reizüberflutung konfrontiert, die zu einer Entfremdung von der Natur führen kann. Das ändert sich, wenn Kinder und Jugendlich die Natur wieder mit allen Sinnen erfahren dürfen“, wird er wiedergegeben.
Das Legen eines Mandalas aus Naturmaterialien erfordere kein perfektes Ergebnis – nur einen stillen Lernraum, in dem Kinder kreativ sein könnten. Beim Übernachten in der Wildnis oder Kochen über dem Lagerfeuer entstehe ein Gefühl von Zugehörigkeit, Gemeinschaft und Verbundenheit. „Aufgabe der Wildnisteacher ist es nicht, alles zu erklären – sondern einfach einen sicheren Rahmen zu schaffen“, so Schwab.
Erkenntnisse für den Alltag
Nun könnten noch viel mehr Schüler von den Methoden aus der Wildnisbildung profitieren und Erkenntnisse für den Alltag und das Leben mitnehmen. „Wer sich als Teil eines größeren Ganzen versteht, trifft andere Entscheidungen – für sich, andere, die Natur und für die Zukunft“, sagt Schwab. Und dafür sei es elementar, nicht nur digital oder aus Büchern zu lernen, sondern die Natur auch selbst erfahren zu dürfen.
„Lernen beginnt im Herzen und über das Erfahren mit den eigenen Händen erreicht es den Verstand“, wird Thomas Fritz, Mitinitiator der Fortbildung, zitiert.Gemeinsam mit Andreas Twardon, Wildnispädagoge und abgeordneter Grundschullehrer, führt er durch die einzelnen Module.
Natur als Gegenüber
Noten braucht es in den Lernräumen der Natur nicht – hier steht das Erleben im Vordergrund. „Es geht nicht um Bewertung, sondern um Beziehung – zur Natur, zu sich selbst und zur Gemeinschaft“, sagt Fritz. Was auch für die Wildnisteacher ein Umdenken von der üblichen Schulpraxis fordert.
Die Natur werde dabei als lebendiges Gegenüber betrachtet und nicht als Kulisse. „Wir möchten anleiten, ihr mit Respekt, Dankbarkeit, Demut und Staunen zu begegnen – unabhängig davon, ob es sich um einen alten Baum oder kleinen Käfer handelt“, so Twardon.
„Die Methoden haben meinen Blick auf die Kinder verändert“, fasst Steffi Rösch, Gymnasiallehrerin und Wildnisteacherin, ihre Erfahrung mit der neuen Ausbildung zusammen.