Langstreckler aus Dornstetten
: Mit 87 Jahren auf dem Radl nach Wien

Horst Lehninger aus Aach unternimmt selbst im hohen Alter noch E-Bike-Touren quer durch Europa. Eine Route kennt er besonders gut.
Von
Hanna Petermann
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Horst Lehninger aus Aach fährt mit 87 Jahren noch regelmäßig Langstrecken-Radtouren quer durch Europa.

Lehninger

Mit knapp 90 Jahren auf dem Fahrrad von Aach nach Wien und wieder zurück? Kein Problem! Der gebürtige Österreicher Horst Lehninger beweist, dass auch im hohen Alter lange Strecken mit dem Fahrrad möglich sind. Seit seinem Ruhestand 1998 gilt seine Leidenschaft den Langstrecken-Radtouren quer durch Europa.

Ob Jakobsweg, von Genf ans Mittelmeer oder auch entlang der Loire bis an den Atlantik – dem 87-Jährigen aus Aach scheint kein Weg zu weit. Zwischen 5000 und 7000 Kilometer lege er pro Jahr zurück. „Keine besondere Leistung, verglichen mit jüngeren Hobby-Radlern im Raum Freudenstadt”, fügt Lehninger bescheiden hinzu.

Doch egal, wo es hingeht, seit 2008 wird jede Reise mit der Kamera dokumentiert und auf seinem Computer archiviert. Bis 2014 war Horst Lehninger noch mit Mountainbike und Zelt unterwegs, seit 2017 setzt er jedoch auf E-Bike und Gasthäuser, wie er erzählt.

Von Aach in das heimische Weinviertel

Eine bestimmte Tour hat es ihm besonders angetan: von seiner Wahlheimat Aach bis zu seinem Geburtsort Retz im niederösterreichischen Weinviertel, rund 80 Kilometer von Wien entfernt – und wieder zurück.

Retz von oben: Die Route von Aach in seine österreichische Heimat kennt Lehninger besonders gut.

Foto: Lehninger

Seit 2008 ist Lehninger zehnmal die identische Strecke gefahren – das letzte Mal Anfang August. Von Aach ging es über die Schwäbische Alb nach Riedlingen, dann auf dem Donauradweg bis Krems und von dort aus noch knapp 70 Kilometer bis Retz.

Die vielen historischen Städte wie Passau machen die Strecke für Horst Lehninger besonders interessant.

Foto: Lehninger

Für eine Strecke braucht er rund sieben Tage, die gesamte Tour umfasst mindestens 2000 Kilometer, berichtet er. Vor allem die vielen historischen Städte wie Ulm, Regensburg und Passau machen die Route für ihn so interessant.

Letzter Stopp im Gasthof zum Heiligen Nikolaus

Ein Höhepunkt ist jedes Mal die Passage am Donaudurchbruch, die mit Schiff oder Zille überquert werden muss, erzählt Lehninger begeistert. Auch die Übernachtungsorte seien seit vielen Jahren dieselben. Neben einem Halt bei einem seiner beiden Söhne in Bayern sei die Übernachtung im Gasthof zum Heiligen Nikolaus „immer wieder etwas ganz Besonderes”. Die Herberge befindet sich im österreichischen Inzell am Ende der berühmten Schlögener Donauschlinge. „Keine Straßen, Autos oder Züge. Ein Ort, an dem absoluter Frieden herrscht”, schwärmt der Rentner vom jeweils letzten Stopp auf seiner Route.

Den Donaudurchbruch passiert er per Schiff oder Zille.

Foto: Horst Lehninger

Neben all den schönen Erfahrungen will Lehninger die Schattenseiten nicht verschweigen. Vor allem auf Langstrecken-Radtouren habe er regelmäßig mit schlecht oder gar nicht ausgeschilderten Umleitungen zu kämpfen, so dass „eine eigene Wegfindung oder Umkehren” nötig werde. Auch körperlich gab es mitunter Probleme. So kam es schon vor, dass ein Hund in sein Rad rannte und er stürzte. Zwar gab es kleinere Unfälle, doch keiner konnte ihn vom Radfahren abhalten – „auch wenn man mit der Zeit mehr Bedenken hat“.

Dass er in seinem Alter noch solche Touren fahren kann, empfindet er vor allem als großes Glück. Und auch in Zukunft will er noch viele Kilometer mit dem „Radl“ zurücklegen.

Der KreisLetter
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Kreis Freudenstadt Montag bis Samstag im kompakten Überblick.