Klartext von Betrieb aus Glatten: So belastet die Bürokratie Metzgereien und andere Handwerksbetriebe

Innungsobermeister Uwe Wiedmaier (von links), Freudenstadt OB Adrian Sonder und die städtische Wirtschaftsbeauftragte Elke Latscha in der Filiale am Postparkplatz
Rath/StadtverwaltungFür hochwertige Lebensmittel direkt aus der Region gibt es einen stabilen Markt. Allerdings machen mehr und mehr Auflagen aus Berlin und Brüssel den Handwerksbetrieben das Leben schwer.
Dies erklärte Uwe Wiedmaier, Metzgermeister und Innungsobermeister der Fleischerinnung Calw/Freudenstadt, im Gespräch mit Oberbürgermeister Adrian Sonder und der städtischen Wirtschaftsbeauftragten Elke Latscha. Sie trafen sich zum Gespräch in den Räumen der Wirtschaftsförderung in der Stuttgarter Straße, wie die Stadt in einer Pressemitteilung berichtet.
Dabei erklärte Wiedmaier die Bürokratie als das größte Problem der Branche: „Früher war ich zu 20 Prozent im Büro und zu 80 Prozent im Betrieb. Heute nimmt die Verwaltung 90 Prozent meiner Zeit in Anspruch. Seit 25 Jahren heißt es, die Politik wolle Bürokratie abbauen, aber es passiert genau das Gegenteil.“
Widersprüchliche Vorgaben
Was ihn stört, ist die Vielzahl von Vorschriften, die Handwerksbetriebe besonders treffen sowie widersprüchliche Vorgaben. So funktioniere eine Kennzeichnungspflicht und Herkunftsnachweis vielleicht bei abgepacktem Fleisch. „Aber wie soll das gehen im Thekengeschäft, wo nachgefüllt wird und Fleisch von mehreren Tieren liegt? Viele Vorgaben sind einfach nur noch unverhältnismäßig“, so Wiedmaier, der in fünfter Generation den rund 100 Jahre alten Familienbetrieb mit Sitz in Glatten führt.
Dabei verarbeite er im eigenen Schlachthof nur Fleisch von Tieren, die er direkt bei ausgesuchten Landwirten aus der Region kaufe. Es gebe viele Kunden, die genau das suchen und auch längere Anfahrtswege zum Einkauf auf sich nehmen. „Die Qualität muss stimmen. Ob alle Formalitäten lückenlos erfüllt sind, interessiert kein Schwein.“
Fehlende Planungssicherheit
Ferner bemängelt er fehlende Planungssicherheit bei Investitionen. So könnten sich Vorschriften für Schlachthäuser schnell wieder ändern. Bürokratie verschärfe auch das Fachkräfteproblem. Es gebe in vielen Fällen Interessenten, die einen etablierten Betrieb grundsätzlich übernehmen wollten, dann aber doch einen Rückzieher machten, wenn sie sähen, wie viel Büroarbeit eine Selbstständigkeit in der Branche mit sich bringe. „Deutschland will alles immer 100-prozentig regeln. Was dabei aber rauskommt, ist leider oft Wahnsinn.“
Aktuell versucht Uwe Wiedmaier, auch Auszubildende aus Asien zu gewinnen. Dies sei jedoch langwierig. Ein junger Mann aus Indien sei inzwischen da. Eine andere potenzielle Auszubildende aus Vietnam bekomme allerdings kein Visum. Sie sollte seit Sommer hier sein. „Die Einreise wird ihr verweigert, weil die mündliche Deutsch-Prüfung auf B1-Niveau länger als zwölf Monate zurückliegt. Dabei spricht sie sehr gut Deutsch.“
Auch Städte leiden laut Sonder
OB Sonder äußerte Verständnis für den Frust des Handwerksmeisters. Auch die Städte und Gemeinden litten unter ausufernden Vorschriften, die nicht mehr erfüllbar seien. „Wenn alles geregelt und vorgeschrieben ist, nimmt einem das in der Summe die Luft zu atmen“, so Sonder. Land und Bund müssen den Mut haben, dem Thema Bürokratie grundsätzlich anders gegenüber zu stehen. „Nur eine entschlossene Kehrtwende mit einer veränderten Herangehensweise wird wirksam Bürokratie abbauen“, so der Oberbürgermeister.