Hunderte Liter Diesel ausgelaufen: Lastwagen kracht in Gullyschacht bei Seewald

Die Straße ist mittlerweile halbseitig gesperrt.
BeyerEin eher ungewöhnlicher Unfall hat sich am Freitagmorgen auf der K 4774 ereignet, die die Seewalder Teilorte Erzgrube und Besenfeld miteinander verbindet. „Ein Gullydeckel war nicht richtig befestigt“, berichtet ein Sprecher der Polizei. Der Schacht sei dadurch teilweise offen gestanden.
Gegen 8 Uhr sei dann ein Lastwagen über den Gully gefahren. Dabei krachte das Fahrzeug offenbar so heftig in den halboffenen Schacht, dass sowohl am Fahrzeug als auch an dem Schacht schwere Schäden entstanden. Laut Schätzungen der Polizei entstand an dem Lastwagen ein Sachschaden in Höhe von 40.000 Euro.
Das Heikle dabei: Bei dem Unfall wurde auch der Tank des Lastwagens aufgerissen. Laut Angaben des zuständigen Landratsamts liefen dadurch zwischen 500 und 600 Liter Diesel aus – und das ausgerechnet auf einer Straße, die nicht nur am Oberlauf der Nagold entlangführt, sondern auch durch ein Wasserschutzgebiet.
Speziell konstruierter Bordstein verhindert Schlimmeres
Grund zur Sorge besteht offenbar dennoch nicht: „Umweltschäden sind keine zu befürchten“, betont das Landratsamt. Der Grund: Gerade weil die Straße durch ein Wasserschutzgebiet führt, ist der Bordstein entlang der Straße so gebaut, dass auslaufende Flüssigkeiten nicht in die Umwelt gelangen können.
„Das hat sich jetzt bewährt“, meint ein Vertreter des Landratsamts. Und auch der unter der Straße verlaufende Regenwasserkanal führe nicht direkt in die Nagold, sondern zur nächstgelegenen Kläranlage.

Der Gullydeckel wurde provisorisch wieder befestigt. Rundherum sind noch die Spuren durch den ausgelaufenen Diesel zu sehen.
Foto: BeyerDer ausgelaufene Diesel habe sich daher sowohl auf der Straße als auch im Kanal gesammelt. Im Kanal sei der Diesel aufgefangen und abgepumpt worden, berichtet das Landratsamt. Mögliche im Kanal zurückbleibende Reste würden später von der Kläranlage herausgefiltert.
Die Fahrbahn wurde mit einem speziellen Fahrzeug gereinigt. „Das ist praktisch eine große Kehrmaschine, die Tenside versprüht.“ Der so gebundene Diesel werde dann von der Maschine wieder aufgenommen und als Sondermüll entsorgt.
Dieses Fahrzeug konnte aber erst eingesetzt werden, nachdem der Lastwagen abgeschleppt worden war, da erst dadurch die komplette Fahrbahn für die Reinigung frei war. Deshalb musste die Straße mehrere Stunden gesperrt bleiben. Erst am frühen Nachmittag konnte die Sperrung wieder aufgehoben werden.
Straße bleibt vorerst halbseitig gesperrt
Allerdings bleibt die Straße vorerst halbseitig gesperrt. Denn bei dem Unfall wurde laut Angaben der Polizei der Schacht so schwer beschädigt, dass dieser ausgetauscht werden muss. Laut Angaben des Landratsamts sind diese Arbeiten für den Montag geplant. Bis dahin bleibt die Umgebung des Gullys abgesperrt.
Doch wie konnte es überhaupt zu dem Unfall kommen? Zumindest die Angaben der Polizei lassen vermuten, dass der Schacht nicht ausreichend instandgehalten wurde. „Die Unterkonstruktion war wohl schon vorher kaputt“, berichtet ein Sprecher der Polizei. „Die Deckelhalterung war vermutlich schon vorher beschädigt.“ Sie sei verrostet gewesen. Das Landratsamt wollte sich dazu zunächst nicht äußern.
Doch offenbar zieht die Polizei noch eine andere Möglichkeit in Betracht. Denn wie aus einer am Nachmittag veröffentlichten Pressemitteilung hervorgeht, wird derzeit ermittelt, ob der Schacht von noch unbekannten Tätern vorsätzlich geöffnet wurde.