Freudenstadt: Eine ärztliche Institution auf dem Kniebis

Irmingard Stoßberg feiert heute ihren 100. Geburtstag. Foto: Steffler
Schwarzwälder-BoteVon Bernd Steffler Freudenstadt. Ihren 100. Geburtstag feiert Irmingard Stoßberg, geborene Vilmar, bei wechselnder Gesundheit am heutigen Montag im Martin-Haug-Stift in Freudenstadt. Bis vor sechs Jahren wohnte sie auf dem Kniebis, wo sie zusammen mit ihrem Mann seit dem Jahr 1949 eine ärztliche Institution war.
In Swinemünde/Pommern (heute Polen) geboren, wechselte die Familie schon bald nach Berlin, wo ihr Vater die Leitung des renommierten Grunewald-Gymnasiums übernahm. Die junge Irmingard Vilmar verließ schon nach der Mittleren Reife das Gymnasium und erlernte den damals für Frauen neuen Beruf einer Medizinisch-Technischen Assistentin (MTA). Nach beruflicher Tätigkeit als MTA in der Pathologie der Charitée Berlin holte Irmingard Vilmar mit 23 Jahren in einer Begabtenprüfung das Abitur nach und begann in Marburg das Studium der Medizin. Schon im ersten Semester lernte sie dort Heinz Stoßberg kennen – 1942 wurde geheiratet. Die Hochzeitsreise führte nach Alpirsbach, und beide lernten so den Schwarzwald kennen.
Bereits 1941 musste ihr Mann als Sanitätsarzt in den Krieg. Die junge Mutter promovierte zum Abschluss des Studiums, absolvierte anschließend eine Facharztausbildung als Kinderärztin und war dann in Marburg als Kinderärztin tätig. Als Heinz Stoßberg 1945 aus dem Krieg zurückkehrte, konnte er ihre Stelle übernehmen.
Noch in Marburg bekam der erste Sohn der Familie einen Bruder und eine Schwester, 1951 kam auf dem Kniebis noch ein Mädchen hinzu. Zum 100. Geburtstag Irmingard Stoßbergs gratulieren außerdem acht Enkel und drei Urenkel. 1949 kam Heinz Stoßberg als Arzt in das Kindersanatorium Kniebis. Erst 1955 bekam er auf dem Kniebis, dessen Einwohnerzahl stark stieg, eine Zulassung als Kassenarzt. 1956 pachtete das Ehepaar Stoßberg das Kindersanatorium Kniebis und kaufte es zwei Jahre später. 1976 wurde das Sanatorium wieder verkauft, 1993 auch die Praxis aufgegeben. Heinz Stoßberg war ein geachteter Landarzt. Seine Geselligkeit machte ihn auch in der Umgebung bekannt und beliebt. Er starb 1997 im Alter von 81 Jahren und wurde auf dem Kniebis beerdigt.
Irmingard Stoßberg war noch bis vor wenigen Wochen zu jeder Zeit voll ansprechbar. Ihr heller und wacher Geist verfolgte kritisch und urteilsstark das Tagesgeschehen. Täglich las sie den "Schwarzwälder Boten". Über die Jahrzehnte hinweg geblieben ist die Freude an einem "Gläschen" Cognac und ab und zu an einer Zigarette.