Freudenstadt: Ehemaliger Brauereigasthof "Dreikönig" wird geräumt

Heute ist das stattliche Gebäude an der Martin-Luther-Straße stark sanierungsbedürftig.
BreitenreuterFreudenstadt - Was wird aus dem ehemaligen Gasthaus und Hotel Dreikönig, das seit vielen Jahren an der Martin-Luther-Straße vor sich hin gammelt? Das Haus wird derzeit geräumt. In den nächsten Monaten will sich die Stadtverwaltung mit einem neuen Nutzungskonzept befassen.
Vor etwa eineinhalb Jahren hat die Stadt Freudenstadt das ehemalige Hotel mit Restaurant und die dahinter liegenden Fläche gekauft. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und war einst der Brauereigasthof der Dreikönigs-Brauerei. Es war seinerzeit eines der wichtigsten Lokale in der Stadt, in dem viele Versammlungen und Feiern stattfanden. Bislang gehörte es einer Erbengemeinschaft der Familie Finkbeiner, die auch die Brauerei führte und war in den vergangenen Jahren verpachtet.
Ehemaliger Brauereigasthof ist stark sanierungsbedürftig
"Es war ein richtiger Glücksfall für die Stadt, dass sie das Gebäude in zentraler Lage kaufen konnte", erklärt der Leiter des Amts für Stadtentwicklung, Rudolf Müller, auf Anfrage unserer Zeitung. Man sei jetzt in der Schlussabwicklung mit dem Mieter. Die Stadt hatte zunächst den Pachtvertrag des Mieters übernommen, aber zum Ende des Jahres 2019 gekündigt. Laut Müller wurde er dann noch bis 31. März verlängert. Wegen der Corona-Pandemie habe man jetzt die Frist nochmals bis zum 30. April verlängert, "um eine ordnungsgemäße Räumung zu ermöglichen". Die Untermieter, die noch im Haus wohnen, sind dabei, Möbel und weiteren Hausrat zu entsorgen.
Einige Menschen seien bereits ausgezogen, so Müller. Man hoffe, dass auch die restlichen Bewohner der einfachen früheren Gästezimmer auf Eigeninitiative eine neue Bleibe finden können. Die Stadt sei auch bereit, sie dabei zu unterstützen. Der ehemalige Brauereigasthof und Hotel ist stark sanierungsbedürftig. "Wir wollen den ›Dreikönig‹ aber nicht beseitigen", betont Rudolf Müller. Die Stadt und der Gemeinderat würden ein Nutzungskonzept entwickeln, in dem alle Belange des Denkmalschutzes berücksichtigt werden. Dazu gehörten unter anderem der Erhalt der Fassade mit den Fenstern und Fensterläden, das Dach und zum Teil auch die Struktur der Innenräume. Auch mit dem dahinterliegenden Parkplatz werde man sich beschäftigen. Auf dieser Fläche sei eine Bebauung möglich. Bis zum Herbst, so denkt Müller, könnte ein neues Konzept stehen.
Einst gab es in Freudenstadt 20 Brauereien
Das ehemalige Hotel und Gasthaus Dreikönig hat in Freudenstadt eine lange Geschichte. Wie aus Unterlagen des Stadtarchivs hervorgeht, wurde es 1830 erstmals als Brauerei Dreikönig erwähnt. Damals gab es rund 20 Brauereien in Freudenstadt. Die Gastronomie in dem Haus geht auf Friedrich Gottlieb Leng, Bäcker, Gastgeber und Wirt, Bierbrauer und Branntweinbrenner, zurück. Er nannte die Wirtschaft seinerzeit "Zu den drey Königen". Nach verschiedenen Besitzerwechseln übernahm 1852 Christian Nußkern den "Dreikönig", dessen Frau eine geborene Finkbeiner war. Seit diesem Zeitpunkt blieb das Haus mit dem Namen Finkbeiner verbunden. Im Jahr 1903 wurde die Brauerei an den damaligen Stadtrand zwischen Martin-Luther-Straße und Moosstraße verlegt. Noch heute zeugt das "Dreikönig-Hochhaus" vom Standort der einstigen Brauerei. Die Lagergebäude und der Brauereiteil wurden 1989 abgerissen, nachdem 1985 das Bierbrauen eingestellt worden war. An der Stelle entstand ein Geschäftshaus.
Das Hotel und Gasthaus Dreikönig überlebte die Zerstörung Freudenstadts in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs nicht. Im September 1951 wurde mit dem Wiederaufbau am alten Platz begonnen. Die Wiedereröffnung war bereits im Juli 1952. Neben einer stattlichen Gaststätte mit Nebenzimmer im Erdgeschoss des Gebäudes gab es damals 18 Fremdenzimmer mit 28 Betten. Das Dreikönig-Wirtshaus galt mit seiner rustikalen Inneneinrichtung als eine Besonderheit unter den Freudenstädter Gasthöfen. 1983 wurde das Gebäude nochmals grundlegend saniert und modernisiert.