Die Waldlust in Freudenstadt
: Neues Konzept mit neuen Aufgaben

Neue Aufgaben für das ehemalige Prunkhotel Waldlust in Freudenstadt: Der anliegende Park verwandelt sich bis Ende September in einen Ausstellungsraum.
Von
Hannes Kuhnert
Oberndorf
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Alte Pracht ist nach wie vor reizvoll: Das ehemalige Luxushotel Waldlust in Freudenstadt ist für neue Aufgaben vorgesehen.

Hannes Kuhnert

Im zweiten Sommer macht das ehemalige Luxushotel Waldlust in Freudenstadt von sich reden. In Kooperation mit Kunst- und Musikhochschulen des Landes stellen 16 Studierende der Kunstakademie Stuttgart bis Ende September ihre Arbeiten aus. Am 17. August ist wieder Besuchersonntag (von 14 bis 18 Uhr) mit Führungen. Dazu werden Interessenten aus dem ganzen Land erwartet.

Sie strömten im vergangenen Sommer in wahren Scharen zum alten Gemäuer. Seinerzeit hatten Kunststudenten über drei Stockwerke die seit 20 Jahren nicht mehr genutzten Fremdenzimmer für ihre künstlerischen Vorstellungen genutzt und viel Kreativität, Farbe und Kunstsinn an die Zimmerwände gekleistert.

Europäische Hotelgeschichte geschrieben

In diesem Jahr beschränken sich die meisten der Nachwuchskünstler auf den verwilderten, denkmalgeschützten Hotelpark. Dort setzen sie sich mit oft eigenwilligen Skulpturen, Installationen und Bildern mit der regionalen Natur, mit dem Hotel und seiner Geschichte kunstsinnig auseinander.

Aus dieser Geschichte gibt es viel zu erzählen und zu fabulieren, obwohl sich der Verein der Waldlustfreunde, der seit Jahren die Hotelruine ehrenamtlich vor dem Verfall bewahrt, inzwischen vom Image des „Lost Places“ mit allerhand Geistergeschichten und Spökenkiekereien verabschiedet hat. Der Verein hat sich auf den Weg gemacht, für das alte Hotel ein neues Konzept mit neuen Aufgaben zu schneidern. Denn da ist man sich im Verein einig: Das Hotel, ein eingetragenes Denkmal, hat über sechs Jahrzehnte europäische Hotelgeschichte geschrieben, ist ein Schatz und ein Pfand, das nicht in Vergessenheit vergammeln darf.

Das frühere Luxusleben des Adels

Ob Jung, ob Alt: Kaum einer kann sich dem morbiden Charme des alten Hauses und seinem ganz eigentümlichen Flair entziehen. Vom ehemaligen Festsaal mag der Verputz blättern, er erzählt mit seinen ausgesessenen Samt-Fauteuils, seinen Wandbildern, der Tanzfläche, den Stucksäulen von den Rockefellers und den Fairbanks, von US-amerikanischen Filmgrößen, dem Hochadel aus Europa oder vom persischem Schah, die Anfang des 20. Jahrhunderts hier logierten, feierten, Kunst, Kultur und Gesellschaft unter Gleichgesinnten pflegten.

Allein der gusseiserne Aufzug im reinen Jugendstil, die Halle, die Bar, der Wintergarten, erst recht die Fremdenzimmer an unendlichen langen Fluren in den oberen Geschossen mit ihrer Aussicht über den Schwarzwald hinweg: Das alles erzählt etwas vom früheren Luxusleben des Adels.

Es war der geniale Schwarzwälder Hotelier Ernst Luz, der das von Architekt Wilhelm Vittali um 1900 gebaute Haus am Osthang des Kienbergs zu einem mondänen Treffpunkt auch für das wohlhabende Bürgertum und für Künstler führte, ein Haus, dem Thomas Mann mit seinem „Zauberberg“ ein Denkmal setzte.

Früher Lazarett, heute ein Ort der Begegnung

Im zweiten Weltkrieg wurde die Waldlust zum Lazarett, kam in den Fünfzigern erneut zur kurzen Blüte und stellte nach vielen Besitzerwechseln 2005 den Hotelbetrieb ein. Seitdem wird die Immobilie gern als Kulisse für Fotografen und Filmer genutzt, für Hochzeiten, Feste und besondere Anlässe. Erst vor wenigen Wochen kehrte einmal mehr der Fernsehkrimi „Tatort“ für ein paar Drehtage zurück.

Fließendes Wasser im Wald will Jana Gruszeniks mit dieser Installation aus behandelten Stoffbahnen verstanden wissen.

Foto: Hannes Kuhnert

Kunst und Kultur, so plant der gemeinnützige Verein Denkmalfreunde Waldlust e.V., sollen die Brücke von der Vergangenheit in Gegenwart und Zukunft schlagen. Unter der Führung des Vorsitzenden Matthias Jarcke, Architekt in Freudenstadt, und nimmermüde befeuert von Kunstexperte Carl-Christof Gebhardt, soll die Waldlust künftig in Kooperationen mit Kunst- und Musikhochschulen des Landes, mit Berufsverbänden und anderen Partnern zwar nicht mehr zu einem Hotel, sondern zu einem Ort der Begegnung, der Kunst, des Lernens und Experimentierens, auch für Seminare und Workshops genutzt werden können.

Der Verein sieht sich dabei zwar auf einem guten Weg. Aber zuerst will er die Waldlust mit dem Park erwerben. Sie sind nach wie vor im Besitz eines Investors aus dem Raum Frankfurt, der den Bemühungen der Denkmalfreunde viel Spielraum lässt. Man führe Gespräche, bestätigt der Vorsitzende Jarcke vieldeutig zuversichtlich.

Vielfältiges Musikprogramm

Kulturprogramm
Wenn der Kunstsommer 2025 am 28. September endet, ist noch nicht Schluss. Dann beginnt in der Waldlust und der dann wieder eröffneten Hotelbar „Zwitscherstube“ ein zehnteiliges Musikprogramm mit namhaften Gruppen aus Klassik, Jazz, Swing und Comedy unter anderem mit der Linda Kyei Swing Combo, dem Karolin Höffler Quintett oder mit Berta Epple. Der Online-Kartenvorverkauf hat unter www.waldlust-denkmal.de begonnen.

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