Diakonissen zu Besuch: Ein Wiedersehen mit dem Haus Salem in Freudenstadt

Beim Besuch der Diakonissen vor dem Haus Salem
WalterDer Ausflug versetzte ein Stück weit in die Zeit vor 50 Jahren und davor, als die Diakonissen entscheidend das Stadtbild von Freudenstadt prägten. Die Besucherinnen waren einer Einladung in ihr ehemaliges Erholungsheim Salem in der Lauterbadstraße gefolgt, die von der Initiativgruppe Haus Salem ausgesprochen worden war. Die Gruppe hatte vor eineinhalb Jahren das Gelände erworben, um Haus und Anwesen nach 25 Jahren Leerstand aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken.
Die Freude überwiegt
Wie die Initiativgruppe berichtet, stiegen die überwiegend hochbetagten Frauen freudig und erwartungsvoll aus dem Bus. Möge es zunächst ein kleiner Schock für manch eine der Diakonissen gewesen sein, ihr Haus in seinem momentanen Zustand anzutreffen, so habe in den Gesichtern doch die Freude über das Wiedersehen überwogen.
Es gab berührende Momente, als sich bei Kaffee und Kuchen und einer kleinen Fotoshow Erinnerungen an die Einrichtung einstellten, die über 100 Jahre hinweg Diakonissen eine Auszeit von ihren pflegerischen Diensten an kranken Menschen ermöglichte. Es wurden Bilder gezeigt aus alten Tagen, als die Seitenflügel des Gebäudes noch nicht mit Eternit umbaut waren und der hintere Neubau noch nicht stand. Der Hang hinter dem Gebäude war sonnig frei und parkartig angelegt – nicht bewaldet und verwildert wie heute, heißt es weiter. Die heute mächtige und als Naturdenkmal ausgewiesene Linde hinter dem Haus war noch klein und jung.
Und wer genau hinschaute, konnte entdecken, dass die Schwestern damals andere Trachten und Hauben trugen als heute – alles Zeugnisse für die weit über 100-jährige Geschichte des Hauses. Danach gab es einen kleinen bebilderten Einblick in die Arbeit, die in den letzten eineinhalb Jahren von den neuen Eigentümern im und um das Haus herum bereits getätigt wurde. So wurden zum Beispiel Teile des großen Hangwegs freigelegt, der auf den Kienberg führt. Der Weg musste regelrecht wiederentdeckt und mit Motorsäge, Axt, Spaten und Hacke freigeschafft werden, so die Initiative.
Konzept bereits eingereicht
Susanne Auwärter-Brodbeck stellte die sechsköpfige Initiativgruppe aus Stuttgart vor, die das Haus mit der Vision erworben hat, dort gemeinschaftliches Wohnen für Menschen in der „Nach-Familien-Lebensphase“ zu ermöglichen und zu gestalten.
Ein Hindernis gelte es aber noch zu überwinden: Baurechtlich sei am Palmenwaldgebiet bisher nur Hotel- und Kurbetrieb vorgesehen. Die Initiativgruppe hat das Projekt bereits im Rathaus vorgestellt und ein Nutzungskonzept eingereicht, das möglicherweise kompromissfähig sei, heißt es in der Mitteilung weiter. „Wir wünschen und hoffen, dass wir noch dieses Jahr eine positive Rückmeldung aus dem Rathaus bekommen, die uns die baldige Umsetzung unserer Idee ermöglicht – auch, weil das denkmalgeschützte und vom Verfall bedrohte Gebäude sobald wie möglich instandgesetzt werden muss“, so die Antwort von Auwärter-Brodbeck auf die Frage der Gäste, was aus ihrem liebgewonnenen ehemaligen Erholungsheim werden solle.

Das Haus Salem in der Lauterbadstraße
Foto: BertholdCarmen Treffinger, die Oberin des Mutterhauses, zeigte sich berührt: „Im Grunde führen Sie hier auf eine neue und zeitgemäße Weise Grundgedanken der Gemeinschaft der Diakonissen fort. Ich freue mich deshalb sehr darüber, dass das Haus Salem auf diese Weise ganz in unserem Geist und Sinne von Ihnen neu belebt wird.“