Bad Rippoldsau-Schapbach: Für das Denkmal muss ein Kreuz weichen

Holzhauer Hermann Jehle aus Wildschapbach stand für die Skulptur Modell. Foto: Bächle
Schwarzwälder BoteBad Rippoldsau-Schapbach. Das Schapbacher Gefallenenehrenmal wurde vor 90 Jahren, am 5. August 1928, eingeweiht. Es bringt auf eindrucksvolle Weise zum Ausdruck, was letztlich von Kriegen für Sieger und Besiegte bleibt: Tod und Zerstörung, Schmerz und Trauer.
Es ist ein Werk des Gutacher Künstlers Curt Liebich (1868 – 1937). Ursprünglich als "Kriegerdenkmal" zur Erinnerung an die 70 Männer aus Schapbach errichtet, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben ließen, wurde es nach dem Zweiten Weltkrieg um die Namen der dort Gefallenen ergänzt.
Das ebenfalls von Curt Liebich stammende Pendant zum Schapbacher Ehrenmal steht übrigens bei der Dorfkirche in Gutach und zeigt eine trauernde Mutter. Das Ehrenmal wurde im Rahmen des 50-jährigen Stiftungsfests des örtlichen Kriegervereins eingeweiht. Kriegervereine, ein Zusammenschluss von Veteranen des deutsch-französischen Krieges 1870/71, bestanden in zahlreichen Gemeinden.
Die Initiative zur Errichtung eines Kriegerdenkmals ging vom Kriegerverein aus. Dessen Vorstand mit dem Ratsschreiber und späteren Bürgermeister und Ehrenbürger Johannes Armbruster an der Spitze trug am 21. März 1925 in einem Schreiben an den Gemeinderat den Wunsch vor. Die Gemeinde stellte noch für das Jahr 1925 3000 Mark als Starthilfe zur Verfügung. 22 000 Mark sollte das Denkmal kosten, ein gehöriger Brocken in einer schwierigen Zeit, zumal parallel auch noch die Erweiterung der Pfarrkirche lief. Unerwartete Schwierigkeiten machte die Suche nach einem geeigneten Standort. Der extra gegründete Denkmalausschuss war der Meinung, dass an der Nordseite der Pfarrkirche der richtige Platz sei. Dort stand allerdings das Friedhofskreuz, gestiftet von Karolina Dreher, die im Schatten dieses Kreuzes ihre letzte Ruhestätte zu finden wünschte.
Schwierige Verlegung
Gegen eine Verlegung sperrte sich das erzbischöfliche Ordinariat, das den Stifterwillen für unabänderlich hielt. Dessen Vorschlag, die Krypta der erweiterten Pfarrkirche zu einer Kriegergedächtniskapelle umzugestalten, fand in Schapbach keine Gegenliebe. In mehreren Briefen versuchte Pfarrer Hefter seine Freiburger Vorgesetzten umzustimmen, ohne Erfolg. Selbst der Hinweis darauf, dass das Grab der Stifterin mittlerweile nicht mehr vorhanden sei, zog nicht.
Allerdings zeigte man sich in Freiburg zunehmend genervt über die Hartnäckigkeit der Schapbacher. In einem vertraulichen Schreiben stellte der Generalvikar klar, dass das Ordinariat die Versetzung des Friedhofskreuzes nicht genehmigen könne. Wenn aber die Schapbacher unbedingt ihr Kriegerdenkmal an diesem Platz haben wollten, sollten sie das Friedhofskreuz in Gottes Namen versetzen. Man werde in Freiburg die Sache sicher nicht mehr weiter verfolgen.
Entsprechend beschloss der Denkmalausschuss im Januar 1928 die Versetzung des Kreuzes und den Bau des Kriegerdenkmals. Modell für den trauernden Schwarzwaldbauern stand Holzhauer Hermann Jehle aus Wildschapbach. Die Einweihung am 5. August 1928 wurde zu einem großen Ereignis. 26 Kriegervereine und 13 Musikkapellen marschierten im Festzug mit.