Weniger Delikte als im Jahr zuvor
: Freiburg ist nicht mehr die kriminellste Stadt in Baden-Württemberg

Nach der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik ist klar: Freiburg ist den unrühmlichen Titel „kriminellste Stadt Baden-Württembergs“ zumindest für ein Jahr los.
Von
Ralf Deckert
Oberndorf
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Kripo-Chef Armin Bohnert (von links), Polizeipräsident Norbert Schneider und Vizepräsident Uwe Oldenburg stellten die Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2025 in Freiburg und Region vor.

Ralf Deckert

Immer wieder hat Freiburg in der Vergangenheit Schlagzeilen als Stadt mit der höchsten Kriminalitätsbelastung in Baden-Württemberg gemacht. In der aktuellen Kriminalstatistik des Landes hat Mannheim die Breisgaumetropole aber „ überholt“.

Die Häufigkeitszahl (HZ) von rund 9300 Straftaten je 100 000 Einwohner ist dennoch weiterhin hoch, wenn man zum Beispiel den Vergleich mit den angrenzenden Landkreisen Emmendingen (HZ: rund 4 450) und Breisgau-Hochschwarzwald (HZ: rund 4 000) in Betracht zieht.

Diese liegen zwar bei der Kriminalität auch noch über dem Landesschnitt. In Südbaden lebt man aber nirgends sicherer als im Freiburger Umland. Und auch in Freiburg ist die Kriminalität im vergangenen Jahr um überdurchschnittliche 5,9 Prozent auf rund 22 000 Delikte gesunken.

Rund 3000 Delikte weniger im Gebiet des Präsidiums als noch 2024

Polizeipräsident Norbert Schneider, Vizepräsident Uwe Oldenburg und Kripo-Chef Armin Bohnert haben die detaillierten Zahlen am Dienstag vorgestellt: Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Straftaten im Zuständigkeitsbereich der Freiburger Polizei zwischen dem Hochrhein und der Grenze zur Ortenau demnach im Jahresvergleich um rund 3 000 Delikte auf rund 62 300 gesunken – im Vergleich zu vor zehn Jahren sogar um 8 000 Fälle.

Kriminalität im Internet nicht deutlich zu

Während dabei die Zahl der Delikte im öffentlichen Raum deutlich rückläufig gewesen sei, sei die Kriminalität im Internet (zum Beispiel Anlagebetrug, Anrufstraftaten) im Jahresvergleich um mehr als ein Drittel nach oben geschnellt, wobei das „Dunkelfeld“ der Taten, die nicht angezeigt werden, gerade hier riesig sei, so Norbert Schneider: Nur fünf Prozent der sexuellen Belästigungen im Netz kämen zur Anzeige, bei den Beleidigungen sei es mit sieben Prozent kaum besser, und auch Internetbetrug führe nicht einmal in jedem dritten Fall zu einer Anzeige. „Die Kriminalstatistik ist eine Sache, die Kriminalität eine andere.“

Fahrraddiebstähle bleiben ein Freiburger Phänomen

Ein seit Jahren typisches Freiburger Kriminalitätsphänomen sei weiterhin der Fahrraddiebstahl, so Schneider weiter. Wobei hier mittlerweile immer professioneller agierende Gruppen am Werk seien, die es auf teure E-Bikes abgesehen haben und ganze Kellerabteile in Mehrfamilienhäusern ausräumen. Vier Millionen Euro Schaden in Freiburg seien deshalb 2025 zu beklagen gewesen, so der Polizeipräsident. Kripo und Schutzpolizei hätten ein gemeinsames Konzept erarbeitet, um dem Trend zu begegnen. „Vieles von den Rädern landet am Ende in Osteuropa“, so Kripo-Chef Armin Bohnert.

Auf dem als Drogen- und Kriminalitätshotspot bekannten Stühlinger Kirchplatz sind die Zahlen der Gewaltdelikte rückläufig.

Foto: Alexander Blessing

Erste Erfolge könne man durch das Messerverbot auf dem Drogen-Hotspot Stühlinger Kirchplatz verzeichnen: Die Gewaltdelikte seien dort derzeit, auch dank des hohen Kontrolldrucks durch die Polizei, rückläufig – die Aufklärungsquote der Straftaten rund um den Platz liege bei rund 76 Prozent.

Psychisch auffällige Kinder geben Grund zur Sorge

Auch die Jugendkriminalität durch Tatverdächtige, die jünger als 21 sind, habe mit 14 Prozent im Landesvergleich überdurchschnittlich abgenommen. Ein Trend, der Sorge bereite, sei hingegen die steigende Zahl von Gewalttaten durch Kinder, die sich seit 2016 von rund 720 im Jahr auf mehr als 1000 erhöht hat. Parallel dazu steige die Zahl der psychisch auffälligen Kinder ebenfalls an. „Da ist vielfältige Hilfe nötig“, so Kripo-Chef Armin Bohnert.

Zwei Tödliche Fälle nach Gewalt in der Partnerschaft

Einen leichten Rückgang habe es in und um Freiburg zuletzt beim Thema Partnergewalt gegeben, wo die Fallzahlen im Jahresvergleich um drei Prozent auf rund 2070 – rund 450 davon in Freiburg – gefallen sind, so Polizeivizepräsident Uwe Oldenburg. Es sei gut, dass hier das Anzeigeverhalten der zu drei Vierteln weiblichen Opfer zugenommen habe. Allerdings habe es zuletzt in zwei solchen Fällen am Ende Tote zu beklagen gegeben. Beide Familien seien vorher nicht polizeibekannt gewesen.

Zahlen, Daten und Fakten zur Kriminalitätsstatistik

44 Prozent der Tatverdächtigen im Bereich des Präsidiums Freiburg waren im vergangenen Jahr Ausländer, darunter auch die elf Prozent der Tatverdächtigen mit Fluchthintergrund. Registriert wurden unter anderem 38 Straftaten gegen das Leben (2024: 41), die zu über 97 Prozent aufgeklärt wurden. Dazu kamen rund 1350 (2024: 1440) Sexualdelikte, darunter mehr als 600 Fälle von Verbreitung von Kinderpornos und 141 Vergewaltigungen (2024: 111), die sich zumeist im Beziehungsumfeld der Opfer ereigneten.

Die Zahl der Straftaten im öffentlichen Raum sank um 6,2 Prozent auf rund 26 300 in Freiburg und den angrenzenden vier Landkreisen Waldshut, Lörrach, Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald. Rückläufig waren auch Deliktgruppen wie Einbruch, Diebstahl und Drogendelikte. Die Zahl der Messerdelikte in der Region stieg hingegen von 369 auf zuletzt 386 leicht an.

Betrügereien und vor allem Anlagebetrug im Internet stiegen hingegen teilweise stark an: Durch „Cybercrime“-Delikte im Netz entstand 2025 im Raum Freiburg ein Schaden von 31 Millionen Euro. 235 Polizeibeamte wurden bei Angriffen im Dienst verletzt. Die Zahl der Angriffe auf Polizisten stieg seit 2016 von rund 900 auf rund 1 470 im Jahr an.

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