Weihbischof nimmt Stellung: Neun Frauen bewerben sich in Freiburg für Priesterausbildung

Der Weihbischof Christian Würtz will mit den jungen Theologinnen ins Gespräch gehen.
Erzdiözese FreiburgSie haben bundesweit für Schlagzeilen gesorgt: Eine Gruppe von neun jungen katholischen Theologinnen und Theologiestudentinnen hat sich – teils anonym – am Freiburger Priesterseminar Collegium Borromaeum für eine Priesterausbildung beworben. Das Motto der Gruppe, die in den sozialen Medien bereits mehrfach auf sich aufmerksam gemacht hat, lautet dabei: „Mein Gott diskriminiert nicht“. Der Leiter des Priesterseminars, Weihbischof Christian Würtz, sucht nun den Austausch mit den aussichtslosen Bewerberinnen.
Herr Würtz, bei Ihnen sind dieser Tage neun Bewerbungen von Frauen für eine Priesterausbildung auf dem Schreibtisch gelandet. Was hat es damit auf sich?
Die Frauen bewerben sich für die Priesterweihe nach dem Theologiestudium und der Ausbildung im Priesterseminar. Das ist ihr Fernziel. Allerdings ist ihnen als Studentinnen und jungen Theologinnen schon klar, dass das aufgrund weltkirchlicher Vorschriften derzeit nicht möglich ist in der katholischen Kirche. Ich denke daher, dass es als Nahziel auch um das Ansinnen geht, miteinander ins Gespräch zu kommen.
Die jungen Frauen bewerben sich unter dem Motto „Mein Gott diskriminiert nicht – Meine Kirche schon“. Das klingt schon auch provokant, oder?
Die katholische Kirche sieht sich nicht als eine diskriminierende Kirche, sondern sie legt großen Wert auf die Gleichheit und Würde aller Menschen. Dass das bei den Frauen anders ankommt, kann ich aber auch ein Stück weit nachvollziehen. Gewollt ist es aber nicht.
Die Entscheidung für oder gegen ein Frauenpriestertum in der katholischen Kirche wird doch eh nicht in Freiburg getroffen, sondern in Rom, oder?
Richtig. Und da ist derzeit der Stand der Dinge, dass Papst Johannes Paul II. vor einem Vierteljahrhundert festgesetzt hat, dass die Kirche gar nicht die Vollmacht hat und dass daran auch nicht gerüttelt werden kann.
An Grundsätzen rütteln kann man aber immer. Der frisch gewählte Bischof des Kantons St. Gallen in der Schweiz, Beat Grögli, ist beispielsweise ein Kirchenmann, der mit Sätzen wie „Das Frauenpriestertum wird kommen“ Schlagzeilen macht. Sicher setzen auch viele Menschen Hoffnungen auf den progressiv wahrgenommenen neuen Papst Leo XIV.
Dass viel über das Thema nachgedacht wird, ist nachvollziehbar. Es ist immer eine Frage von Argumenten und deren Gewichtung, und da hat sich Leo XIV. bisher nicht wirklich geäußert, weil die Rolle der Frau in der Kirche bisher nicht so sein Thema war. Als US-Amerikaner kommt er aber natürlich aus einer Gesellschaft, die zumindest bisher eher von Demokratie und Gleichberechtigung geprägt war. Die römisch-katholische Kirche muss sich der Frage nach der Rolle der Frau in der Kirche aber grundlegend stellen und auch neue Antworten finden. Das Frauenpriestertum ist Teil dieser Frage. Ob die Fokussierung auf die Priesterinnenweihe im Moment sinnvoll ist, sehe ich nicht. Es gibt ja zudem bereits Veränderungen. Bei der letzten Synode in Rom im vergangenen Jahr waren auch Frauen erstmals stimmberechtigt.
Wie geht es denn nun mit den Bewerberinnen weiter?
Es wird auf jeden Fall ein Gespräch geben. Ich möchte betonen, dass das Anschreiben der Bewerberinnen sehr von Wertschätzung und Ernsthaftigkeit getragen ist. Wir sind derzeit auf Terminsuche.