Vorbereitung auf den Ernstfall: Eine Karte zeigt, wo in Freiburg bei Starkregen Überschwemmungen drohen

Im August 2023 sorgte Starkregen in Freiburg für Überschwemmungen in der Stadt.
Einsatz-Report24/dpaOhne es im Vorfeld zu wissen, bewies die Stadt perfektes Timing. Denn die Veröffentlichung der Starkregengefahrenkarte für das gesamte Freiburger Stadtgebiet fiel in eine Woche, in der ein Regenguss auf den nächsten folgte. Bereits am Wochenende kam es in Teilen der Stadt zu starken Regenfällen, auch am Dienstag und Mittwoch regnete es – teilweise ordentlich.
Die Karten, die nun online unter anderem auf der Homepage der Stadt abrufbar sind, zeigen detailliert für das gesamte Stadtgebiet, wie sich das Wasser bei Starkregen verteilt, wohin es fließt und in welchen Bereichen es sich aufstaut.
Es sei nun für „jede Immobilie in Freiburg nachzusehen“, inwieweit man bei einem Starkregenereignis betroffen ist, erklärte Frank Uekermann, Leiter des Garten- und Tiefbauamts, bei der Vorstellung der Karten am Dienstagvormittag.
Die Karten haben dabei laut Uekermann einen „extrem hohen Genauigkeitsgrad“ und zeigen die Auswirkungen von seltenen, außergewöhnlichen und extremen Regenereignissen. Statistisch gesehen tritt ein seltenes Ereignis alle 30 Jahre ein, ein außergewöhnliches einmal in 100 Jahren. Für ein extremes Ereignis gibt es keine Wahrscheinlichkeit, wann es eintritt.
Das Land übernimmt 70 Prozent der Kosten
Die Karte vermittelt aber zumindest einen guten Eindruck, was in einem solchen Fall in der Stadt passieren würde: Ganze Straßen wären überschwemmt, Blau ist für dieses Szenario die dominierende Farbe auf der Gefahrenkarte.
Die Veröffentlichung, der der Gemeinderat am Dienstagabend zugestimmt hat, ist dabei nur der erste Schritt – die Analyse der Überflutungsgefährdung ist abgeschlossen. Nun folgt die Risikoanalyse, bei der die Gefährdung für besonders sensible Infrastruktur analysiert wird. Uekermann nannte dafür exemplarisch Krankenhäuser und Rettungswege. Im letzten Schritt wird die Stadtverwaltung in Phase drei ein Handlungskonzept erarbeiten, das Maßnahmen zur Verbesserung des Starkregenschutzes aufzeigt.
Dieses Vorgehen mit den drei Stufen ist so vom Land vorgegeben, um eine Förderung für das Projekt zu erhalten. So rechnet man bei der Stadt mit der Übernahme von 70 Prozent der Kosten durch das Land, bislang belaufen sich diese auf rund 700 000 Euro.
Auch jeder Freiburger kann für sein Grundstück nun so vorgehen wie die Stadt. Denn auf der Karte kann genau abgelesen werden, wie gefährdet das eigene Haus, das eigene Grundstück oder die eigene Wohnung im Fall der Fälle wäre. Eine juristische Pflicht zu handeln gebe es jedoch nicht, hieß es Dienstag.
Mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut machen
Es wurde aber betont, dass es zur Eigenvorsorge gehöre, das Gebäude vor Wassereintritt zu schützen – etwa durch durchsichere Fenster oder einer Schwelle, die das Wasser zurückhalte – und den Versicherungsschutz zu prüfen. Außerdem solle man sich nochmals mit den genauen Gegebenheiten vor Ort auseinandersetzen, um zu prüfen, ob es noch andere Fließwege oder Schwellen gebe, die bislang nicht in der Karte eingezeichnet sind.
Die Starkregengefahrenkarte sowie Infos zur Vorsorge sind unter www.freiburg.de/starkregen einsehbar.
Was ist Starkregen?
Der Deutsche Wetterdienst
spricht von Starkregen bei lokal und zeitlich begrenzter intensiven Regen von 15 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde oder 20 Liter pro Quadratmeter in sechs Stunden. Der Boden kann den Niederschlag nicht oder nicht schnell genug aufnehmen. In aller Regel treten die Ereignisse relativ plötzlich und unerwartet auf.
Die Kanalisation
ist nicht für Wassermassen in dieser Menge ausgelegt. In Freiburg sind die Kanäle für ein Regenereignis, wie es alle fünf Jahre vorkommt, ausgelegt – nicht aber für Starkregenereignisse.
Die Stadt
plant insgesamt acht Informationsveranstaltungen in verschiedenen Stadtteilen und Ortschaften zur Veröffentlichung der Starkregengefahrenkarten.
