Prozess in Freiburg: Gastronom gesteht grausame Tötung der eigenen Mutter

In diesem gut situierten Viertel Freiburgs schnitt der Angeklagte seiner Mutter den Kopf ab.
Ralf DeckertFrüher kannte man ihn in Freiburg als Geschäftsführer mehrerer renommierter Gasthäuser. Seine Ausbildung in der Gastronomie hat er in einem führenden Hotel Freiburgs absolviert. Nun aber sitzt der 39 Jahre alte Andreas S. (Name geändert) am Dienstag auf der Anklagebank im Saal 4 des Freiburger Landgerichts.
Die Tat, die S. angelastet wird, hätte kaum grausamer sein können: Der Mann, der mit Messerhaarschnitt, Anzug und Krawatte optisch auch als Bankangestellter durchgehen könnte, soll im Februar seine 79 Jahre alte Mutter Angelika S. (Name geändert) im Vollrausch umgebracht haben.Er hatte Wahnvorstellungen und war überzeugt, dass er die Frau töten müsse, um sie von einer drohenden lebenslangen Folter zu erlösen.
Auslöser der Psychose war Droge „Azteken-Salbei“
Also schlug er sie mit sieben Schlägen mit der Bratpfanne nieder und trennte ihr mit einem Küchenmesser den Kopf fast vollständig ab. Auslöser der Psychose dürfte die Droge „Azteken-Salbei“ gewesen sein, eine Pflanze, die schwerste Halluzinationen auslösen kann. Laut der Anklage von Staatsanwalt Matthias Rall war S. somit schuldunfähig, als er die Tat beging. Er soll also in die Psychiatrie kommen.
Er hoffe auf die Möglichkeit einer Therapie, um seinen Alkoholismus in den Griff zu bekommen, sagte Andreas S., perspektivisch wolle er in der Gastronomie im Verwaltungsbereich arbeiten – und eine Social-Media-App entwickeln, mit der man die Armut in der Welt bekämpfen helfen kann. Das Projekt verfolgte er bereits vor der Tat Mitte Februar im Freiburger Nobelstadtteil Herdern.
Bis zu fünf Flaschen Wein als Stresskiller
Dem Alkohol ist Andreas S. schon während der Ausbildung in Freiburg Schritt für Schritt verfallen. Die stressigen Arbeitstage in der Top-Hotellerie mit ihren bis zu 20 Stunden langen Schichten habe er damit ausgleichen wollen.
Später folgten auch immer wieder „trockene“ Phasen – bis er 2019 mit einer Gaststätte in der Freiburger Altstadt immer mehr Schulden anhäufte und schließlich bis zu fünf Flaschen Wein am Tag als Stresskiller zu trinken begann. Zwei Aufenthalte in einer Suchtklinik im Schwarzwald konnten spätere Rückfälle nicht verhindern.
Auch am Tag nach der Tat seien eine Entgiftung und ein anschließender Klinikaufenthalt geplant gewesen. Schon am Tag vor der Tötung seiner Mutter sei er im Rausch gestürzt und fast in der Klinik gelandet – wie bereits im Dezember 2022, als er im Rausch nackt durch den Wald und die Stadt marschiert sei, weil er dachte, er müsse sich ausziehen, da seine Kleidung brennt.
Droge ließ ihn Monster sehen
Kokain, Speed und Ecstasy habe er immer wieder konsumiert, LSD habe er genommen, um sich damit das Trinken abzugewöhnen. Kurz vor der Tat sei das „Azteken-Salbei“ dazugekommen. Zu dieser Zeit lebte er bei seiner Mutter und wollte sich auf die Zeit in der Suchtklinik vorbereiten. Mit dem „Azteken-Salbei“ wollte er sich beruhigen. Allerdings nahm er vor der Tat eine ums 30-fache höher konzentriertes Extrakt zu sich, das ihn transparente Monster sehen ließ.
Dass er im Rausch seine Mutter umgebracht hat, sei furchtbar für ihn, sagte der Mann unter Tränen: „Wir haben uns sehr geliebt.“ Er habe vor der Tat einen hohen Suchtdruck verspürt. Durch den Konsum von Marihuana und „Azteken-Salbei“ sei er „sehr, sehr unruhig“ gewesen. Alle in der Familie hätten auf ihn eingeredet, seine Entgiftung schneller anzugehen, da habe er unter Stress das Rauschkraut komplett aufgebraucht.
Nach der Tat „zufrieden“
Dann sei die Vision aufgetaucht, dass er seine Mutter umbringen müsse. „Nach dem ersten Schlag mit der Pfanne hat sie noch geschrien, dass ich das nicht tun soll. Ich sagte, dass ich das tun muss, und schlug sie bewusstlos. Dann habe ich so lange gesägt, bis ich sicher sein konnte, dass sie tot war.“ Danach sei er zufrieden gewesen, dass seine Mutter nun nicht mehr gefoltert werden könne. Im folgenden „Schwebezustand“ habe er die Polizei gerufen. Später in der Klinik soll er den Ärzten zufolge kaum ansprechbar gewesen sein und zeitweise stundenlang mit der Zimmerwand geredet haben.