Kriminalitätshotspot in Freiburg: Der Stühlinger Kirchplatz wird zur Messerverbotszone

Ein Platz mit zwei Gesichtern: Um die Sicherheit zu erhöhen, erlässt die Stadt auf dem Stühlinger Kirchplatz eine Waffen- und Messerverbotszone.
Alexander BlessingGibt man die Worte „Stühlinger Kirchplatz Freiburg“ in die Suchmaschine ein, wird schnell klar, worum es geht. Denn die Recherche führt zu zahlreichen Berichten über Polizei-Einsätze auf dem Platz west des Hauptbahnhofs.
So kam es im Jahr 2024 auf dem Platz insgesamt zu elf Messerangriffen und 19 weiteren Taten, bei denen ein Messer im Spiel war, heißt es von der Stadt. Der Platz ist schon seit Jahren einer der Kriminalitätsschwerpunkte in Freiburg und regelmäßig Schauplatz von Polizeieinsätzen und Razzien.
Das ist auch der Stadt bewusst. „Der Stühlinger Kirchplatz hat zwei Gesichter. Während Familien auf der Wiese picknicken und Studis unter Bäumen für die nächste Prüfung lernen, treffen sich wenige Meter weiter Personen aus dem Drogenmilieu“, heißt es in einer Pressemitteilung, in der die Verwaltung die Einführung einer Waffen- und Messerverbotszone auf dem Stühlinger Kirchplatz ankündigt. Dies geschehe in „enger Abstimmung mit der Polizei“, heißt es von der Verwaltung.
Erst vor wenigen Tagen kam es zu einem sexuellen Übergriff
Denn das Ziel ist klar: „Vielfalt, Miteinander, Respekt und Sicherheit“ – die Schwerpunkte des sozio-kulturellen integrativen Gesamtkonzepts für den Platz sollen gewährleistet werden. Vor allem der Baustein Sicherheit war in der Vergangenheit nicht immer gewährleistet. Erst am 27. April wurde ein 33-Jähriger nach einem sexuellem Übergriff auf dem Stühlinger Kirchplatz festgenommen.
Mehr Messerdelikte in der Stadt
Und auch „Messerdelikte haben dort zuletzt deutlich zugenommen – hier spiegelt sich eine bundesweite Entwicklung“, so die Stadt. „Wir tun viel, um den Stühlinger Kirchplatz aufzuwerten. Dabei ist der Sicherheitsaspekt ganz wesentlich. Wir haben uns deshalb nach enger Absprache mit der Polizei dafür entschieden, eine Waffen- und Messerverbotszone einzuführen“, sagt Oberbürgermeister Marin Horn.
Man wolle durch den Erlass die Kriminalität eindämmen und der „erschreckenden Entwicklung“ hin zu mehr Messergewalt etwas entgegensetzen. „Wir schaffen die Grundlage dafür, dass die Polizei noch wirksamer kontrollieren kann und sich alle Menschen auf dem Platz sicherer fühlen“, sagt Horn.
Auch die Polizei begrüßt die Entscheidung
Beim Polizeipräsidium, das künftig für die Kontrollen zuständig ist, begrüßt man die Einrichtung der Verbotszone. „Sie ist ein weiterer wichtiger Baustein, um das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger spürbar zu stärken und potenzielle Gefahren zu reduzieren“, sagt Polizeipräsident Franz Semling.
Bis zu 10 000 Strafe bei Verstößen
Bei Verstößen gegen die Verbotszone drohen laut Bürgermeister Stefan Breiter Bußgelder von bis zu 10 000 Euro. Er verweist aber auch auf das „Augenmaß“ bei den Kontrollen: „Wer mit dem Taschenmesser seinen Apfel schneidet und picknickt, hat weiterhin nichts zu befürchten.“ Ausnahmen gebe es zudem auch für Marktbeschicker oder den Sicherheitsdienst der Kirche. Verboten wird jedoch, ein Messer bei sich zu tragen, das in weniger als drei Handgriffen einsatzbereit ist.
Verbot gilt auf dem gesamten Platz
Die geplante Waffen- und Messerverbotszone soll den gesamten Park, die zum Park offenen Schulhöfe sowie den Bereich um die Herz-Jesu-Kirch umfassen und zeitlich unbeschränkt sein.
Auch andere Städte in Baden-Württemberg haben Verbotszonen erlassen
OB Horn will die städtische Verordnung unterzeichnen, sobald eine angekündigte Verordnung des Landes zu Messerverbotszonen in Kraft tritt. Bereits seit 2007 können Kommunen Waffen- und Messerverbotszonen einrichten, wenn sie eine entsprechende Verordnung erlassen. Die Städte Stuttgart, Mannheim, Heidelberg, Ulm und Heilbronn haben bereits ähnliche Zonen eingerichtet – Freiburg folgt diesem Beispiel nun.
