Gipfeltreffen in Freiburg: Stadt und Region fordern verlässlichen Zeitplan bei Rheintalbahn-Ausbau

Die Stadt Freiburg und die umliegenden Kommunen haben Sorge, dass der Freiburger Hauptbahnhof beim Ausbau der Rheintalbahn vom Schienennetz abgeschnitten werden könnte.
Alexander BlessingEs ist eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte für Freiburg und die Region in den kommenden Jahrzehnten: Der Ausbau der Rheintalbahn. Die Auswirkungen der Ausbauplanungen sind enorm und betreffen viele: Kommunen, Unternehmen und nicht zuletzt Anwohner, die entlang der Strecke leben. „Über viele Details wird in den nächsten Jahren intensiv zu diskutieren sein, um tragfähige und ausgewogene Lösungen für die Menschen vor Ort zu entwickeln“, schreibt die Stadt Freiburg in einer Mitteilung.
Grundsätzlich unterstützen die Stadt und Region den Ausbau der Rheintalbahn. Aber: „Zugleich besteht zu den bislang bekannten Planungen der Bahn noch Klärungs- und Gesprächsbedarf vor Ort“, so die Stadt Freiburg. Es sei daher aus Sicht der Kommunen wichtig, „frühzeitig Einfluss auf die weiteren Planungen zu nehmen“.
Aus diesem Grund hatte Oberbürgermeister Martin Horn in der vergangenen Woche zu einem „Rheintalbahn-Gipfel“ nach Freiburg geladen. Mit dabei: Hochrangige Vertreterinnen und Vertreter von Deutscher Bahn, der Bundes- und Landesverkehrsministerien, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus der Region sowie südbadische Bundestagsabgeordnete. Konkret ging es dabei um den Bauabschnitt in der Freiburger Bucht, der Planungen der Deutschen Bahn von Teningen im Norden bis Buggingen im Süden.
Klare Forderung der Region an die Deutsche Bahn
Dabei ging es der städtischen Mitteilung zufolge zunächst um „übergeordnete Themen“ – Detailfragen werde es im Laufe der kommenden Jahre zu diskutieren geben. Die Forderung an die Bahn aus Freiburg und Region ist dabei klar: „Ein verlässlicher und klar dargelegter Zeitplan, damit alle Akteure wissen, was der Ausbau wann konkret für sie bedeutet.“ Die heute vorliegenden Pläne seien dafür noch nicht aussagekräftig genug.
Der Verband Region Südlicher Oberrhein (VRSO) und der Zweckverband Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF) wollen zusammen mit den Landkreisen, Städten und Gemeinden eine gemeinsame regionale Resolution mit detaillierten Forderungen erarbeiten. Zudem wurde laut Mitteilung ein wichtiges gemeinsames Ziel erreicht, indem eine regionale Begleitgruppe mit Vertretern der Bahn, dem Bund sowie Vertretern der Kommunen ins Leben gerufen wurde. „Das Gremium soll die Belange der Region bei dem Ausbauprozess dauerhaft vertreten“, heißt es von der Stadt.
Die Bahn versichert: Hauptbahnhof wird nicht abgeschnitten
Und noch eine wichtige Nachricht – auch für viele Pendler – hatten die Vertreter der Bahn beim Rheintalbahn-Gipfel in Freiburg mit dabei: „Die Region und insbesondere der Freiburger Hauptbahnhof wird nicht vom Schienenverkehr abgeschnitten.“ Das war einer der wichtigsten Punkte für Freiburg und Region. Denn eine jahrelange Streckensperrung dürfe es nicht geben.
Zudem wurden im Verlauf des Gesprächs verschiedene Themen angesprochen. Etwa, wie es nach dem Ausbau mit dem ÖPNV weitergeht. Der Plan der Bahn ist es, die Strecke so auszubauen, dass Fernzüge schneller und in einem Halbstundentakt fahren können. Zugleich bestehe in der Region ein großes Interesse daran, den Nahverkehr weiter zu stärken, so die städtische Mitteilung.
Die Stimmen zum Rheintalbahn-Gipfeltreffen
„Alle wollen eine bessere Bahn. Ein Ausbau der Bahninfrastruktur ist auch bei uns dringend notwendig – entscheidend ist aber, dass er für die Menschen in unserer Region einen Mehrwert bietet und den Nahverkehr stärkt und uns nicht jahrelang vom Bahnverkehr abschneidet“, lässt sich OB Horn in der Mitteilung zitieren. Und er macht deutlich: „Eine jahrelange Sperrung der Rheintalbahn sowie des Freiburger Hauptbahnhof können wir nicht akzeptieren.“
„Der Neubau des 3. und 4. Gleises und die Sanierung der Bestandsstrecken sind Jahrhundertprojekte, zu denen wir fraglos stehen. Allerdings ist hierfür ein umfassend funktionierender Nahverkehr unerlässlich. Der ÖPNV darf – sprichwörtlich – nicht unter die Räder des Fernverkehrs kommen“, machte Christian Ante, Landrat des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald, die Sorgen um den ÖPNV vor Ort klar. Sein Amtskollege aus dem Kreis Emmendingen, Hanno Hurth, setzt derweil Hoffnungen in die angestoßene Zusammenarbeit: „Der gemeinsame Schulterschluss mit unseren Partnern ist für uns zentral, um die regionale Stimme kraftvoll und wirksam gegen eine jahrelange Streckensperrung einzubringen.“
Für gesamte Strecke wird ein Konzept gefordert
„In der Region sind wir uns einig, dass die Neubaustrecke kommen muss, um die Rheintalbahn und ihre Anrainer vom Güterverkehr zu entlasten. Für die Ausbaustrecke fordern wir ein durchdachtes Gesamtkonzept von Appenweier bis Auggen, das Bauzeiten und Einschränkungen auf ein Minimum reduziert. Auch die Umsetzung des künftigen Ausbaus des Schienenpersonennahverkehrs darf nicht gefährdet werden. Unsere Forderungen werden wir in einem regionalen Begleitgremium unter Leitung des Verbands Region Südlicher Oberrhein gegenüber der Bahn vertreten“, sagte Kai-Achim Klare, Vorsitzender des Verbands Region Südlicher Oberrhein.
