Freiburger Bundestagsabgeordneter: Vinzenz Glaser kämpft für bezahlbare Mieten und Abrüstung

Vinzenz Glaser ist über die Landesliste der Linken in den Bundestag eingezogen.
Jan SchlottauVinzenz Glaser (32) ist neu im Bundestag – und das spürt man. So ein Einstieg in die Bundespolitik bringt ganz praktische Hürden mit sich, wie Glaser im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet: „Ich musste auch schon mal von einem Mitarbeiter abgeholt werden, weil ich den Weg nicht mehr zurück in mein Büro gefunden habe“, erzählt er über seine ersten Wochen im Berliner Regierungsviertel. Seit Februar sitzt Glaser für Die Linke im Bundestag und vertritt den Wahlkreis Freiburg.
Glaser reist bevorzugt mit der Bahn, gern auch im Schlafwagen. „Da kommt man morgens mehr oder weniger gut erholt an und kann direkt ins Büro.“ In Berlin wohnt er in einer WG in Neukölln, unweit der Sonnenallee. „Da pulsiert wirklich das Leben und man kann abends viel unternehmen“, sagt er – auch wenn für ihn zumeist keine Zeit dafür bleibt: „Wenn ich in Berlin bin, dann sind das einfach sehr, sehr lange Arbeitstage. Deswegen reicht mir da so ein Bett in einem Zimmerchen.“
Pendeln als private Herausforderung
Privat ist das Pendeln eine Herausforderung. Glaser ist Vater eines zweijährigen Sohnes. „Ich habe den Anspruch, viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen“, sagt er. Das Paar überlege deshalb, künftig öfters gemeinsam nach Berlin zu reisen, um mehr Zeit als Familie verbringen zu können.
Politisch ist Glasers Herz bei den sozialpolitischen Fragen. Besonders das Thema Wohnen treibt ihn um: „Der Mietendeckel, den wir als Linke erkämpfen wollen, ist für mich ein zentrales Anliegen.“ Günstiger Wohnraum sei in Städten wie Freiburg und Berlin längst Mangelware.
Glaser ist gegen Militarisierung
Daneben setzt er sich für Abrüstung ein: „Ich sehe den bundesweiten Trend hin zur Wehrpflicht und dass wir mehr Geld für Verteidigung ausgeben. Eine schleichende Militarisierung. Da bin ich vehement dagegen.“
Seine politische Prägung reicht zurück ins Jahr 2015, in dem Angela Merkel mit dem Satz „Wir schaffen das“ eine Ära der Willkommenskultur einleitete. „Das hat mich politisiert“, sagt Glaser. „Und auch die Gegenbewegung, dass viele gegen die Aufnahme von Geflüchteten auf die Straße sind.“ Er habe sich damals dann den Demos für die Aufnahme von Geflüchteten angeschlossen, um ein Zeichen für Solidarität und Menschenwürde zu setzen. Gleichzeitig betont er, dass Sorgen bezüglich des Themas Migration ernstgenommen werden müssten: „Ich glaube aber nicht, dass die Migranten und Migrantinnen das Problem sind, sondern dass wir ein unterfinanziertes Hilfssystem haben.“
Wenig Gemeinsamkeiten mit Freiburger Kolleginnen
Im Vergleich zu seinen Kolleginnen im Wahlkreis – Chantal Kopf (Grüne) und Martina Kempf (AfD) – fällt Glaser vor allem deren politische Grundausrichtung auf. Mit der grünen Außenpolitik fremdelt er: „Dieser Ruf nach Militarisierung gefällt mir gar nicht.“ Und mit dem Kurs der AfD kann er wenig anfangen: „Dieser christlich-nationalistische Kurs und dass sie sehr tradierte Rollenbilder vertritt – das geht für mich gar nicht.“ Trotzdem findet er auch positive Ansätze: Kopf sei eine „aktive Europäerin“, was er in Zeiten der Spaltung wichtig findet.
Als Vision für die Zukunft sieht Glaser ein gerechteres, sozialeres Land, in dem Veränderung nicht zulasten der Schwächeren geht. „Eine ökologische Transformation kann man nicht über die Köpfe der Menschen hinweg durchsetzen. Der Umbau in Richtung Ökologie muss auch immer sozial abgefedert sein.“ Dazu gehörten faire Löhne, ein Kita-System, das Familien entlaste, und eine gerechte Verteilung der Mittel. Auf die Frage, welche Schlagzeile er sich für die Zukunft wünsche, antwortet er mit einem Augenzwinkern, aber durchaus ernst gemeint: „Parteiübergreifend deckeln alle Abgeordneten ihr Gehalt.“