Falsche Anzeigen in Freiburg
: So dreist sind die neuen Tricks beim Wohnungsbetrug

Die Wohnungssituation in Freiburg ist für alle Bevölkerungsteile prekär, aber für Studenten und insbesondere für jene, die neu in die Stadt kommen, stellt sie sich als besonders schwierig heraus. Und: Der Notstand ruft Betrüger auf den Plan.
Von
Jan Boller
Oberndorf
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Viele Gesuche, aber kaum Angebote gibt es auf dem studentischen Wohnungsmarkt in Freiburg.

Balk

Wer Glück hat, bekommt bereits vor Studienbeginn vom Studierendenwerk (SWFR) per Losentscheid den Zuschlag für ein Zimmer in einem der Wohnheime. Der Rest versucht über die sozialen Netzwerke und einschlägige Plattformen an die spärlichen WG-Angeboten zu gelangen und macht immer wieder die frustrierende Erfahrung, bei Besichtigungsterminen in Konkurrenz mit einer riesigen Anzahl von Mitbewerbern treten zu müssen. Weil vielen Neuankömmlingen mangels eines Bekanntenkreises in der neuen Heimat auch verwehrt bleibt, zumindest zeitweise auf der Couch bei Freunden unterzukommen, stehen viele Studis bei Semesterstart ohne Unterkunft da. Als letztes Mittel bleibt manchmal nur, einen Platz in einer Notunterkunft zu beziehen. Drei Zimmer mit je acht Stockbetten bietet das SWFR ab 1. Oktober eines jeden Jahres an.

Besonders dreist wird es, wenn Betrüger die Situation der Hilfsbedürftigen mit gefälschten Immobilienanzeigen auszunutzen versuchen. Ein geradezu lehrbuchmäßiges Beispiel dafür, mit welchen Methoden Wohnungsbetrüger mittlerweile Seriosität vorgaukeln, zeigt die Geschichte, die Diyar H. unserer Redaktion erzählt hat.

Ohne soziales Netzwerk finden viele Neu-Studenten kein Zimmer

Der gebürtige Syrer, der seit 2005 in Deutschland lebt, hatte im Januar 2024 ein duales Studium für Soziale Arbeit an der IU Freiburg angefangen, aber keine Wohnung in Freiburg gefunden. Nach einigen Wochen in einem Freiburger Hostel hatte der 23-Jährige auf eine Anzeige bei ebay geantwortet. Per E-Mailverkehr mit der vermeintlichen Eigentümerin wurde ein Besichtigungstermin ausgemacht. Die Frau teilte mit, aufgrund anderweitiger Verpflichtungen in ihrem schweizerischen Heimatland bei dem Termin nicht zugegen sein zu können, sie habe allerdings einen Bekannten beauftragt, die Besichtigung durchzuführen. Der zur Wohnung umfunktionierte Keller sei nicht schön, aber immerhin preiswert gewesen, erzählte H. Außer ihm waren noch zwei weitere Interessenten vor Ort.

Betrugsversuche mit Besichtigungen und gestohlenen Personalien

Ein paar Tage nach der Besichtigung bekam H. eine Mail mit der Nachricht, den Zuschlag für die Wohnung erhalten zu haben. Er müsse lediglich drei Monatsmieten im Voraus zahlen und könne dann zeitnah einziehen. Weil H. die Personalien seiner Ansprechpartnerin hatte, ging er nicht von einem Betrugsversuch aus und zahlte den Betrag von 1400 Euro: „Danach habe ich nie wieder etwas gehört.“ Trotzdem dauerte es zwei Wochen, bis der Student sich entschloss, Anzeige zu erstatten: „Ich hatte halt doch noch gehofft, dass es was wird mit der Wohnung.“

„Die Methoden der Täterschaft scheinen oft gleich. Auf einem Internetportal wird eine Wohnung angeboten und neben der Übersendung eines Lichtbildes des Ausweises eine Kaution gefordert. Die Daten der Geschädigten werden dann teilweise für weitere Betrugsformen genutzt“, teilte Johannes Saiger vom Referat Prävention der Polizei Freiburg mit. Inserate wirken vor allem durch Methoden des Identitätsdiebstahls vertrauenswürdig. Allerwichtigste Regel ist es, niemals Geld zu überweisen, bevor nicht der Mietvertrag unterschrieben ist. Aber auch bei geringen Nebenkosten, katalogähnlichen Fotos oder wenn der Mietpreis nicht zur Wohngegend passt, sollten Wohnungssuchende misstrauisch werden. Eine ausführliche Beschreibung der Gefahren gibt es unter www.polizei-beratung.de/aktuelles/detailansicht/vorsicht-vor-betrug-bei-der-wohnungssuche/.

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