E-Bike-Absatz ist gestiegen: Fahrradbranche im Raum Freiburg hat sich erholt

Franco Orlando (links) und Frederic Nellen von „Bike Sport World“ in Freiburg haben wechselhafte Jahre in der Fahrradbranche hinter sic
Ralf DeckertAls vor fünf Jahren die Corona-Pandemie Deutschland lahmlegte, kamen viele auf die Idee, ihr Fahrrad aus dem Keller zu holen. Der Absatz von E-Bikes erlebte einen Höhenflug. Mancher in der Branche dachte, die Goldgräberstimmung würde niemals aufhören. Dem Aufstieg folgte der Fall, der manchen am Markt in die Insolvenz riss. Heute hingegen sieht die Lage in der Branche und bei den Unternehmen in der Region wieder besser aus.
Wechselhafte Zeiten hat zuletzt auch Franco Orlando in Freiburg mit seinem Geschäft „Bike Sport World“ erlebt. Zu Zeiten des Corona-Booms im Fahrradhandel hat er zwei Dutzend Leute beschäftigt. Mittlerweile ist die Belegschaft wieder auf die Hälfte geschrumpft, und manches zu viel eingekaufte Rad vom Vorjahr steht nun als attraktives Schnäppchen für diejenigen im Laden, die nicht auf dem allerneuesten Rad durch die Gegend rauschen wollen. „Wir sind sehr auf Rennräder spezialisiert“, so Betriebsleiter Frederic Nellen. Für ein Geschäft wie „Bike Sport World“ sei Freiburg ein idealer Standort: Die Topographie der Region biete für jeden Radler und jeden Geschmack etwas, sagt Nellen.
Radfahren steht im Raum Freiburg hoch im Kurs
Das Thema Radfahren genieße auch in der Stadt und der Lokalpolitik einen hohen Stellenwert. Denn für die Region Freiburg ist das Fahrrad ein wichtiger Tourismus-Faktor, berichtet Ulrike Weiß, Geschäftsführerin von „Naturgarten Kaiserstuhl“. Auf den Reisemessen zum Jahresauftakt seien Radwegekarten und Infos über Fahrradreisen im Raum Freiburg zuletzt weggegangen wie warme Semmeln. Die Nachfrage nach dem Thema Fahrrad-Tourismus in Kombination mit Themen wie Wein und Kulinarik sei geradezu „unfassbar“, bestätigt Gastro-Expertin Anna Maria Freitag von der Schwarzwald Tourismus GmbH in Freiburg.
Leasingräder als Verkaufsschlager
Einen nicht unerheblichen Anteil am E-Bike-Boom der jüngeren Vergangenheit hat auch das Freiburger Unternehmen Jobrad, das 2008 gegründet wurde und mittlerweile rund 1000 Beschäftigte in Deutschland zählt. PR-Managerin Franziska Saur betont: „Das E-Bike und das Fahrrad-Leasing haben ja ab 2020 durch die Corona-Krise einen starken Boom erlebt. Das Leasing hat hochpreisige E-Bikes für breite Schichten der Bevölkerung zugänglich gemacht.“ Man habe seit der Gründung von Jobrad 1,7 Millionen Räder „auf die Straße“ gebracht, rund drei Viertel davon seien E-Bikes, so Saur. „Die Vorteile des E-Bikes, zum Beispiel beim Radius, den man damit erreichen kann, liegen auf der Hand und machen den Umstieg attraktiv“, sagt Saur. „Und der Gesundheitsaspekt ist ja auch beim E-Bike gegeben, das ist mittlerweile längst nachgewiesen.“
Ausstattung des Autos als Vorbild für Fahrräder
Längst ist die Fahrradindustrie auch im Raum Freiburg als Wirtschaftsfaktor gesetzt. Ein Beispiel: die „Supernova Design GmbH“ in Gundelfingen bei Freiburg. Das Unternehmen entwickelt und verkauft Fahrradlampen, wurde 1997 gegründet, hat 2006 die erste Lampe speziell für E-Bikes entwickelt, erwirtschaftet jährlich zweistellige Millionenumsätze und beschäftigt rund 60 Menschen. „Supernova“ verkauft sechsstellige Stückzahlen im Jahr. „Wir sind Innovationstreiber und haben 2017 als erstes Unternehmen die Themen Fernlicht und Bremslicht fürs Fahrrad umgesetzt“, erklärt Geschäftsführer und Designer Marcus Wallmeyer. Seine Erfahrung sei, dass alles, was die Leute am Auto haben wollen, mehr oder minder auch an ein gutes Fahrrad gehört. Oder in ein gutes Fahrrad, um genauer zu sein, denn demnächst bringt sein Unternehmen auch Lenker mit integriertem Licht heraus.