Die Drahtzieherin fehlt: Bewährungsstrafen für fünf Mitglieder der Freiburger Ikea-Bande

Unter großem Medieninteresse ist am Montag ein Urteil im Ikea-Prozess gefallen.
PaschkeIn Abwesenheit der mutmaßlichen Drahtzieherin der Ikea-Diebstähle in Freiburg sind am Montag fünf geständige Angeklagte vom Amtsgericht zu Bewährungsstrafen zwischen einem Jahr und vier Monaten sowie zwei Jahren verurteilt worden.
Das Verfahren gegen eine siebte Angeklagte wurde abgetrennt, da sie zur Tatzeit unter 21 Jahre alt war. Ebenfalls separat verhandelt wird gegen die ehemalige Kassiererin im Möbelhaus Ikea im Freiburger Norden. Zwischen 2019 und 2023 soll sie als Kassiererin bei Familienmitglieder und Bekannte ohne zu bezahlen an der Kasse vorbeigelassen haben. Laut Anklage entstand so ein Schaden im niedrigen sechsstelligen Bereich.
Direkt zu Beginn des Verhandlungstags am Montag teilte ihr Anwalt mit, dass sich die 50-Jährige derzeit bei ihrem Hausarzt befinde. Wenig später wurde klar: Die Frau ist nicht vernehmungsfähig und mehrere Wochen krankgeschrieben. Das Verfahren gegen sie soll weitergehen, wenn es der Gesundheitszustand der Frau zulässt. Wann genau das sein wird, ist offen. Klar ist bereits: Ihre Strafe ist nicht bewährungsfähig.
Ikea hatte eine Privatdetektei beauftragt
Der Prozess gegen fünf ihrer mutmaßlichen Komplizen, die zwischen 2019 und 2023 unter anderem Ware mit Hilfe der Kassiererin an der Kasse vorbeigeschleust haben sollen, ging derweil mit der Aussage einer Ermittlerin der Kriminalpolizei weiter. Sie gab einen Einblick, wie Ikea und die Ermittler der Polizei der mutmaßlichen Diebesbande auf die Schliche kamen.

Im Freiburger Ikea soll eine Kassiererin gemeinsam Komplizen jahrelang gestohlen haben.
Foto: Silas Stein/dpaDemnach habe das Möbelhaus im Freiburger Norden bereits seit 2018 „erhöhte Inventurdifferenzen“ festgestellt. Bereits bevor Ikea Ende 2022 Anzeige erstattete, beauftragte das Möbelhaus laut der Polizistin eine Privatdetektei, die der Kassiererin im Laufe der Ermittlungen auf die Schliche gekommen sei.
Zahlreiche Nachrichten in Whatsapp durchsucht
Große Teile der polizeilichen Ermittlungen bestanden demnach aus dem Sichten von Whatsapp-Chats. Über den Messenger-Dienst sollen die Diebstähle von Möbel, Lampen und Co. organisiert und koordiniert worden sein – oft nur mit einem Foto von Ikea-Produkten und wenigen Worten. Die gestohlene Ware soll anschließend entweder selbst genutzt, über Ebay an unwissende Dritte verkauft oder – unter dem regulären Verkaufspreis – an „Auftraggeber“ abgegeben worden sein. Außerdem soll die Kassiererin Kassenbons von zahlenden Kunden einbehalten haben, um genau diese Ware zu stehlen. Mit Hilfe der Quittung sollen die Waren dann zurückgegeben worden sein, um den Kaufpreis zu erhalten.
Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig
Die fünf Angeklagten, die am Montag zu Bewährungsstrafen verurteilt wurden, hatten bereits in der vergangenen Woche eine Geständnis abgelegt. Das Urteil gegen sie ist noch nicht rechtskräftig.
