Debatte um ACAB-Pullover: Das sagt ein Freiburger Polizist und Grünen-Mitglied zu dem Fall

Armin Bohnert aus Freiburg ist Vorstand der Berufsvereinigung PolizeiGrün e. V.
PolizeiEs ist eines der derzeitigen Dauerbrenner-Themen im Land: Die Co-Vorsitzende der Grünen Jugend, Jette Nietzard, steht im Kreuzfeuer der Kritik, seit sie ein Foto von sich selbst veröffentlicht hat, auf dem die Buchstabenkombination „ACAB“ zu lesen ist. Die Abkürzung „All Cops Are Bastards“ (zu Deutsch in etwa: „Alle Bullen sind Drecksäcke“) gilt als linksextremer Kampfruf gegen die Polizei.
Und bringt nun auch die Berufsvereinigung PolizeiGrün e. V., in der sich seit 2013 Polizisten mit grünem Parteibuch engagieren, auf die Palme: Die Buchstabenkombi und der Pulli seien „inhaltslos und pauschal“, schimpft PolizeiGrün Vorstand Armin Bohnert aus Freiburg. Da helfe es auch nicht, dass Nietzard ihr Auftreten hinterher als „als Systemkritik verkaufen wollte“. Provokation in der Politik gehe zwar schon, aber man dürfe „nicht pauschal alle verprellen“, die so eine wichtige Arbeit wie die Polizei machen, so der Beamte, der in Freiburg Chef der Kriminalpolizei ist.
Nietzards Auftreten hatte zuletzt auch mehrere Polizeigewerkschaften auf die Barrikaden gebracht. Der Bundesvize der DPolG-Bundespolizei, Manuel Ostermann, sprach von „Verachtung für unsere Polizei“. Nietzard habe „viel Meinung, aber wenig Ahnung“. Ostermann gilt als Buchautor und öffentlichkeitswirksam auftretender Islam-, NGO- und Linken-Kritiker, ist allerdings selbst in Polizeikreisen nicht unumstritten: Gerade von Gewerkschaftern wie Ostermann, die „die fast täglich Dinge äußern, die inhaltlich falsch und teils rassistisch“ seien, sei die Kritik an Nietzards Auftreten „maßlos überzogen“, so Armin Bohnert.
Nur auf Klicks aus?
Ein öffentlicher Aufschrei über Polizisten, die rechtsradikale Meinungen vertreten oder verfassungsfeindliche Symbole im Netz posten, finde nicht statt. Dennoch sei Nietzards Provokation nicht hilfreich, sondern wohl nur auf „viele Klicks und Kommentare“ aus.
Das sagt die Freiburger Bundestagsabgeordnete der Grünen
Auch die Freiburger Bundestagsabgeordnete der Grünen, Chantal Kopf, die bis vor wenigen Jahren in der Grünen Jugend engagiert war, findet deutliche Worte: „Dass Jugendorganisationen teils andere Positionen einnehmen als ihre Mutterparteien ist gut und richtig.“ In diesem Fall sei jedoch „eine Grenze überschritten, wenn eine ganze Berufsgruppe, die eine wichtige Arbeit in unserem demokratischen Staat leistet, pauschal diffamiert wird.“ Die Kritik auf breiter Ebene sei daher richtig.