Von Unterkirnach in die Ukraine
: Andrea Winter und Roland Müller helfen vor Ort

Elf Fahrten in die Ukraine, neun nach Albanien – Andrea Winter und Roland Müller aus Unterkirnach engagieren sich unermüdlich für Menschen in Not.
Von
Hella Schimkat
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Andrea Winter und Roland Müller setzten sich für Menschen in der Ukraine ein.

Hella Schimkat

Andrea Winter und Roland Müller engagieren sich mit Herzblut, wenn es darum geht, Menschen in Not zu helfen. Dabei belassen sie es nicht bei Geldspenden, sondern machen sich persönlich auf den Weg in Länder, in denen ihre Hilfe dringend gebraucht wird.

Neunmal sind sie schon in Albanien gewesen, um Kleidung zu den armen Bauernfamilien zu bringen. Und seit dem Überfall Putins auf die Ukraine haben sie bereits elf Fahrten in die Ukraine unternommen – mal im Konvoi mit zwei oder drei anderen Fahrzeugen, mal mit zwei Fahrzeugen, oft auch nur zu zweit in einem Fahrzeug. Das Auto war stets vollbepackt mit Hilfsgütern, auch der Anhänger war vollbeladen. Dabei schliefen Andrea Winter und Roland Müller oft zwischen Kartons auf Matratzen – denn die Hilfe für andere Menschen zählte für sie mehr, als die eigene Bequemlichkeit.

Die diesjährige Fahrt vom 15. bis zum 25. Mai war ihre letzte Tour in diesem Jahr, jetzt wollen sie eine Pause einlegen, erklären sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Fuhren sie am Anfang noch mit gespendeten Hilfsgütern, haben sie einen Großteil der Fahrten inzwischen selbst finanziert – sie bezahlten nicht nur das Benzin, sondern auch alle sämtliche Hilfsgüter aus eigener Tasche. Dazu gehörten haltbare Lebensmittel, medizinische Hilfsmittel, Generatoren zur Stromerzeugung, Süßigkeiten, Obst und Spielzeug.

Oft fuhren Roland Müller und Andrea Winter kilometerlang an zerstörten Häusern und ausgebrannten Panzern vorbei, hörten Sirenen heulen und Raketeneinschläge, hatten aber immer Glück, dass ihnen selbst nichts passierte. Während Andrea zugibt, oft Angst gehabt zu haben, meint Roland: „Was solls, wir können es nicht ändern. Wenn ich Angst habe, muss ich nicht hinfahren.“

Freundschaften schließen

Inzwischen haben sie in der Ukraine Freundschaften geschlossen, viele Ukrainer warten bereits sehnsüchtig auf ihr Kommen. Beeindruckt zeigen sich die beiden Unterkirnacher von den Ukrainern: Die Menschen versuchen, weiterzumachen, anderen zu helfen – das Leben geht irgendwie weiter.

Auf die Frage, was sie bei ihrer letzten Fahrt geladen hatten, antwortet Roland Müller: 360 Armeeschlafsäcke, 42 Leichensäcke, eine Palette Konserven, Süßigkeiten und Spielzeug. Die Schlafsäcke und Leichensäcke hätten sie auf Wunsch der Helfer vor Ort gekauft, erklärt Roland Müller.

Die Route führte sie bis zur polnischen Grenze und von dort weiter über Lemberg, Kiew, Poltava und Charkiw bis nach Kramatorsk.

Ihr letzter Anlaufpunkt waren die jungen internationalen Helfer der Universal-Aid-Ukraine, die rund um die Uhr im Einsatz sind und den Menschen helfen – in letzter Zeit meist mit Evakuierungen. „Wir bewundern diese jungen Leute und fragen uns, woher sie die Kraft nehmen“, betont Andrea Winter. Das Leben vor Ort sei sehr gefährlich, manche ihrer Fahrzeuge haben Schusslöcher, andere sind total zerstört. Auf dem Dach sind Störschilder angebracht, um Drohnen zu erkennen und ihnen zu entkommen.

Sinnloser Krieg

„Diese Drohnen werden immer geschickter ausgerüstet und sind so programmiert, dass sie Fahrzeuge verfolgen. Sie sind einfach übel, dazu kommen die Raketen, die Putin mehr und mehr abschießen lässt“, erklärt sie wütend. Der Konflikt sei ein „sinnloser, mörderischer Abnutzungskrieg“, so Andrea Winter.

Noch einmal spricht sie die jungen Menschen der Hilfsorganisation an, bei der es sich um eine deutsche Organisation handelt. Dazu gehören beispielsweise Rettungssanitäter, die zeigen, wie man eigene Wunden versorgt. Manchmal schließen sich auch junge Helfer aus den USA oder anderen Ländern dem Team an.

Die beiden Unterkirnacher wünschen sich, dass Unterstützer ihr Geld direkt an diese Organisation spenden. Das Geld komme unmittelbar bei den Menschen in Not an, betont sie. „Wir wollen keine Spenden, bitte spenden Sie an diese Organisation“, betont Andrea Winter.

Weitere Informationen gibt es unter https://www.universal-aid-ukraine.org.

Das Schwarzwälder BAARometer
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis Montag bis Samstag im kompakten Überblick.