Lesermeinung: „Ich habe Rechnen anders gelernt“

Das Krankenhaus in Donaueschingen.
Daniel Vedderred/pm
Dies ist mein erster Leserbrief, aber die Berichterstattung zu diesem Thema, die darin genannten Zahlen und Begründungen sowie das Verhalten des OB Pauly zu dieser Frage kann einen nur wütend und die Tendenz bei den Wahlen verständlich machen. Für mich stellt sich die Sache so dar, dass in Donaueschingen ein funktionierendes Krankenhaus besteht, das aber für circa 60 Millionen Euro saniert werden müsste. Um diese 60 Millionen zu sparen, wird in Villingen-Schwenningen ein Neubau erstellt, der mindestens 100 Millionen (erfahrungsgemäß bei Großprojekten das Doppelte) kostet. Zusätzlich wird noch ein neues Parkhaus gebaut, damit die Mitarbeiter parken können. (Gegen die Parkmöglichkeiten für Mitarbeiter spricht grundsätzlich nichts). Über die dafür notwendigen Kosten, die zu den 100 Millionen noch hinzukommen, verlautet nichts. Tatsächlich sind also weit mehr Gelder erforderlich als bisher verlautet wird. Und das, um 60 Millionen für die Renovierung in Donaueschingen zu sparen? Ich habe Rechnen anders gelernt. Tatsächlich ist das Klinikum schon mit 100 Millionen Euro verschuldet. Wie hoch sind sie dann am Schluss? Die Verantwortlichen hoffen auf Zuschüsse aus dem Krankenhausfonds. Gibt es die tatsächlich nur für Neubauten und nicht auch für Renovierungen? Die Erweiterung des Standortes Villingen-Schwenningen ist ja auch kein Neubau einer Klinik, sondern nur eine Erweiterung. Herr Landrat Hintersee bezeichnet die Entfernung als wohnortnah. Ob dies Patienten mit Herzinfarkt oder Schlaganfall aus dem südlichen Landkreis auch so sehen? Ebenso kann ich die Zahlen zu den Betten nicht nachvollziehen. Das Klinikum hat insgesamt 750 Betten in Villingen-Schwenningen und 200 in Donaueschingen.Diese 200 fallen weg und sollen durch den Neubau mit 100 Betten ersetzt werden. Ergibt für mich dann neu gesamt 850 Betten. Dabei sollen aber die 1000 Betten im Krankenhausplan erhalten bleiben? Dann kommt die Erklärung von Herrn OB Pauly zu seinem Abstimmungsverhalten. Diese Erklärung verdeutlicht einmal mehr den Frust vieler Leute über das Verhalten der Politiker. Herr Pauly wurde als Oberbürgermeister der Stadt Donaueschingen gewählt. Hier ist er damit Beamter auf Zeit und hat die Stadt und deren Interessen zuerst zu vertreten. Ferner ist er Mitglied im Aufsichtsrat des Klinikums. Hierzu wurde er bestellt. Als Beamter der Stadt Donaueschingen ist das nach meiner Rechtsauffassung eine Nebentätigkeit, die seinen Pflichten als Vertreter der Stadt Donaueschingen nicht entgegenstehen darf. Dies hat er meiner Ansicht nach nicht beachtet. Gleiches gilt für seine Tätigkeit als Mitglied des Kreistages. Seine Pflicht zur Vertretung der Stadt endet auch hier nicht. Auch hier hat er sich gegen die Stadt entschieden. Zumindest hätte er sich enthalten müssen. Für mich hat er damit nur der Stadt geschadet.
Christine Wacker, Löffingen