Donaueschingen: Abschied für einen erfolgreichen Manager der alten Schule

Noch hatte er das IMS-Gear-Schildchen am Sakko: Nach fast vier Jahrzehnten im Unternehmen ist Norbert Willmann gestern im Museum Biedermann verabschiedet worden. Foto: Maier
Schwarzwälder-BoteDonaueschingen (mai). Die Leinwand ist fast ganz weiß, oben rechts steht in blauen Buchstaben schlicht IMS Gear. Darunter verlaufen zwei Linien: Die eine beginnt im Jahr 1863, dem IMS-Gründungsjahr, und geht weiter in die Zukunft. Die andere beginnt am 16. Oktober 1972 – und sie endete gestern: Nach fast vier Jahrzehnten im Unternehmen und 18 Jahren als Geschäftsführer ist Norbert Willmann feierlich, festlich in den Ruhestand verabschiedet worden. 140 Gäste, darunter Mitglieder der IMS-Familie, Kunden und Geschäftspartner und Vertreter des öffentlichen Lebens sagten im Spiegelsaal des Museums Biedermann einer bedeutenden Persönlichkeit des Donaueschinger Wirtschaftslebens Adieu.
Norbert Willmann: Der gebürtige Eisenbacher war mit Mitte 20 als technischer Verkaufsleiter für Verzahnungswerkzeuge bei dem Unternehmen Johann Morat Söhne eingetreten – und machte bei dem traditionsreichen Betrieb für Getriebe- und Antriebslösungen dank seines Sachverstands, seines Erfindungsgeists und seines gepflegten Umgangs mit den Mitarbeitern ziemlich schnell Karriere. Von 1978 an baute er die Produktion von Kunststoffteilen mit dem Schwerpunkt Zahnräder aus – in genau diesem Bereich ist IMS Gear heute Weltmarktführer. Im Dezember 1993 berief Rudolf Zimber-Morat, Nachfahre des Firmengründers und bis zu seinem Tod 1984 Unternehmenschef, Norbert Willmann gemeinsam mit Clemens Rosenstiel zu Geschäftsführern. Es war der Beginn einer sehr erfolgreichen Zeit, einer Ära.
Diese Ära lebte gestern anlässlich der Verabschiedung in den vielfältigsten Facetten noch einmal auf. Maximilian Zimber-Morat erzählte, wie sein Vater Rudolf ihm als kleinem Jungen zuhause immer von diesem "Herrn Willmann" vorgeschwärmt habe, so oft, dass dieser ihm zum Vorbild wurde. Heiner Kübler, der Vorsitzende des Aufsichtsrats bei IMS Gear, lobte das langfristige und nicht auf schnelle, überstürzte Lösungen zielende Denken von Norbert Willmann. Stets habe er sich dem Vermächtnis von Rudolf Zimber-Morat verpflichtet gefühlt – den Erfolg des Unternehmens langfristig zu sichern und damit zu erhalten.
Die wahrscheinlich wichtigste Entscheidung war, nach dem Start der Kunststoffproduktion in Donaueschingen mit sieben Mitarbeitern im Jahr 1980, Anfang der 1990er-Jahre die konsequente und konzentrierte Ausrichtung von IMS Gear auf den Automobilbereich. Seitdem wächst das Unternehmen kontinuierlich; aus Krisen wie Mitte der 90er-Jahre, dem totalen Abbrand des Werkes 3 in Donaueschingen im Jahr 2001 oder der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 ging IMS Gear stets noch stärker als ohnehin schon hervor – weil es eben eine gemeinsam in vertrauensvoller Zusammenarbeit erarbeitete Strategie gab, wie Clemens Rosenstiel betonte.
Auch Rosenstiel sagt IMS Gear leise Servus: Im November nächsten Jahres wird er ebenfalls verabschiedet, mit dann ebenfalls 65 Jahren. Die Nachfolge ist ordentlich geregelt. Auf das Tandem Willmann/Rosenstiel folgt das Tandem Bernd Schilling/Wolfgang Weber; das neue Duo wird seit Beginn des Jahres Schritt für Schritt in die Aufgaben eingearbeitet.
Heute ist IMS Gear ein Unternehmen, das in der Region verwurzelt und dennoch überall in der Welt zu finden ist: Standorte gibt es in den USA, Mexiko, China und damit überall dort, wo auch die Kunden sind. 1972, als Willmann sein Arbeitsleben begann, beschäftigte IMS Gear rund 500 Mitarbeiter – heute sind es weltweit mehr als 1800; in Donaueschingen ist das Unternehmen der größte Arbeitgeber. 1992, kurze Zeit, bevor Willmann und Rosenstiel zu Geschäftsführern berufen wurden, machte das Unternehmen einen Umsatz von 60 Millionen Mark – in diesem Jahr wird die 200-Millionen-Euro-Marke geknackt. Durch dieses Wachstum seien bleibende Werte geschaffen und damit Arbeitsplätze gesichert worden, sagte der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Harter.
Oberbürgermeister Thorsten Frei beschrieb Willmann als Manager im guten Sinne, einen Manager der alten Schule: verlässlich, kompetent, immer im Auge habend das ganze Unternehmen, "sein Unternehmen" – obwohl er doch stets angestellter Geschäftsführer gewesen sei. Landrat Karl Heim beschied Norbert Willmann Respekt vor dessen Lebensleistung.
Norbert Willmann schaut, wie er tief bewegt sagte, dankbar zurück: "Ich hätte mir keine schönere, interessantere und herausfordernde Aufgabe vorstellen können." Er werde dem Unternehmen immer verbunden bleiben und den jetzt anbrechenden Lebensabschnitt genießen, mit seiner Frau, seiner Familie. Es klang gestern an, dass Willmann gerne wandert. Auf ihn warten nun neue Gipfel.