Ärzte im Schwarzwald-Baar-Kreis: Krankes Gesundheitssystem um VS – sind wir Patienten schuld?

Einen detailreichen Blick ins Gesundheitssystem der Region erlaubt eine Podiumsdiskussion in Donaueschingen.
Sebastian Gollnow/dpa/Sebastian GollnowUnter der Moderation von Eike Walter ging es es um die Entwicklungen im Gesundheitswesen.
Laut Mitteilung der Veranstalter diskutierten drei Ärzte und eine Ärztin. In seiner Einführung ging Walter darauf ein, dass unser Gesundheitssystem pro Jahr etwa 500 Milliarden Euro koste, ebenso viel wie der gesamte Staatshaushalt. Die Patienten würden bei uns gut versorgt auf dem besten medizinischen Standard, allerdings zu einem im europäischen Vergleich sehr hohen Preis. Das liege auch an Fehlanreizen, bei Patienten, bei Ärzten und bei Krankenhäusern, die den größten Teil der Kosten verursachten. Vielen Patienten fehle das Kostenbewusstsein: In Skandinavien geht der Durchschnittsbürger 2,7 Mal pro Jahr zum Arzt, in Deutschland zehn Mal.
Bürokratie belastet
Ariane Bucher vom ärztlichen Kreisverein Schwarzwald-Baar schilderte die Problematik anhand eines beispielhaften Arbeitstages und ging insbesondere auf die Belastung durch die Bürokratie ein.
Aber auch die Budgetierung führe zu absurden Situationen: Rückwirkend werde Ärzten die Vergütung für bereits erbrachte Leistungen gestrichen. Die auch durch den Datenschutz verursachten Regularien führten zu systematischen Doppeluntersuchungen, die erhebliche Kosten verursachen. Auch die juristisch und nicht medizinisch begründeten Absicherungen gegen Regressansprüche seien fatal.
Ex-Arzt aus St. Georgen packt aus
Den Dokumentationswahnsinn als Folge einer Verrechtlichung sah auch Johannes Probst als Fehlentwicklung an, der 40 Jahre lang eine Hausarztpraxis in St. Georgen führte. Das Vergütungssystem führe zu einer Diskriminierung der Hausärzte, die man deshalb kaum noch finde. Die finanzielle Bewertung ärztlicher Leistungen, die durch die Kassenärztliche Vereinigung vorgenommen werde, sei völlig veraltet und verzerrt. Es sei auch nicht Aufgabe des Gesundheitssystems, Profiterwartungen der Aktionäre privater Kliniken zu bedienen. Privatpatienten seien zwar privilegiert, liefen aber auch Gefahr, übertherapiert zu werden, weil sie lukrative Patienten seien.
Diese FEhler sehen Ärzte
Michael Blaurock, Arzt in der Rehaklinik Sonnhalde, wähnte sich auf einer Insel der Seligen. Er könne nach ausschließlich fachlichen Kriterien therapieren und bekomme die Zeit, die die Patienten benötigen. Er wundere sich allerdings manchmal, mit welchen Diagnosen und Therapieempfehlungen die Patienten geschickt werden.
Paul La Rosée sagte, ein Manko des deutschen Gesundheitssystems sei auch die mangelnde Digitalisierung. Es gebe keine ausreichende Kommunikation zwischen Hausarzt, Facharzt und Krankenhausarzt. Die Überlastung des Gesundheitssystems liege auch an der Erwartungshaltung mancher Patienten. Wenn man wegen jeden Schnupfens zum Arzt renne, verursache das auch erhebliche Kosten. Um genug Ärzte zu gewinnen, müsse der Beruf auch attraktiver werden.