Wildberg: Zwischen Wahrheit und Wirklichkeit

Foto: Fleig
Schwarzwälder BoteMord in Wildberg: Im Krimi-Debüt von Andreas Mast bemerken die eilig bestellten Kommissare aus Calw bald, dass sie zwischen Sein und Schein ermitteln. Der Effringer Autor führt Leser und Ermittler auf eine mehrdeutige Fährte.
Wildberg-Effringen. Als nahe der Wildberger Siedlung eine junge Frau erstochen wird, ist ein Verdächtiger schnell gefunden. Schließlich steht der 26 Jahre alte, depressive Benjamin Michels in einer merkwürdigen Beziehung zum Opfer. Beim Calwer Kommissar Schulte stellen sich allerdings bald Zweifel ein. Der Fall stellt den erfahrenen Ermittler vor ein Rätsel. Kann ihn ausgerechnet eine Theorie seines gläubigen Sohnes auf die richtige Fährte führen?
Auf 226 Seiten ermitteln die Beamten des Calwer Morddezernats in Andreas Masts Krimi-Debüt "Wirklich daneben!" – und geraten dabei immer wieder an die Grenzen zwischen Wahrheit und Wirklichkeit.
Für den Effringer Autor selbst spielt der Fall allerdings eine Nebenrolle: "Es ist ein sehr persönliches, authentisches Buch", erklärt der 42-Jährige. "Ich habe den Krimi geschrieben, um auf unterhaltsame Weise meine Erkenntnisse zu Depression und Glaube zu transportieren."
Der Fall spielt für den Autor eine Nebenrolle
Mast erkrankte selbst in frühen Jahren an einer Depression, musste deshalb sein Studium kurz vor den Abschlussprüfungen abbrechen. Im Schreiben fand er einen Ausweg: "Ich habe nicht geschrieben, weil ich es wollte. Ich habe geschrieben, weil ich es musste", sagt er heute. Damit habe er versucht, sich zu befreien: "Man ist in einer anderen Wirklichkeit gefangen, die nichts mit der Wahrheit zu tun hat", erklärt er.
In seinem Roman-Debüt hält sich der Nachhilfelehrer und Hobby-Gitarrenbauer allerdings mit Lösungsansätzen oder medizinischen Erkenntnissen zurück. "Man begegnet einfach einem depressiven Menschen mit seiner eigenen Denkweise." Der 42-Jährige fügt nachdenklich hinzu: "Ich habe selbst oft die Erfahrung gemacht, dass die Krankheit für Außenstehende nicht nachvollziehbar ist."
Und so dringen die Leser gemeinsam mit den ermittelnden Kommissaren in die Gedanken- und Gefühlswelt des depressiven Hauptverdächtigen vor. Die Themen Depression und christlicher Glaube sind dabei zwar stets präsent, Mast legt aber Wert darauf, sie unaufdringlich zu verpacken. "Ich finde es kritisch, Menschen von etwas überzeugen oder missionieren zu wollen", erklärt der Autor. Seine zentrale Erkenntnis? "Die Wahrheit macht dann frei, wenn sie zur Wirklichkeit wird."
Das hat er zwar früh erkannt. Bis sich aber seine Romanfiguren selbst auf die Suche nach der Wahrheit machten, hat es noch etwas gedauert. Bereits 2009 hatte Mast mit seinem Krimi begonnen, einige Passagen entnimmt er aus einem früheren, persönlicheren Manuskript. "Es kam auch nochmals Dynamik rein, als sich Nationaltorwart Robert Enke im November des Jahres das Leben nahm", erinnert sich Mast zurück. "Das hat das Thema mehr in die Öffentlichkeit gerückt." Er, früher selbst Torwart bei seinem Heimatverein, sei damals sehr betroffen gewesen.
Kommissare tappen lange im Dunkeln
Als Mast schließlich auf die Suche nach Verlegern geht, bekommt er immer wieder zu hören, dass sich christliche Krimis nicht gut verkauften. Das ist der Grund, weshalb er das Manuskript mehrere Jahre lang ruhen lässt. Bis er zum Dezember des vergangenen Jahres beschließt, die Veröffentlichung selbst in die Hand zu nehmen: "Mir ist die Geschichte zu wichtig, als dass ich sie in der Schublade liegen lassen wollte", sagt er.
Wirklich daneben sei darin nicht nur das Verhalten der Täter, erklärt der Autor. Sondern auch die Sichtweise des depressiven Verdächtigen, der mit seiner Wahrnehmung wirklich daneben liege. "Und auch die Kommissare tappen lange im Dunkeln", verrät er.
Wer im Spiel zwischen Wahrheit und Wirklichkeit der wahre Täter ist? Es bleibt bis zuletzt spannend – so viel sei verraten.
Weitere Informationen: "Wirklich daneben" von Andreas Mast ist im Handel erhältlich. Leseproben stellt der Autor online unter wirklichdaneben.andima.de bereit.