Unbekanntes Flugobjekt: Mysteriöser Ballon fliegt an Würzbach vorbei – das steckt dahinter

Fallback Image SB
Schwarzwälder BoteAls Anfang des Jahres 2023 ein chinesischer Ballon von West nach Ost über die Vereinigten Staaten von Amerika flog, sorgte das für massive Spannungen zwischen den beiden Ländern.
Anfang Februar 2023 schoss die US-Luftwaffe den Ballon ab und warf China Spionage vor. Peking wies das zurück und erklärte, der Ballon habe lediglich Wetterdaten erfasst und sei dabei vom Kurs abgekommen. Wie sich später herausstellte, hatte der Ballon nach US-Angaben zumindest keine Daten gesammelt.
Mehrere Ballons in großer Höhe
Was auch immer dahintersteckte: Die Geschichte dürfte vielen Menschen im Gedächtnis geblieben sein. Und mancher im Kreis Calw erinnerte sich vielleicht gerade am vergangenen Samstag wieder daran. Denn fest steht: An diesem Tag zogen mehrere Ballons in großer Höhe über Deutschland hinweg.
Ein Leser aus Würzbach meldete sich am Mittwochnachmittag daraufhin bei unserer Redaktion, verwundert über eines der seltsamen Flugobjekte.
Teilnehmer des ältesten und prestigeträchtigsten Wettbewerbes
Tatsächlich hatten die Ballons am Wochenende nicht nur im Kreis Calw für Aufsehen gesorgt – sondern in weiten Teilen von ganz Baden-Württemberg. Die Geschichte dahinter hat jedoch nichts mit Spionage zu tun.
Wie eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS) auf Anfrage erklärte, handelte es sich vielmehr um Teilnehmer des ältesten und prestigeträchtigsten Wettbewerbes der Luftfahrt weltweit: dem Gordon Bennett Cup.
Für diesen starteten am Samstag im französischen Metz insgesamt 24 Gasballone. Nach Angaben einer Flugtracking-Plattform flogen die Ballons dabei in Höhen zwischen 10 000 und mehr als 12 000 Fuß an – das sind 3,6 Kilometer.
Größtmögliche Distanz gewinnt
Diese Weltmeisterschaft auf der Langstrecke mit Gasballons bringt jedes Jahr die besten Gasballon-Piloten zusammen, um an einem Rennen mit einem einfachen, aber anspruchsvollen Ziel teilzunehmen: die größtmögliche Distanz vom Startpunkt zurückzulegen – ohne Zwischenlandungen.
„Die Piloten müssen mit höchster Präzision navigieren und dabei Luftströmungen, Wetterbedingungen und die Optimierung des Ballasts berücksichtigen, um so weit wie möglich zu kommen“, so die Sprecherin der DFS.
Und die Teilnehmer legen weite, sehr weite Strecken zurück. Die Route der Ballons kann auf der Tracking-Seite des Gordon Bennett Cups nachverfolgt werden. Tatsächlich waren zahlreiche Teilnehmer bis montags immer noch unterwegs. Manche gelangten sogar nach Rumänien.
Fünf der 24 Teilnehmer überflogen dabei auch direkt den Landkreis Calw. Zwei kamen aus Richtung Gernsbach und querten südlich von Dobel, über Bad Wildbad, zwischen Schömberg und Oberreichenbach sowie zwischen Bad Liebenzell und Hirsau die Region. Drei weitere schwebten über Altensteig, Egenhausen, Rohrdorf, Ebhausen und zwischen Nagold und Wildberg vorbei.
Zwischen 16 und 1360 Kilometer
Das Rennen verlief für die Beteiligten indes recht unterschiedlich. Der Letztplatzierte legte etwa gerade einmal 16 Kilometer zurück. Die besten deutschen Teilnehmer errangen dagegen den stolzen zweiten Platz. Nach knapp 1260 Kilometern landeten sie am Montag gegen 15 Uhr in Rumänien.
Die Sieger, ein Schweizer Team, legten insgesamt sogar knapp 1360 Kilometer zurück und landeten ebenfalls in Rumänien – nach 67 Stunden und 34 Minuten in der Luft. Die beiden Sieger können laut einer Mitteilung der Wettbewerbsveranstalter aber auch auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückblicken. Und zwar auf rund 30 Jahre und mehr als 3500 Stunden im Ballon.