Studium im Kreis Calw
: Der Akademie fehlen die Studenten

Die Außenstelle der Hochschule Pforzheim bietet in Nagold berufliche Weiterbildung an. Doch das Konzept trägt sich finanziell nicht. Gelingt nun die Trendwende?
Von
Felix Biermayer
Oberndorf
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Die Akademie an der Hochschule Pforzheim am Standort Nagold

Heiko Hofmann

Hochschulen sind im Landkreis dünn gesät. Die SRH Hochschule in Calw hat mittlerweile geschlossen. In Bad Liebenzell gibt es die Internationale Hochschule der Mission. Und in Nagold steht die Akademie der Hochschule Pforzheim (AHP). Seit 2016 gibt es das Angebot. Die AHP in den Landkreis zu holen, sei mit „viel Herzblut“ gelungen, sagte der erste Landesbeamte Frank Wiehe jüngst im Bildungs- und Sozialausschuss. Die Akademie habe sich etabliert. Mit regionalen Unternehmen wie Veyhl, Boysen oder Häfele habe des Projekt große Unterstützer.

Berufliche Weiterbildung

Denn die AHP bietet berufliche Weiterbildung an. Da gibt es Kurse in digitaler Transformation, künstlicher Intelligenz oder Management. Sogar berufsbegleitende Masterabschlüsse sind in den Bereichen „Embedded Systems“ oder „Strategisches Innovationsmanagement“ möglich. Dafür können sich Studenten anmelden, müssen dann aber Studiengebühren bezahlen. Wie hoch die sind, das steht auf der Homepage nicht.

Das Geschäftsmodell der AHP ist ohnehin ein anderes, wie ihr Chef Gerhard Janes im Ausschuss erklärte. Die AHP gehe auf Unternehmen zu, die ihre Mitarbeiter fortbilden möchten. Und diese Unternehmen bezahlten die Gebühren für Kurse, Seminar und Studiengänge bei der AHP dann. „Wir bieten den lokalen Unternehmen viel Mehrwert“, war Janes vom AHP-Konzept überzeugt. Die Akademie biete aktuelle und in die Praxis übersetzte Erkenntnisse aus Wirtschaft, Technik und Design.

Die Unternehmen schätzten die flexiblen Angebote. Die Mitarbeiter können online geschult werden und die Inhalte immer dann aufrufen, wenn sie Zeit hätten. Die AHP biete Seminare auch direkt in den Unternehmen an. Zudem gebe es die klassische Form am Standort in Nagold. „Die Seminare laufen gut“, resümierte Janes.

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Einzig, die Studierendenzahlen zeigen das nicht. Im aktuellen Wintersemester sind laut Janes über alle Angebote nur knapp mehr als 20 Menschen eingeschrieben – so wenige wie noch nie. Zu Hochzeiten waren es über 50, aber eigentlich immer mehr als 40. Janes sieht die Gründe dafür in der schlechten Konjunktur. Unternehmen sparten bei der Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. Qualifizierte Arbeitskräfte fänden sich auf dem Markt in Zeiten weniger Jobs eben einfacher.

Janes machte auch ein strategisches Problem der AHP aus. Die Einrichtung habe sich zu sehr auf die Region konzentriert. „Aber wir müssen ganz Baden-Württemberg ansprechen“, sagte Janes. Diesen Weg habe die AHP bereits beschritten. Nur so ließen sich die Studierendenzahlen erhöhen. Allerdings brauche es etwas Zeit, bis sich das Umsteuern bemerkbar mache.

Zu wenig Studenten, zu wenig Geld

Und Janes machte klar, dass die AHP mehr Studenten braucht. „Die Zahlen müssten doppelt so hoch sein, damit es sich trägt“, sagte er. Kurz gesagt: zu wenige Studenten, zu wenig Geld. Den Fehlbetrag gleichen bisher regionale Firmen aus – und der Landkreis Calw. Der bezahlt dafür jährlich 30 000 Euro. Die Vereinbarung läuft dieses Jahr. Der BSA sollte nun die Verlängerung um zwei Jahre und eine Erhöhung auf 40 000 Euro beschließen. „Wir brauchen einen Zuschuss. Sonst gäbe es uns nicht“, sagte Janes.

Letzte Chance für die Einrichtung

Eberhard Bantel (AB) war angesichts der Haushaltslage nicht bereit, den Zuschuss zu gewähren. „Lassen wir es einfach auslaufen“, sagte er und vermutete, dass es mit der AHP dann trotzdem weitergehe. Dem widersprach Janes. „Wenn die Förderung nicht kommt, muss ich im März den Laden dicht machen“, sagte er. Die schlechte Haushaltslage sah auch Lothar Kante (SPD). Trotzdem wollte er der AHP eine letzte Chance geben. Könne sie sich in zwei Jahren nicht selbst finanzieren, müsse man die Förderung einstellen, so Kante. Wiehe betonte, dass neben dem Kreis Unternehmen wie Boysen, Häfele, die Sparkasse oder die Stadt Pforzheim, die IHK und der Enzkreis ebenfalls in die Bresche sprängen.

Der Bildungs- und Sozialausschuss stimmte mehrheitlich für den Zuschuss. Doch im Beschluss steht ein Satz, welcher der AHP eine Warnung sein muss: „Der Landkreis Calw erwartet, dass die Akademie ab 2028 in der Lage ist, den Betrieb weitgehend kostendeckend ohne Landkreismittel zu gewährleisten.“

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