Sommermusik in Wildberg
: Herzschlag im Takt der Emotionen

Die Sommermusik hielt Einzug in Wildberg. Trotz Umleitungen fanden viele Zuhörer den Weg zu der Konzertstätte in der Martinskirche.
Von
M. Kosowska-Németh
Oberndorf
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Im Ambiente der Martinskirche traten hochkarätige Dozenten der Sommermusik im Oberen Nagoldtal auf

Kosowska-Németh

In dem Ambiente der Martinskirche traten hochkarätige Dozenten der Sommermusik im Oberen Nagoldtal auf und präsentierten ein umfangreiches wie erlesenes Programm. Neben der Wiener Klassik bekam das Publikum Werke aus der Früh- und Spätromantik sowie archaisierende und zeitgenössische Musik zu Gehör. Die Einzelheiten zu jeder Komposition erläuterte der Regisseur und Schauspieler Fridtjof Bundel.

Als Leonid Gorokhov (Cello) und Elena Nemtsova (Klavier) „Suite im alten Stil“ von Alfred Schnittke anspielten, breitete sich Stille in den von einheimischen Musikliebhabern und unzähligen Kursanten der Sommermusik besetzten Bankenreihen aus. Die Künstler zogen ihre ganze Aufmerksamkeit auf sich durch barocke Klang-Pracht, klassische Eleganz und das lupenreine Zusammenspiel, in dem die mit Leidenschaft gesättigte Lyrik mit instrumentaler Virtuosität wetteiferten.

Sonate F-Dur op. 17 für Kontrabass

Die Sonate F-Dur op. 17 komponierte Ludwig van Beethoven für Waldhorn und Klavier. In der Fassung für Kontrabass stellten Felix Leissner und Tetiana Bielikova (Klavier) den Sonaten-Kopfsatz ins romantische Licht und kreierten mit Passion, instrumentaler Flinkheit und Biss eine persönliche Interpretation, voller Spannung und wechselhaften Stimmungen.

Aus dem „Poème“ von Ernest Chausson, einem Klassiker des Violin-Repertoires, brachte Aylen Pritchin die Essenz der Postromantik hervor. Mit Evgeny Sinaiski (Klavier) an seiner Seite dichtete der Solist eine atemberaubende, von Traurigkeit und Schmerz bezeichnete Klang-Poesie, die den Herzschlag der Zuhörer dem Takt der Emotionen unterwarf.

Allegro erhellt die Stimmung

Mit dem Allegro aus einem Duo von Wolfgang Amadeus Mozart erhellten Yun Tang (Violine) und Florian Peelman (Viola) die Stimmung. Aus dem Austausch der interpretatorischen Gedanken und Impulse entstand ein stimmiges, vitales und kontrastreiches Klangbild, in dem die Anmut der Rokoko-Raffinesse immer wieder aufblitzte.

In der Konzertfantasie über George Gershwins Oper „Porgy and Bess“ aus der Feder von Igor Frolov (dem Schüler von Dawid Ojstrach) fanden Alexandra Korobkina (Violine) und ihr kongenialer Klavierpartner Sinaiski instinktiv eine herrlich klingende künstlerische Ebene. Die sensible, geradezu intime Jazz-Tonsprache – wie in unendlich schön gehauchten „Summertime“ – und freie, bis zum Aufbrausen aufsteigende Leidenschaft bündelten sich zusammen zu einer Darbietung von enormer Wirkungskraft.

Finalsatz aus „Forellenquintett“

Das künstlerische Gespann mit Alexandra Korobkina, Florian Peelman, Leonid Gorokhov, Felix Leissner und Inga Dzektser (Klavier) rundete die Abendmusik mit dem Finalsatz aus „Forellenquintett“ von Franz Schubert ab. Nach dieser gefühlsbetonten, schnörkellosen und transparenten, vor Freude und Lebensbejahung strahlenden Darbietung brach ein echter Begeisterungsjubel unter dem Publikum aus. Bevor die Zuhörer die begnadeten Tonkünstler nach zwei Stunden Musikgenuss in die Vollmond-Nacht entließen, riefen sie sie mehrmals auf die Bühne zurück.

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