Schömberg: Nico kehrt mit Geschenken zurück

Mit Radio-CD-Recordern bescherte Nico Schumacher die Kinderklinik Schömberg (von links): Ärztlicher Direktor Gerhard Niemann, Jana Gottschalk, Martina Balle, Kerstin Schumacher und Lina Wahlen mit Nico. Foto: Stocker
Schwarzwälder-BoteVon Steffi Stocker
Schömberg/Renningen. Beim Sommerfest in der Kinderklinik Schömberg präsentierte Nico Schumacher seine gemalten Kunstwerke. Im Rahmen der Ausstellung waren diese zudem käuflich zu erwerben. Jetzt bescherte der 18-Jährige die Einrichtung für neurologische Erkrankungen.
Mit Radio-CD-Recordern im Gepäck, die er von den Erlösen anschaffte, kehrte er an die Stätte seines Reha-Aufenthaltes zurück. Der junge Mann ist nämlich selbst betroffen von neurologischen Einschränkungen. Wie seine Mutter erzählte, kam Nico mit einer Muskelerkrankung zu Welt. "Mit 14 Jahren musste er sich einer Zahn-Operation unterziehen, nach der er ins Koma fiel und dadurch seine Sprache verlor", schildert Kerstin Schumacher die Ursache für die Behinderung.
Marc Chagall hat esihm besonders angetan
Zwei Jahre zuvor entdeckte Nico seine Liebe für das Malen. Insbesondere die Werke von Marc Chagall haben es ihm angetan. "Die Vorliebe Chagalls, die Welt auf den Kopf zu stellen oder verkehrt herum darzustellen, sprachen Nico unglaublich an", berichtete seine Mutter. Diese Leidenschaft wurde immer intensiver. Ein Gutschein für eine Kunsttherapie beförderte seine Schaffenskraft. Nico entwickelte wie sein Vorbild eine Vorliebe für auf dem Kopf stehende Perspektiven.
Bis heute bietet ihm das Malen mit Acryl eine Ausdrucksmöglichkeit, ganz nach einem Zitat Chagalls, das er sich zu eigen gemacht hat: "Solange wir das Leben haben, sollen wir es mit den uns eigenen Farben der Liebe und der Hoffnung malen."
Gleichwohl beschränkt sich der junge Mann nicht nur darauf, zu malen. Vielmehr will er die Künstler erfassen und verstehen. Deshalb ist die individuelle Geschichte der Maler, deren Werke er kopiert, für Nico von Bedeutung.
Derzeit favorisiert Nico die Arbeiten von Paul Gauguin. Zu seinen Favoriten zählen außerdem die Werke von Friedensreich Hundertwasser und Paul Klee. "Kunst und Farben machen ihn glücklich", stellte Kerstin Schumacher fest. Das spiegelte sich unter anderem in den Farben der Radio-CD-Recorder wieder.
Groß war die Überraschung über die Bescherung in dem Fachkrankenhaus nicht nur für die Kinder und Jugendlichen auf den Stationen, sondern auch bei Ärzten und Therapeuten. "Es sollte etwas für die Patienten sein und die Möglichkeit bieten, die Zeit hier auch mal mit Nachrichten oder Fußballberichten zu füllen", erläuterte Mutter Kerstin Schumacher. Sie erinnerte damit an die Erfahrungen, die Nico während seines sechs Monate langen Aufenthalts gemacht hatte.
Als Nico das Krankenhaus besuchte, um die Geschenke zu übergeben, rief das bei ihm durchaus zwiespältige Gefühle hervor. Denn eigentlich ist die Ankunft in der Kinderklinik Schömberg immer mit Abschied von den Eltern und einem Aufenthalt verbunden. Und das mag er nicht unbedingt gerne. "Er ist eine starke Persönlichkeit", stellten die Ärzte Martina Ball und Gerhard Niemann sowie seine Therapeutin Jana Gottschalk beim Besuch des jungen Künstlers fest.