Sagen in Altensteig: Auf Schatzsuche in der Burgruine

Ein Geisterfräulein soll bei einer Schlossruine im Raum Altensteig umgehen – vielleicht auf dem Schlossberg?
Jansen/hamist-stock.adobe.com/Montage: HelberHoch über den Dächern von Altensteig liegen die Überreste der Burg am Turm, nahe dem Turmfeld. Von dort belohnt mich der beeindruckende Ausblick, bei blauem Himmel, über das Städtchen. In einer Senke, ein kleiner Weg führt über Steinquader hinunter, erheben sich die Ruinen der ehemaligen Burg Turm. Steinquader, die die Jahrhunderte überdauert haben. Und noch etwas könnte hier oben versteckt sein: Ein Goldschatz, bewacht von einem geisterhaften Burgfräulein.
Der soll in den Ruinen eines Schlosses liegen, irgendwo zwischen Altensteig und Berneck. Angeblich trägt es den Namen „Edelmannswald“. Nur: Es gibt in Altensteig keinen Edelmannswald. Und auch keine Schlossruinen direkt zwischen den beiden Ortschaften.
Um Altensteig herum gab es früher allerdings mehrere Burgen. Von der verlorenen Schillburg etwa ist die Lage unbekannt. Burg Kegelhardt bei Berneck ist heute eine archäologische Ausgrabungsstätte, versteckt im Wald.
Ich könnte mir allerdings gut vorstellen, dass die Ruinen hier in den Schlossanlagen gemeint waren. In der Nähe des Schlosses, damals wahrscheinlich noch voller Wald und in Zeiten ohne genaue Kartierung könnte man sie tatsächlich zwischen Berneck und Altensteig vermuten. Auch war sie abgelegen. Nur einige Höfe soll es in der Nähe gegeben haben.
Auffällig ist auch, dass Bernhard von Baden die Burg 1399 kaufte – und sie innerhalb von sechs Jahren abbrach, wie mir die Infotafel verrät. Warum kauft man eine Burg, um sie dann abzureißen? War sie baufällig? Brauchte er die Steine anderswo? Oder suchte er nach dem Gold?
Zugemauerter Vorratskeller
Ich steige auf die Ruine hinauf, die von unten ein wenig wie ein Hügelgrab wirkt. Übrig geblieben sind Mauern und ein zugemauerter Vorratskeller. Das erinnert an Märchen von eingemauerten Prinzessinnen. Die Infotafel beruhigt mich. Der Eingang war bis 2020 durch ein Eisentor versperrt.
Obwohl ich nicht weiß, ob es hier spukt, ob das Burgfräulein wirklich hier war – ich habe mich nicht nachts hergewagt. Anders ein Bernecker Mädchen, das von dem Geist des Burgfräuleins einst angesprochen worden sein soll. Um den Geist zu erlösen und den Schatz zu finden, sollte sie zweimal um Mitternacht zur Schlossstelle kommen.
Einmal fällt ihr eine Schlange um den Hals. Die Berührung eines Wacholderzweigs lässt die Schlange abfallen. Wacholder finde ich heute nirgends. Vielleicht wucherte er früher, als hier noch unberührte Natur lag. Beim zweiten Mal hatte das Mädchen Angst. Der schwarze Pudel, den sie treffen sollte, kam nicht.
Während ich hier oben mich umschaue – in den Schlossanlagen, die am Tag freundlich und einladend gestaltet sind – überlege ich, ob das Burgfräulein wirklich die Gute in der Geschichte ist. Warum lockt sie ein Kind nach oben, um dort zur Geisterstunde Schlange und Pudel zu begegnen? Beide Tiere gelten als Symbole für Teufel und böse Geister.
Bei alten Ruinen im Stockdunkeln herumzuirren, ist auch keine gute Idee. Während ich auf der Mauer balanciere, blicke ich nach unten. Es sind kaum zwei Meter – aber der Fall könnte mir Knochen brechen. Ich habe ein Handy – früher hätte ich nur beten können, dass mich jemand findet.
Wunsch nach Erlösung und Seligkeit?
Vielleicht geht es in der Geschichte um den Wunsch nach der Erlösung aus dem mühseligen Leben eines mittelalterlichen Bauern. Wo könnte man denn auf Gold stoßen, wenn nicht in einer alten, aufgegebenen Burg? Und vielleicht ist auch die Erlösung von Teufel und Sünde gemeint und der Reichtum namens „Seligkeit“ – ein zentrales Glaubensinhalt der damaligen Zeit. Fragt sich, was das Burgfräulein getan hat, dass ihm dies versagt blieb.
Die Serie „Der Sage nach“
Hexen, Geister, Riesen und sogar der Teufel selbst sollen in früheren Zeiten der Sage nach ihr Unwesen getrieben haben. Zahlreiche alte Mythen ranken sich auch um Orte im Kreis Calw. Einige davon wollen wir in unserer Serie näher beleuchten, indem wir uns dorthin begeben, wo sich Unheimliches zugetragen haben soll. Im wahrsten Sinne gehen wir der Sage nach – kommen Sie doch mit! Vielleicht findet sich auch der ein oder andere Tipp für einen Ausflug. Oder zumindest für einen ungewöhnlichen Spaziergang mit Geschichte.