Neuweiler: Nachtschichten aus Leidenschaft

Hansi Waidelich hat eine Backstube im eigenen Haus. Foto: Werthenbach
Schwarzwälder-BoteDas traditionelle Handwerk stirbt aus, immer mehr Backwaren werden in Supermärkten und Großbäckereien gekauft. Hansi Waidelich füllt diese Lücke zumindest samstags in Neuweiler: mit gesundem Getreide und Rezepten seines Großvaters.
Neuweiler. Eines haben diese Zeitungsausgabe und Hansi Waidelichs Brötchen gemeinsam: Ihre Produktion beginnt am Freitagabend und dauert bis tief in die Nacht, damit sie – möglichst aktuell beziehungsweise frisch – am Samstagmorgen auf dem Frühstückstisch landen.
"Backen ist mein Leben", sagt Waidelich, der als Logistiker in Bad Teinach arbeitet. Seine Wochenend-Bäckerei in Neuweiler betreibt er im Nebenerwerb. Der gelernte Bäcker erklärt aber, dass es vor allem seine Liebe zum Backen sei, die ihn auch nach einer harten Arbeitswoche jeden Freitagabend in die Backstube treibe. "Ich backe die Nacht meistens durch und bin morgens beim Verkauf dabei", sagt der 43-Jährige, der manchmal von Familie und Freunden unterstützt wird. Seine Waren seien alle frisch, sagt er – verkauft wird jeden Samstag und an Feiertagen von fünf bis etwa 12.30 Uhr. Zudem beliefert er Vereine und Veranstaltungen auf Bestellung. Auch Hochzeitstorten bietet er an.
Verzicht auf Zusätze und Konservierungsstoffe
Vor sieben Jahren begann er – auch damals eher als "Hobby" – einige Brote und Brötchen zu backen. Die Backstube dafür war schon 2003 beim Neubau des Hauses der Familie Waidelich im Erdgeschoss eingeplant. "Durch Werbung und Mundpropaganda ist das dann alles größer geworden", erzählt er. So habe sich seine Kundschaft in den vergangenen sieben Jahren in etwa verdoppelt, die Backstube hat er bereits mit einem Anbau vergrößert. Wenn Waidelich über seine Bäckerei spricht, ist ihm anzumerken, dass er nicht mit anderen Betrieben konkurriert. "Ich muss davon nicht leben, ich sehe das als Hobby", betont er immer wieder. Er bewirbt seine Backwaren nicht, sondern spricht aus der Sicht eines leidenschaftlichen Bäckers der alten Schule darüber: "Meine Weckle sind fülliger, die haben mehr Teig." Er sagt, er arbeite nicht wie die Großbäckereien mit Konservierungsstoffen – stattdessen viel mit Sauerteig und den alten, gesunden Getreidearten wie Emmer, Dinkel und Einkorn. Vor diesem Hintergrund bemerkenswert: Waidelich bietet seine Brötchen und Brezeln für einen geringeren Preis als die Bäckereifilialen in der Umgebung an.
Lediglich seine Brote seien etwas teurer: "Für einen Kilo Mehl aus Emmer oder Kamut zahle ich mehr als drei Euro", sagt er. "Teilweise backe ich glutenfrei, das ist auch für Allergiker interessant", so Waidelich. Die hohe Nachfrage nach seinen Backwaren erklärt er auch damit, dass "Gott sei Dank" wieder mehr Wert auf "anständige Lebensmittel" gelegt werde. Der Neuweiler unterstreicht, wie dankbar er seinen Kunden ist. "Da kommen viele heute noch, die von der ersten Stunde an dabei waren – und immer wieder neue Kunden, die ich vorher nicht kannte."
Gerade auch die Vielfalt seines Angebots zwinge ihn dazu, schon am Freitagabend mit dem Backen anzufangen: Verschiedene Brote, Brötchen, Croissants und Laugengebäck – alles wird frisch von Hand hergestellt. "Schnecken und Vögele, das Neuweiler Traditionsgebäck, dürfen natürlich nicht fehlen", ergänzt Waidelich mit einem Grinsen. Die Rezepte dafür wurden ihm von seinem Großvater Johann Seeger überliefert, der früher eine kleine Bäckerei in Neuweiler hatte. Auch Waidelichs Mutter war gelernte Bäckerin: "Von ihr habe ich viel gelernt", erinnert er sich.
Höhepunkte sind für ihn Feste im eigenen Hof
"Highlights" des Jahres sind für ihn persönlich die Feste im heimischen Hof mit bewirteten Zelten: Anfang Juni lädt er immer zum Weißwurstfrühstück ein, im Oktober gibt es ein Zwiebelkuchenfest und zum Neuweiler Weihnachtsmarkt bietet er Flammkuchen sowie andere Spezialitäten an. In diesem Jahr ist es am 16. Dezember so weit. An Heiligabend und Silvester backt Waidelich auf Bestellung: Früchtebrot, Stollen und Weihnachtsbrezeln stehen auf dem Programm.
Beim Blick in die Zukunft wird Waidleich nachdenklich: "Ich will schon bei meiner aktuellen Arbeitsstelle bleiben. Aber man weiß ja nie, wo der Weg hingeht – ein eigenes Vesper-Café wäre ein Traum."