Neue Falschmeldung!: Die Mär vom entführten Kind – und was die Täter damit vermutlich bezwecken

Eine angebliche Entführung soll sich in Calw zugetragen haben – eine Falschmeldung (Symbolfoto).
tgordievskaya - stock.adobe.comMitte August geschah es schon einmal: Eine besorgniserregende Nachricht kursierte im sozialen Netzwerk Facebook im Internet. Die achtjährige Clara Schulz, so hieß es darin, sei in Calw beim Spielen in ihrem eigenen Garten entführt worden.
Nun soll einem elfjährigen Mädchen namens Klara Schröder, ebenfalls in Calw, dasselbe widerfahren sein. Die Suche nach ihr laufe in der ganzen Stadt. Die Person, die das Ganze in dieser Woche online stellte, bittet darum, den Beitrag weiterzuverbreiten, um den Täter zu identifizieren.
Doch weder Clara Schulz noch Klara Schröder existieren.
„Diesen Fall gibt es bei uns nicht“
„Tatsächlich handelt es sich hier um eine Falschmeldung die nicht von uns stammt“, erklärt Silas Lindörfer, Sprecher des Polizeipräsidiums Pforzheim, auf Anfrage unserer Redaktion zur Causa Klara Schröder. „Diesen mutmaßlichen Vermisstenfall gibt es bei uns nicht.“
Bereits vor rund zwei Wochen hatte eine Sprecher der Polizei mit Blick auf den angeblichen Fall der Clara Schulz erklärt, dieser sei den Behörden nicht bekannt – und eine Clara Schulz sei in Calw auch gar nicht polizeilich gemeldet.
„Nicht weiter verbreiten“
Lindörfer stellt darüber hinaus klar: „Verlässliche Auskünfte in Bezug auf Vermisste im Präsidiumsbereich der Polizei Pforzheim kommen ausschließlich von uns oder anderen Sicherheitsbehörden.“ Und: „Wir bitten darum, solche Informationen nicht weiter zu verbreiten.“
Beiträge dieser Art haben dennoch seit Monaten Hochkonjunktur, verbreiten sich trotz zahlreicher Warnungen wie ein Lauffeuer vor allem in den sozialen Medien.
Namen, Alter, Ort und Fotos der Kinder variieren dabei, die Geschichte bleibt dieselbe. Es handelt sich sämtlich um Falschmeldungen.
Im angebliche Fall der Klara Schröder wenden die Betrüger darüber hinaus besonders perfide Tricks an. So heißt es: „Klara ist die Tochter einer Bekannten von mir und ihre Familie vermisst sie unendlich und ist völlig verzweifelt.“ Lockend ist dort darüber hinaus zu lesen: „Sehen Sie sich auch die Aufnahmen der Überwachungskameras an, die im Artikel unten verlinkt sind.“
Doch wer auf solcherlei Links klickt, landet auf dubiosen Seiten angeblicher Spendensammler – oder gefälschten Login-Seiten. Wer dort seine Zugangsdaten eingibt, wird zum Opfer. Der Account wird von den Tätern übernommen.
„Mit deinem Namen wirkt alles glaubwürdiger“
„Du wirst vom Helfer zum Werkzeug der Täter“, warnt der Verein Mimikama, der sich der Aufklärung über Internetbetrug, Fake News und Desinformation verschrieben hat. Mittels des Accounts würden ab diesem Moment etwa weitere Fake-Posts verbreitet.
Doch warum das Ganze? „Facebook-Profile sind digitales Kapital“, schreibt Mimikama auf seiner Internetseite. Gestohlene Logins würden weiterverkauft, seien In Untergrundforen bares Geld wert. „Mit deinem Namen wirkt alles glaubwürdiger: Deine Freunde vertrauen dir. Wenn du um Hilfe bittest, reagieren sie“, heißt es dazu.
Zudem könnten Kriminelle mit einem Profil Anzeigen schalten, Fake-Shops bewerben oder Geld stehlen.
