Kreisverband Calw
: Dolderer: VdK wird nicht genügend wahrgenommen

Der Kreisverband Calw des Sozialverbands VdK zählt inzwischen mehr als 4000 Mitglieder. Von der Spitze kommt scharfe Kritik an mangelnden Reformen der Politik.
Von
Ralf Recklies
Oberndorf
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Die Mitglieder des neu gewählten Vorstands des VdK Calw unter dem Vorsitz von Helmut Dolderer (Vierter von rechts) mit den politischen Ehrengästen Klaus Mack und Carl Christian Hirsch sowie dem stellvertretenden VdK-Landesvorsitzenden Jürgen Neumeister.

Ralf Recklies

Der Kreisverband Calw des Sozialverbands VdK in Baden-Württemberg erlebt seit geraumer Zeit einen Mitgliederzuwachs. Für den Kreisverbandsvorsitzenden Helmut Dolderer ist dies ein deutliches Zeichen dafür, dass der Sozialverband „mehr denn je benötigt wird“.

Zählte der VdK im Landkreis Calw Ende 2025 insgesamt 3998 Mitglieder, so ist dies Zahl inzwischen auf mehr als 4000 gestiegen – trotz zahlreicher Todesfälle (88) von Mitgliedern und insgesamt 177 Abgängen.

Die steigende Mitgliederzahl ist laut Dolderer vor allem „der engagierten Arbeit unserer Ortsverbände zu verdanken“. Diese würden vor Ort „eine nicht zu ersetzende Basisarbeit“ leisten. Sehr gefragt seien die Beratungsangebote. Die Anzahl der ehrenamtlichen Sozialberatungen an acht Standorten im Landkreis Calw sei inzwischen auf „mehr als 800“ angestiegen.

Wirtschaftliche Verhältnisse werden immer prekärer

Für Dolderer ist die steigende Nachfrage nach diesen neuerdings als Lotsendienst bezeichneten Beratungen ein Zeichen, dass sich die wirtschaftliche Lage vieler Menschen verschlechtert hat. Erfreulich für den VdK-Kreisverbandsvorsitzenden: Durch die Ausbildung von Andreas Löb und Anja Kirchhoff zu Versichertenberatern der Deutschen Rentenversicherung könne das Beratungsangebot erweitert werden. Insbesondere in der Geschäftsstelle in Calw sei die Nachfrage nach Beratungsdienstleistungen zuletzt stark angestiegen. „Diese Anstiege sind auch ein Barometer, dass bei vielen Ratsuchenden die wirtschaftlichen Verhältnisse immer prekärer werden.“

Bedauerlich ist aus der Sicht Dolderers allerdings, dass der einst als Selbsthilfegruppe für Kriegsgeschädigte gegründete VdK als Sozialverband nicht im gewünschten Maße wahrgenommen werde. Häufig werde man mit Fragen konfrontiert, was denn der VdK überhaupt mache. Mit Tina Kaur habe man nun eine Mitstreiterin gefunden, die künftig helfe, den VdK vor allem in den digitalen Medien bekannter zu machen. Ab dem 30. April wolle man sich mit Kurzbeiträgen in den sozialen Medien vorstellen.

VdK-Kreisvorsitzender mahnt dringende Reformen an

Dass die deutsche Politik nach wie vor wenige Ergebnisse bei möglichen Sozialreformen liefere, bedauert Dolderer. Die sozialen Kassen wie die gesetzliche Kranken- und die gesetzliche Pflegeversicherung würden zudem seit Jahren mit Beiträgen belastet „die nachweislich eine Aufgabe des Bundeshaushalts sind“. So dürfe es nicht weitergehen. Es müssten endlich Reformen her, durch die auch die Besserverdienenden stärker ins System eingebunden würden. „Dann würde auch das Beitragsaufkommen der gesetzlichen Kassen entlastet werden.“ Und es hätte laut Dolderer einen weiteren Effekt: in einer gerechteren Gesellschaft würden die politischen Ränder nicht erstarken.

Kreiskassiererin Marianne Weippert hatte erfreuliche Zahlen für die Delegierten bei der Versammlung im Löwen in Oberhaugstett. So standen im Jahr 2025 Einnahmen von fast 32.000 Euro nur Ausgaben von knapp 24.000 Euro gegenüber. Durch das Plus hat sich das Vereinsvermögen auf nun 67.137 Euro erhöht. Erfreulich zudem, dass es dem VdK im vergangenen Jahr wieder gelungen ist, durch Anträge, Widersprüche oder Klagen gegen Rentenbescheide erhebliche Rentennachzahlungen zu erwirken. Die Zahlung von mehr als 388.000 Euro an die Bezugsberechtigten konnte somit erreicht werden.

Im Verlauf der weiteren Sitzung, an der unter anderem auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus Mack und sein Landtagskollege Carl Christian Hirsch sowie Jürgen Neumeister als stellvertretender Landesvorsitzender teilnahmen, informierte Andreas Schwarz, 1. Direktor der Deutschen Rentenversicherung, in einem Vortrag über „Alterssicherung – gestern, heute morgen“.

Info

Wahlen
Bei den Wahlen wurde Helmut Dolderer erneut zum Vorsitzenden gewählt. Für Jürgen Schmidt, der nicht mehr für die Position des zweiten Vorsitzenden kandidierte, wurde Andreas Löb als Stellvertreter Dolderers gewählt. Als Kassiererin wurde Marianne Weippert im Amt bestätigt, Schriftführerin bleibt Kathrin Hirner. Neue Frauenvertreterin ist Manuela Rühle. Als Beisitzer wurden Jürgen Schmidt, Betram Haase (Öffentlichkeitsarbeit), Tina Kaur (Soziale Medien) und Klaus Käfer (Obmann Rentner) gewählt. Obmann für Behinderte bleibt Marco Dittus, der zuvor seinen ersten Bericht vorgelegt hatte und für die bereits realisierten und angestoßenen Projekte viel Beifall erhielt.

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