Klostersommer Calw-Hirsau: Willy Astor ist nicht nur in Ass-Dur ein Genuss

Willy Astor verschlägt es nicht so schnell die Sprache.
Thomas Fritsch„Ich krise Sie“, hieß Astor mit einem seiner zahlreichen Wortspiele das Publikum willkommen. Selbst seine Bergstiefel wiesen eine Talsohle auf, aber immerhin sehe er jetzt einen Tunnel am Ende des Lichts. Schließlich verhindere Albernheit den Ernst der Lage. Und Humor ist die stärkste Waffe gegen Stumpfsinn, hat ihm Kollege Gerhard Polt gesagt.
Hirsau hat es Astor angetan, er liebt das Ambiente im Kloster. Schließlich war er nicht zum ersten Mal da. Gleichwohl sprach er Hirsau aus, wie wenn es sich mit „ie“ schreiben würde – ein Schuft, wer Böses darüber denkt. Und er hat eigens ein Lied komponiert: „Oh du mein schönes Hirsau, die bist so wie du bist.“ Das war es dann auch schon in aller Kürze und Astor hatte seinen ersten fetten Lacher.
Immer wieder neue Wortakrobatik
Seit 40 Jahren steht er auf der Bühne. Da verwundert es schon, dass ihm für seine Wortakrobatik immer wieder Neues einfällt. Für ihn ist das Humor direkt vom Erzeuger, es sind Texte in Demeter-Qualität. Etwa wenn er sich Songtexte vornimmt: Cheddar on the Wall (Shadow on the Wall), You can leih‘ mei‘ Saier (You can light my Fire) oder Sechs Plomb für Sexbomb.
Da merkt man schon: Schriftlich lässt ich das manchmal schlecht wiedergeben. Astors Witz lebt oft vom gesprochenen Wort. „Ich und Eric Clapton Deep Purple Barclay James Harvest“ scheint auf den ersten Blick keinen Sinn zu geben. Will heißen: Da haben die beiden Schmutzfinken Willy und Eric Pobel am Haar eines Barclay James festgeklebt. Alles klar?
Auch die Klassik ist vertreten, wenn Wolfgang Amadeus Notarzt im Opel Karajan zum Einsatz fährt und einen Dudelsack repariert. Und es kann passieren, dass jemand seine Zauberfläte in die Geigerin bohrt, Anne-Sophie dann Mutter wird und eine Mendelssohn gebiert.
Selbst die pubertäre Jugend bekommt ihr Fett weg
Alte und Junge bekommen von Astor ihr Fett weg. Statt der „Schickeria“ heißt es „Bring a Rührei“, weil der Senior nichts mehr beißen kann. Und das „Pubertier is in the House“ und zieht womöglich nie mehr aus – das wird als Rap besungen. In dessen Zimmer kann man locker vom Fußboden essen, weil da sowieso genug rumliegt.
Astor greift auch auf Wiederholungen zurück. Von seinem Urlaub auf den Spirituosen hat er schon öfters erzählt. Wie ihm dort die zickige Mariacron begegnet ist, bei der er nicht landen konnte und sein Henkel trocken blieb. Mit einem Söhnlein brillant wurde es dann nichts. Das Publikum hat dennoch grölend gelacht.
Das Duo Ass-Dur zieht sich auf der Bühne um
Die Brüder Dominik und Florian Wagner sind das Duo Ass-Dur. Sie brannten ein unglaubliches musikalisches Feuerwerk ab, gepaart mit Wortspielereien. Bisweilen fühlte man sich an das Varieté erinnert; etwa wenn sie sich klavierspielend auf der Bühne umzogen. Oder wenn sie bei der Zugabe demonstrierten, wie man im Sitzen tanzen kann und dabei so manchen geilen Move hinbekommt, ohne zu schwitzen.
Musikalisch lassen sie kein Genre aus: Jazz und Swing, Rock und Pop, Csardas und Sirtaki. Und natürlich die Klassik: Florian am Piano, Dominik auch an der Geige. Und das alles wurde dann noch fröhlich vermischt. Einer der Höhepunkte: Als Florian Wagner demonstrierte, wie wohl Franz Liszt „Bohemian Rhapsody“ von Queen komponiert hätte. Hinzu kamen „Barbie Girl“ von Bach und „Atemlos durch die Nacht“ von Mozart.
Ein Lied aus Zurufen des Publikums
Skurril wurde es, als sich die beiden Begriffe aus dem Publikum zurufen ließen und daraus ein Lied schrieben. Dominik sang es als Rap. Florian zog den Swing vor. Das habe er in den USA in den Swing-States studiert. Was da mit Oachkatlzschwoaf, Steuererklärung und Einhorn, Saskia Esken und Boris Palmer zusammenkam, war zum Brüllen komisch.
Astor und Ass-Dur, beide aus Bayern, dürften jedenfalls dafür gesorgt haben, dass die Besucher für gut zwei Stunden ihre Sorgen vergessen konnten. Das Publikum hat sich jedenfalls köstlich amüsiert.