Klimawandel wird sichtbar
: Förster kämpfen in Bad Teinach für die Zukunft des heimischen Waldes

Mitglieder des Gemeinderats Bad Teinach-Zavelstein haben sich ein Bild vom Zustand des Gemeindewaldes gemacht. Ein Sorgenkind dabei: der Sommenhardter Hang.
Von
Jannis Jäger
Oberndorf
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Jan Heckmann(vorne rechts), stellvertretender Abteilungsleiter Forstbetrieb und Jagd im Landratsamt, und Saskia Bräuner (vorne links), Forstrevier Bad Teinach-Zavelstein, erläutern die Situation am Sommenhardter Hang.

Jäger

Auch im Nordschwarzwald wird die Gefahr durch den Klimawandel immer deutlicher. Die Böden sind trocken und der Borkenkäfer frisst sich durch den geschwächten Bestand.

„Es ist wichtig, sich mal vor Ort ein Bild zu machen“, erklärte Bürgermeister Markus Wendel. Er und Vertreter des Bad Teinacher Gemeinderats hatten sich am Freitag zu einem Waldbegang getroffen, um den Zustand des Gemeindewalds zu inspizieren.

Aktuell kritische Situation

Als Vertreter des Forstbetriebes klärten Jan Heckmann, stellvertretender Abteilungsleiter im Landratsamt, und Saskia Bräuner, Revierleiterin für die Gemeinde, über den Zustand des Waldes auf – und über die Maßnahmen, die ergriffen worden sind, um mit der aktuell kritischen Situation umzugehen.

Was jetzt schon feststehe, erklärt Heckmann, sei, dass die aktuelle Episode von Anfang Februar bis Ende Mai im Vergleich die trockenste seit Beginn der Aufzeichnungen 1931 ist. Eine Nachricht, wie sie derartig nicht zum ersten Mal laut wird – allerdings eine, die einige Konsequenzen einschließt.

Gefahren durch Trockenheit und Käfer

Die Station, die die Gremiumsvertreter ansteuerten ist der „Sommenhardter Hang – Haldeweg“. Hier an diesem Hang – Südlage und sonnenbeschienen – springt den Betrachtern der Klimawandel förmlich ins Gesicht. „Wir stehen hier am Sorgenkind“, erklärte Bräuner.

Im Moment zehre man noch von den Reserven aus dem relativ vorteilhaften Vorjahr. Der letztjährige Regen habe eine Art Entspannungsphase gebracht. Auch der Borkenkäfer sei verhältnismäßig schwach geblieben. Doch dieses Jahr verspreche jetzt schon, wieder ein extrem trockenes zu werden.

Vieles bereits wieder vertrocknet

Der Sommenhardter Hang sei durch seine Lage besonders von der Trockenheit betroffen, erklären die Forstvertreter. Die Fichten und Tannen hier müssen womöglich abgeräumt werden. Die Hoffnungsträger heißen unter anderem Kiefer und Eiche. Doch von den vorgenommenen Pflanzungen sei vieles bereits wieder vertrocknet, erklärte Bräuner.

Frisch gepflanzte Eichen, die direkt eingehen – eine Verjüngung des Bestandes sei hier schwierig, Pflanzungen würden durch den sandigen Boden, den steinigen Hang erschwert und für die Unternehmen sehr teuer. Außerdem hätten Laubbaumarten eine längere Wachstumszeit.

Hier gebe es eigentlich keinen klassischen Umgang mehr. Die durch den Klimawandel hervorgerufenen Verhältnisse machten einen radikalen Einsatz nötig. „,Lehrbuchmäßig’ gibt es nicht mehr so richtig“, meinte die Revierleiterin.

Zusammensetzung der Baumarten muss sich ändern

Ein Zauberwort, auf dem die Hoffnungen der Förster liegen, lautet: Durchmischung. Zeder, Hasel, Kastanie, Roteiche, Douglasie. Die Zusammensetzung der Baumarten müsse sich ändern. Vor allem mit stärker trockenheits-resistenten Exemplaren. Mehr Arten bedeuten mehr Puffer. Im Fall, dass eine Art angegriffen werde, habe man dann den Vorteil, dass mehrere andere den Bestand des Waldes sicherten.

Die Fragen aus dem Gremium ließen nicht auf sich warten. Was wäre denn, wenn die nahe Zukunft erstmal noch mehr Trockenheit bereit halte?

Hang-Sicherheit erstmal nicht gefährdet

Die Hang-Sicherheit sei erstmal nicht gefährdet, erklärten die Experten, doch der Bestand sei dann in Gefahr. „Da frisst sich dann der Käfer durch“, erklärt Bräuner.

Wichtig sei auch zu bedenken, dass trotz der rekordhaften Trockenheit keiner von diesem Jahr als Ausnahme-Jahr ausgehen dürfe. Mit dergleichen müsse man in Zukunft verstärkt rechnen. Das könne unter anderem bedeuten, dass die Holznutzung künftig nicht mehr rentabel betrieben werden könnte. Andere Auswirkungen müssten noch untersucht werden. Die Filterfunktion des Waldes für Wasser etwa.

Es gibt noch Strategien – und es gibt Hoffnung

An anderer Stelle des Gemeindewaldes ist die Situation weniger kritisch. Rund um den Beckenkorb etwa finde man einen sehr bewachsenen Grund, einen lehmigen und fruchtbaren Boden. Nichtsdestotrotz sei es nur eine Frage der Zeit, bis der Klimawandel auch hier zuschlage, erklärten die Förster. Es sei deshalb wichtig, Vorkehrungen zu treffen.

Ratsam wäre es, passiv eine Verjüngung und Durchmischung zu erreichen – Pflanzungen, wie am Sommenhardter Hang, seien hier noch nicht nötig. Die Maßnahmen gehen eher in die Richtung Licht- und Saatregulation.

Durchmischung und Verjüngung seien zwei Stellschrauben, mit denen man die Risiken des Klimawandels minimieren wolle, so Heckmann. Junge Bäume seien tendenziell resistenter und auf lange Sicht könne sich durch natürliche Auslese ein widerstandsfähigerer Bestand herausbilden.

Irgendwann wären Pflanzungen nur noch vergrabenes Geld

An den prekäreren Stellen sei aktuell aber die Frage: „Können hier in zehn Jahren überhaupt noch Bäume stehen?“, so Bräuner. Als letzte Konsequenz bestehe das Szenario, dass an einer solchen Stelle wie dem Sommenhardter Hang eine Buschlandschaft entstehe. Was es dafür bräuchte, wären noch ein paar schlechte Jahre, so dass irgendwann Pflanzungen nur noch vergrabenes Geld wären.

Die Hoffnungen seien aber andere: „Wir kämpfen und wir wollen nicht aufgeben“, bekennt Heckmann. Noch ist also nichts verloren. Die Förster haben noch einen Plan und wie das Sprichwort sagt: Man soll nicht ertrinken, bevor man das Wasser sieht.

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