Jugendbeirat in Calw: Lösung für das Dauerproblem ÖPNV?

Der Busverkehr läuft nicht immer rund. Das bemängelt der Jugendbeirat seit Jahren.
Thomas FritschSeit nunmehr vier Jahren ist der Jugendbeirat fester Bestandteil des politischen Engagements in der Stadt Calw. Beteiligen können sich alle Jugendlichen, die Calwer Schulen besuchen und sich dort in der SMV (Schüler mit Verantwortung) oder anderweitig politisch engagieren und interessieren. Dabei hat jede Schule eine festes Kontingent an Plätzen im Beirat, die sie mit ihren Schülern besetzen kann.
In Gruppen werden anschließend Projekte erarbeitet, die von altbewährten Problemen bis Kulturveranstaltungen reichen. Jüngst stellten sie die Ergebnisse ihrer Arbeit im Calwer Gemeinderat vor.
Das erste Projekt war Bestandteil des Stadtfests. Am 28. Juni hatten die Jugendlichen dort einen Bandwettbewerb ausgerichtet. Unter dem Motto „Be a Star“ durften junge Musiker unter 27 Jahren genreübergreifend ihr Können unter Beweis stellen und innerhalb von 15 Minuten eine Jury und das Publikum überzeugen.
Nach den Abstimmungen hatten sich die Teilnehmer über Preisgelder und die Erstplatzierten über einen festen Auftritt auf dem nächsten Stadtfest gefreut.
Workshops des Jugendbeirats
Neben dem musikalischen Höhepunkt hatten die Jugendlichen auch den Graffitikünstler Nathan Kitch eingeladen, der bei einem Workshop Interessierten den Umgang mit der Spraydose vermittelte.
Die zweite Gruppe machte dem Jugendbeirat als politisches Organ alle Ehre. Sie ermöglichten Schülern aus Calw eine Podiumsdiskussion im Hermann-Hesse-Gymnasium – kurz vor den Bundestagswahlen im Februar.
Im Gespräch mit sechs Direktkandidaten des Landkreises Calw ging es um die Fragen von Klima, Schuldenbremse und Migration. In Fragerunden konnten eigene Themen adressiert werden und man kam direkt in Kontakt mit Politik, der hoffentlich Interesse geweckt hat, so Reinhard Köcher, einer der Organisatoren.
Probleme im ÖPNV angehen
Den Mitgliedern des Jugendbeirats bot sich zudem die Möglichkeit, den Landtag zu besichtigen, dessen Plenarsaal man bis jetzt „nur aus dem Fernsehen kennt“, stellt Jugendbeirätin Luisa Schulze am Ende fest.

Die Projekte kamen gut an.
Foto: Alex RisseSeit Einführung des Beirates versuchen die Schüler auch die Probleme im öffentlichen Nahverkehr im Landkreis anzugehen – so auch in diesem Jahr. Neu dabei: Über das bereits bestehende Beschwerdeportal „buskommtnicht“ können Beschwerdeformulare, die das Landratsamt gegen die zuständigen Busunternehmen braucht, jetzt automatisiert erstellt werden.
Daten werden gesammelt und dann weitergeleitet
Dabei hilft künstliche Intelligenz, der sogenannten „Chatbot“, die nötigen Informationen zum Ausfüllen der Beschwerde durch Fragen der KI an den Nutzer zu vervollständigen.
Mittels des Schreibens mit dem Bot werden alle Daten zu Haltestelle, Buslinie und Uhrzeit gesammelt und tabellarisch festgehalten und können direkt an das Landratsamt weitergeleitet werden.
Oberbürgermeister Florian Klingt fügte an, der Plan sei, dieses Konzept auf den gesamten Regionalverkehr auszuweiten, da zurzeit nur die Schulbusse abgedeckt werden.
Auslastung muss getestet werden
Vonseiten des Datenschutzes könne man ebenso beruhigt sein, da keine personenbezogenen Daten verwendet werden. Auf die Frage von Gemeinderatsmitglied Johannes Schwarz (Grüne) hin, wie das Projekt in der Öffentlichkeit beworben werden könne, müsse zuerst die Auslastung getestet werden, so der Oberbürgermeister.
Seit der Vorstellung des Beschwerdeportals ist dieses auch nutzbar, für mobile Geräte ausgelegt und kann über „www.buskommtnicht.de“ aufgerufen werden, teilte der persönliche Referent des Oberbürgermeisters, David Mogler, auf Nachfrage mit.