Hilfe bei Herzstillstand: Neuer Defibrillator in Stammheim

Renate Pletschen (von links), Anja Breitling, Sebastian Retsch, Sarah Müller und Reinhard Giese präsentieren den Defibrillator am Stammheimer Rathaus.
Roland StößAuf Initiative des benachbarten Teams vom „Café Alte Feuerwehr“ spendierte der Lions-Club Hirsau den wertvollen Lebensretter. Dass es überhaupt zu dieser Übergabe des AEDs, so nennt man die Geräte im Fachjargon, kommen konnte, ist mehreren Akteuren und deren Engagement zu verdanken. Erst im November vergangenen Jahres hatte Café-Vorständin Renate Pletschen den Antrag beim Hirsauer Lions-Club eingereicht. Sie hatte nämlich gehört, dass sich der 1958 gegründete Club in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz im Kreis Calw die Aufgabe gestellt hat, „die Überlebenschancen bei plötzlichem Herztod durch flächendeckende Reanimationsschulungen und der Installation von Defibrillatoren zu erhöhen“.
Belebte Ortsmittedurch das Café
Zwei Monate nach Antragstellung war es so weit. Lions-Präsidentin Anja Breitling und Sebastian Retsch freuten sich, dass an solch exponierter Stelle das Gerät seine Heimat findet. Renate Pletschen und Vereins-Co-Vorstand Reinhard Giese wiesen darauf hin, dass mit dem Café „Alte Feuerwehr“ das öffentliche Leben im Stammheimer Zentrum gewachsen ist.
Mittlerweile helfen im Verein mehr als 100 ehrenamtlich Tätige mit. Die Besucherzahl zu den Öffnungszeiten und bei Events – Kleinkunst, Musik, Filmvorführungen – wächst und wächst. Die Mitgliederzahl hat inzwischen die 300er-Grenze überschritten.
Herztod eine der häufigsten Todesursachen
Sowohl Besucher, als auch Mitarbeiter stammen aus allen Altersgruppen. Eben von jung bis „älter“, (Zitat Renate Pletschen). „Da kann es ganz schnell einmal zu einem medizinischen Notfall kommen.“ Lions-Mitglied Retsch hat schon einmal miterleben müssen, wie aus dem Nichts heraus ein Mensch mit einem Herzstillstand notfallmäßig behandelt werden musste. In diesem Fall ging es gut. Doch in vielen anderen Notfällen müssen Menschen sterben. Deshalb teilt der Calwer DRK-Kreisverband mit, dass „der plötzliche Herztod eine der häufigsten Todesursachen ist. Alleine im Landkreis erleiden jährlich mindestens 140 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand“. Dabei könne es jeden treffen: „Junge und Alte, Sportler und Couch-Potatoes,“ so das DRK.
Oft minimale Überlebenschance
Bis der Rettungsdienst eintreffe, seien die Überlebenschancen nur noch minimal, wenn nicht unverzüglich geholfen werde. Bereits nach kurzer Zeit treten irreversible Schäden im Gehirn auf. Deshalb schätzen die Akteure aus dem Café und des Lions-Club die Installation eines „Defis“ an diesem Hotspot als besonders wertvoll ein. „Es ist ein Platz, an dem viele Menschen verkehren.“
Die Ortsvorsteherin Sarah Müller beurteilte „dieses Engagement super“. Sie dankte im Namen der Stadt Calw dem Quartett Pletschen, Giese, Breitling und Rentsch. Und erhielt postwendend einen Dank zurück. Immerhin musste für das Gerät nicht nur ein geeigneter Platz am Rathaus (direkt neben dem Eingang) gefunden werden. Der Defibrillator muss mit Strom und WLAN versorgt werden, damit er seinen Dienst tun kann. Strom deshalb, weil der Akku gerade in kalten Zeiten wie diesen beheizt werden kann. Das WLAN sorgt für regelmäßige Updates.
Appell an Helfer: Nur keine Hemmungen
Nun weiß man seitens des DRK, der Lions-Helfer und im Café-Team, dass jeder, der mit einer Notfallsituation und dem Defibrillator noch nie etwas zu tun gehabt hat, Angst hat. Anja Breitling: „Für viele ist die Führerscheinprüfung und der damit verbundene Erste-Hilfe-Kurs schon lange her.“ Renate Pletschen ergänzte: „Sich an den Defibrillator heranzutrauen, da könnten Menschen Hemmungen haben.“
Diese Angst möchte Sebastian Retsch allen nehmen, die sich plötzlich in der Position des Helfers wiederfinden. „Das Gerät ist selbsterklärend. „Es spricht mit einem und sagt einem Schritt für Schritt, was zu tun ist.“
Kurse nicht nur für Mitarbeiter geplant
Doch gibt man sich damit nicht zufrieden. Der Lions-Club organisiert mit dem DRK Erste-Hilfe-Kurse. So wird einem auch die letzte Angst vor der Anwendung eines Defibrillators genommen. Das Café „Alte Feuerwehr“ handelt auch hier ganz konkret. Am 16. Februar werden Café-Mitarbeiter zu einem Kurs eingeladen. Der weitere Plan: „Für die breite Öffentlichkeit werden dann weitere Kurse im Café angeboten“, versprachen Renate Pletschen und Sebastian Retsch.