Geschichte in Altensteig
: Altensteig 1944: Zufluchtsort für kriegsevakuierte Betriebe

In Altensteig waren in den Kriegsjahren für einige Zeit Unternehmen untergebracht, die anderswo von Bomben bedroht waren.
Von
Dietmar Waidelich
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Die ehemalige Möbelfabrik in Altensteig (Karl-/Schillerstraße): Hier fabrizierte die Ludwigsburger Firma Sautter & Cie. K.G.

Dietmar Waidelich

Das Jahr 1944 brachte Altensteig dem Krieg näher, in vielerlei Hinsicht. Die traurigen Nachrichten über gefallene „Söhne der Stadt“ nahmen erheblich zu. Ebenfalls häufiger: Fliegeralarme mit dem lästigen Aufsuchen der Luftschutzkeller, vor allem in der Nacht. An die strikte Rationierung von Lebensmitteln und anderen Waren hatte man sich schon gewöhnt. Das Jahr brachte aber auch eine große Anzahl von „Luftkriegsbetroffenen und vorsorglich Evakuierten“ aus den Großstädten nach Altensteig. So waren Ende März 1944 bereits 570 „Luftkriegsbetroffene“ in Altensteig einquartiert – Tendenz steigend.

Verlagerung von Firmenteilen

Oft waren es nur Verlagerungen von kleineren Firmenteilen nach Altensteig, manchmal sogar nur das Einlagern von Gegenständen. So wurden im Alten Schloss Museumsstücke des württembergischen Staatsmuseums eingelagert. Die Lederwaren-Firma „Philipp Meid“ aus Offenbach a.M. mietete einen kleineren Lagerraum beim Eisengeschäft Fritz Bühler Junior an, wie auch die Firma Salamander bei der Lederfabrik Karl Armbruster vorwiegend Lagerfläche benutzen durfte. Bei der Textil-Firma Bleyle wurde mehr „verlagert“, denn zwei ihrer Firmenangestellten arbeiteten 1944 in Altensteig.

Manchmal kamen die Firmen auch von außerhalb Württembergs wie die in Saarbrücken beheimatete „Maschinenbau-AG, vormals Ehrhardt & Sehmer“, die im Oktober 1944 außer Räumen in Calw und Hirsau auch in Altensteig Räume angemietet hatte – und zwar im ehemaligen Finanzamt Altensteig. Ebenfalls aus dem Saarland (St. Ingbert) kam die Elektro-Motorenfabrik, die im November 1944 die Altensteiger Auto-Werkstätte Kicherer im Fokus hatte. Daraus wurde jedoch nichts, da die Firma „Hasberg Hans Schneider Baden-Baden“ ab dem 1. Februar 1945 diesen Werkstattraum angemietet hatte.

Die 1938 fertiggestellte ehemalige Jugendherberge: Ab Juli 1944 war hier die württembergische Landeskasse untergebracht.

Foto: Dietmar Waidelich

Die größten Mieter waren jedoch zum einen die Landeshauptkasse, die die ehemalige Jugendherberge in der heutigen Jahnstraße, damals noch Adolf-Hitler-Straße, komplett in Beschlag nahm. Die 1938 fertiggestellte Jugendherberge hatte von Anfang an eine sehr bewegte Geschichte. 1938 wurde sie fertiggestellt, diente auch für ein Jahr als Jugendherberge, geführt von der HJ. Zu Beginn des Krieges wurden jedoch Wehrmachtstruppen hier einquartiert, danach wurde sie für die sogenannte Kinderlandverschickung (KLV) benützt, bis dann die württembergische Landeshauptkasse aus Stuttgart ab 1. April 1944 die Räume belegte. Sie saß auch im Haus Waldfrieden (ab 12. April 1944), das dadurch seinen Gasthaus-Status verlor.

Aktivitäten als geheim eingestuft

Der andere große Altensteiger „Neu-Betrieb“ war die in Ludwigsburg ansässige Metallfirma „Sautter & Cie. K.G.“, wobei Cie. für Compagnie und K.G. für Kommandit-Gesellschaft steht. Diese Firma war auch in der Rüstungsgüterproduktion tätig, weshalb deren Aktivitäten in Altensteig als „geheim“ eingestuft wurden. Sie belegte den größeren Teil von Möbel Wackenhut (Karlstraße/Schillerstraße). Außerdem wurde noch das ganze Waldhorn angemietet, um dort die Werksangehörigen unterzubringen. Das waren im Juli 1944 über 60 Personen. Dieser Mietvertrag wurde am 12. April 1945 für den 15. April außer Kraft gesetzt. Die französischen Truppen kämpften da schon am Rande des Nordschwarzwalds. Am 16. April standen dann die französischen Truppen in Altensteig – und aus war es mit den Fremdbetrieben.

CW-News
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Kreis Calw Montag bis Samstag im kompakten Überblick.