Gefährlicher Fund in Neuweiler: Warum alte Granaten heute noch explodieren können

Diese sechs Zentimeter große amerikanische Wurfgranate wurde Anfang Juli in Neuweiler gefunden.
Polizei- In Neuweiler wurde am 8. Juli im Wald hinter dem Wildbader Weg eine Wurfgranate gefunden.
- Der KMBD identifizierte eine US-Granate aus dem Zweiten Weltkrieg und transportierte sie ab.
- Laien können Gefahr nicht beurteilen – Regel: nicht anfassen, nicht bewegen, Abstand, Polizei.
- Alte Munition wird mit den Jahren gefährlicher, vor allem wegen empfindlicher Zünder.
- KMBD prüft Form, Größe, Material und Zustand und entsorgt Funde später in einer Anlage.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Was auf den ersten Blick wie ein verrostetes Stück Metall aussieht, kann in Wirklichkeit lebensgefährlich sein. Der Fund einer Granate am 8. Juli in Neuweiler erinnert eindrücklich daran, dass sich noch immer Kampfmittel aus den Weltkriegen im Boden befinden. Im bewaldeten Bereich hinter dem Wildbader Weg wurde der Sprengkörper aufgefunden. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) war schnell vor Ort und hat das Objekt als US-amerikanische Wurfgranate aus dem Zweiten Weltkrieg identifiziert. Die Experten nahmen das Kampfmittel mit, da keine akute Gefahr von ihm ausging.
Doch woran erkennt man überhaupt, ob ein solcher Fund akut gefährlich ist? Die klare Antwort des Regierungspräsidiums Stuttgart (RP), dem der KMBD angegliedert ist: gar nicht. Für Laien sei es grundsätzlich nicht möglich, einen verdächtigen Gegenstand sicher als ungefährlich einzustufen. Deshalb müsse jeder munitionsverdächtige Fund als potenziell gefährlich betrachtet werden, erklärt Laura Hartmann, Pressesprecherin beim RP. Wer eine Granate, Bombe oder Ähnliches findet, für den gelte die Regel: nicht anfassen, nicht bewegen, Abstand halten und sofort die Polizei verständigen.
Je länger im Boden, desto gefährlicher
Der Grund dafür ist, dass alte Munition mit den Jahren keineswegs ungefährlicher wird – im Gegenteil. „Man muss davon ausgehen, je länger die Munition im Boden bleibt, desto gefährlicher wird sie“, sagt Hartmann. Selbst Granaten, die bereits beim Abschuss oder Abwurf extremen Belastungen standgehalten haben, können heute besonders empfindlich reagieren. Die Pressesprecherin erläutert, woran das liegt: „Durch den Alterungsprozess werden die Zünder jeglicher Munition über die Jahre immer gefährlicher. Grundsätzlich ist der Umgang mit alter Munition, die schon einmal verschossen oder abgeworfen wurde, und die möglicherweise jahrzehntelang Witterungen ausgesetzt war, viel gefährlicher als mit solcher, die frisch aus der Fabrik kommt.“
Form, Größe, Material und Zustand prüfen
Deshalb dürfen gefundene Sprengkörper nicht aufgehoben und transportiert werden – auch wenn sie klein oder stark verrostet erscheinen. Nur die Experten des KMBD entscheiden, „ob ein Kampfmittel vor Ort entschärft, gesprengt oder transportiert werden kann“, sagt Hartmann.
Als die Spezialisten die Wurfgranate in Neuweiler untersuchten, stuften sie diese als „handlungssicher“ ein. Der Begriff „handlungssicher“ bedeutet aber keineswegs, dass von dem Sprengkörper keine Gefahr mehr ausgeht. Er beschreibt vielmehr, dass das Objekt „durch eine fachkundige Person gefahrlos bewegt oder berührt werden kann, ohne, dass die Gefahr einer ungewollten Explosion besteht“, erklärt Hartmann. Ob diese Voraussetzung erfüllt ist, oder das Kampfmittel vor Ort gesprengt werden muss, beurteilt der KMBD, indem er Form, Größe, Material und Zustand des Sprengkörpers prüft.

Das Bild zeigt eine unbeschädigte amerikanische Wurfgranate, wie sie beim KMBD zur Anschauung vorhanden ist.
KMBD/VendelNach dem Abtransport endet die Arbeit der Spezialisten noch nicht. Die geborgenen Granaten werden beim KMBD erneut untersucht, gereinigt und fachgerecht eingelagert. Zu einem späteren Zeitpunkt werden die Kampfmittel in einer thermischen Vernichtungsanlage endgültig entsorgt.
Über den Kampfmittelbeseitigungsdienst
Im Zweiten Weltkrieg wurden etwa 1,35 Millionen Tonnen Munition auf das Gebiet des damaligen Deutschen Reiches abgeworfen. Alleine auf das Land Baden-Württemberg entfielen rund 100.000 Tonnen Abwurfmunition, wie auf der Internetseite des Regierungspräsidiums Stuttgart zu erfahren ist. Hiervon detonierten etwa zehn bis 15 Prozent nicht, sodass noch viele Bombenblindgänger in Baden-Württembergs Böden und Gewässern zu vermuten sind, wie es weiter heißt. Um diese Gefahren zu beseitigen, ist der Kampfmittelbeseitigungsdienst im Einsatz, der für das gesamte Landesgebiet zuständig ist, um aufgefundene Kampfmittel zu bergen, zu entschärfen und zu vernichten. Ein Rufbereitschaftsdienst stellt die Einsatzfähigkeit rund um die Uhr und an Wochenenden und Feiertagen sicher.