Fliegendes Klassenzimmer: Altensteig setzt bei Ausweichquartier auf Holz

Das Modul schwebt per Kran ein.
Stadt Altensteig/Andreas BayerZwei Klassen kommen dabei in temporären Klassenzimmern auf dem Schulhof unter. Diese Übergangsräume hatten in der Vergangenheit oft wenig Charme und wiesen auch einige Defizite auf. Erstmals werden deshalb optisch ansprechende Holzmodule anstelle von Stahlcontainern eingesetzt.
Ein Kran hat die vorgefertigten Bauteile an ihren Bestimmungsort auf dem Parkplatz der Schule gehoben. Gemeinsam mit den Stadtwerken Altensteig hat dort die Endmontage stattgefunden. Dem Unterricht steht somit nichts mehr im Wege.
Andreas Bayer, Bereichsleiter Hochbau der Stadt Altensteig, und Jimmy Müller, Geschäftsführer der Firma Müller Holzbau aus Simmersfeld, haben die Module gemeinsam entwickelt. Ziel war, Defizite der bislang genutzten Stahlcontainer auszubügeln. Deshalb wurden bei der Entwicklung auch Fachplaner für Bauphysik, Elektro und Heizung hinzugezogen.

Blick in das Ausweich-Klassenzimmer.
Foto: Stadt Altensteig /Andreas BayerHerausgekommen sind rund 70 Quadratmeter große Klassenzimmer, die inklusive Elektrik und Beheizung jeweils etwa 150 000 Euro kosten. Ein Klassenzimmer wird in zwei Bauteilen geliefert und am Nutzungsort final montiert.
Beheizung mit zwei Varianten
Bei der Beheizung mit Strom gibt es zwei Versuchsvarianten, eine mit Infrarotplatten und eine mit Konvektoren. Die Module überzeugen neben der gelungenen Optik mit einer ansprechenden Akustik sowie einer guten CO2-Bilanz. Die Wände sind aus Brettstapelholz in Seewald gefertigt.
Überhaupt ist ausschließlich Holz aus der Region verbaut, was zu kurzen Lieferketten führt. Gebäude aus Holz zu bauen, setzt von der Planung über die Materialauswahl bis hin zur Fertigung, Lieferung und Montage aller Wand-, Dach- und Deckenelemente vertieftes Wissen rund um den Naturwerkstoff und handwerkliches Können voraus.
Holzbau in fünfter Generation
Die Firma Müller Holzbau als Holzbauunternehmen in fünfter Generation verbindet traditionelle Handwerkskunst mit moderner Technologie und fortwährender Innovationsbereitschaft. „Die Zusammenarbeit war enorm konstruktiv“, freut sich Andreas Bayer. „Alle Beteiligten haben in die gleiche Richtung gedacht und sich mit ihren Ideen oft bestens ergänzt. So konnten die unterschiedlichen Anforderungen optimal miteinander verknüpft und zu einem Gesamtwerk geformt werden – ideale Voraussetzungen um ein Projekt gemeinsam erfolgreich zu gestalten.“
Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Vom Beginn der Planung bis zum ersten Aufstellen jetzt sind lediglich etwa neun Monate vergangen. Und dies inklusive aller Beratungen und Beschlüsse in den kommunalen Gremien.
Das Projekt sei ein hervorragendes Beispiel für die Arbeit bei der Stadt Altensteig. Die Institutionen vor Ort sollen optimale Bedingungen für ihre Arbeit bekommen. Gleichzeitig sollen Investitionen auch ökologisch sinnvoll sein. Die Sanierung der Werkrealschule sowie die Nutzung der Holzmodule erfüllen beide Aspekte.
Regionaler Vorreiter
Altensteig sei in der Region ein Vorreiter in Sachen Klimaschutz. Bereits seit 2014 ist die Stadt für seine Bemühungen in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz mit dem European Energy Award zertifiziert und seither zwei Mal erfolgreich rezertifiziert worden.
Die Holzmodule seien zudem mobil und könnten später an einem anderen Standort wiederverwendet werden – ein weiterer Pluspunkt in Sachen Nachhaltigkeit.
In den kommenden zwei Jahren stehen die Module erst einmal an der Werkrealschule. Doch es gibt bereits Planungen für weitere Sanierungsmaßnahmen. Im Anschluss an die Werkrealschule werden sie voraussichtlich an der Markgrafenschule zum Einsatz kommen.